Akademikerball: Schlagabtausch zwischen FPÖ und Polizei
|
Rund um den Akademikerball der Wiener FPÖ in der Hofburg ist es am Freitagabend zu Zwischenfällen gekommen. Laut Polizei gab es vier Verletzte, neun Festnahmen wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt sowie Hunderte Anzeigen.
Foto: APA/HERBERT P. OCZERET
|
||
Wien - Der am Freitag erstmals abgehaltene „Akademikerball“ hat auch am Tag danach noch einmal für einen veritablen Schlagabtausch zwischen der FPÖ und der Wiener Polizei geführt. Mehrere FP-Politiker kritisierten in Aussendungen das „Versagen“ der Polizeiführung, weil einzelne Ballbesucher von Demonstranten verletzt worden waren. Polizeipräsident Gerhard Pürstl attestierte den Kritikern mangelnden Sachverstand.
Der FP-Abgeordnete Werner Herbert sowie Generalsekretär Harald Vilimsky warfen der Polizei vor, Warnungen über gewaltbereite Demonstranten im Vorfeld des „Akademikerballes“ der Wiener FPÖ ignoriert zu haben. Die Strategie der Polizei sei blauäugig gewesen und daher „voll in die Hose gegangen“, meinte Vilimsky.
Für Pürstl ist die Kritik unverständlich. Wer bei einem Polizeieinsatz dieser Größenordnung wegen vier leichtverletzten Personen von einem „Versagen der Wiener Polizeiführung“ spreche, dem fehle jeder Sachverstand auf dem Gebiet polizeilicher Strategien. Pürstl erinnerte die FPÖ außerdem daran, dass die Ballveranstaltung (früher „WKR-Ball“) seit Jahren schwere Proteste auslöse und überhaupt nur dank der Einsätze der Wiener Polizei stattfinden könne. Gemäß Pürstl handelte es sich um einen „besonnenen und bestens geordneten Einsatz“.
Neun Festnahmen
Rund um den Akademikerball der Wiener FPÖ in der Hofburg war es am Freitagabend zu Zwischenfällen gekommen. Laut Polizei gab es vier Verletzte, neun Festnahmen wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt sowie Hunderte Anzeigen und Identitätsfeststellungen. Rund 3000 Menschen nahmen an der Gegenveranstaltung teil. Unter ihnen waren rund 250 Teilnehmer des sogenannten „Schwarzen Block“, also vermummte Linksextremisten, die als gewaltbereit gelten. Busse mit Kundgebungsteilnehmern seien aus Deutschland angereist, hieß es.
Mehrere Demonstrationszüge waren von unterschiedlichen Punkten in der Stadt in Richtung Innenstadt gezogen und hatten versucht, die Ballbesucher am Zugang zu behindern. Mehrere Hundert Polizisten sicherten die Wege dorthin.
Ab 24 Uhr „ruhiges Straßenbild“
Rund 1200 Demonstranten hatten sich in der Nähe des Wiener Westbahnhofs in Richtung Hofburg bewegt, von der Universität Wien kamen 1300. Am Heldenplatz hatte zudem das Bündnis „Jetzt Zeichen setzen“ eine Veranstaltung mit Lesungen abgehalten, bei der sich laut Polizei rund 400 Personen eingefunden hatten. Bei den Demonstrationszügen wurden Parolen wie „Nazis raus“ gerufen. Zudem wurden vereinzelt Knallkörper eingesetzt.
Um 24.00 Uhr gab es ein „ruhiges Straßenbild“, teilte die Landespolizeidirektion Wien in einer Aussendung mit. Die Polizei sicherte die Zugänge für die Ballbesucher zur Hofburg, in der sich Anhänger der freiheitlichen Partei sowie Burschenschafter nach und nach einfanden.
Der Vorwurf der Gegner der Veranstaltung: Es würde sich dabei um nichts anderes als die Fortsetzung des bereits in den vergangenen Jahren heftig bekämpften Balls des Wiener Korporationsringes (WKR) handeln. Bei diesem sollen sich Jahr für Jahr auch Rechtsextreme eingefunden haben.
FPÖ kritisiert „völliges Versagen der Polizeiführung“
Die Wiener FPÖ kritisiert e noch am Abend das „völlige Versagen der Polizeiführung“ beim Wiener „Akademikerball“. Laut Landesparteisekretär Hans-Jörg Jenewein wurden Dutzende Ballbesucher durch Stein- und Flaschenwürfe von Demonstranten verletzt - darunter auch der EU-Abgeordnete Andreas Mölzer. Der sei vor der Oper von einem Wurfgeschoß getroffen worden und habe eine Platzwunde am Kopf erlitten, sagte ein Parteisprecher der APA.
Dass Mölzer, wie von der FPÖ in einer Presseaussendung behauptet, „schwer“ verletzt worden wäre, wies die Wiener Polizei allerdings zurück. Nach Angaben eines Polizeisprechers wurde der Abgeordnete am Weg zum Ball beim Albertinaplatz „von einem Farbbeutel getroffen und ist dann weitergegangen“.
In der Nacht äußerte sich auch FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky zu dem Vorfall. „Ich kann - Gott sei Dank - das im Internet mit Schadenfreude verbreitete Gerücht über das Ableben von Andreas Mölzer dementieren. Er wurde von Wurfgeschoßen getroffen, ist aber hart im Nehmen und durchaus in der Lage, diesen eleganten Ball noch hinreichend zu genießen“, sagte Vilimsky am späten Freitagabend. Mölzer selbst hatte via Twitter erklärt, er habe „Angst um Leib und Leben“ gehabt.
Die Grünen und Alternativen StudentInnen (GRAS) kritisierten hingegen, dass „sich friedliche DemonstrantInnen von aggressiven Ballgästen attackieren lassen“ hätten müssen. Laut GRAS-Aktivistin Antonia Fa verletzte eine Ballbesucherin Protestierende mit einem Pfefferspray.
Außerdem habe die Polizei „zu späterer Stunde an manchen Orten massive Gewalt angewandt“. Der Wiener Landespolizeipräsident Gerhard Pürstl widersprach dem ebenso wie der FPÖ, die der Polizeiführung ein „Sicherheitschaos“ vorwarf.
Der Akademikerball ist die Nachfolgeveranstaltung des vom Dachverband der deutschnationalen Studentenverbindungen veranstalteten WKR-Balles. Aufgrund der heftigen Gegendemonstrationen hatte die Betreibergesellschaft der Hofburg den WKR-Ball heuer nicht mehr zuzulassen. Stattdessen sprang die FPÖ Wien ein und richtete erstmals den „Akademikerball“ aus. (APA)
aktualisiert: Sa, 02.02.2013 17:29


