02.02.2013, 17:11  Aktualisiert: 02.02.2013, 23:03 
Anschlag auf US-Botschaft in Ankara

Selbstmordattentäter soll aus Deutschland gekommen sein

Eine Linksextreme Untergrundgruppe hat sich zu dem Anschlag auf die US-Botschaft in Ankara bekannt. Der Täter soll in Deutschland gelebt haben.
Die linksradikale türkische Untergrundgruppe bekannte sich zum Anschlag und drohte auch mit weiteren Terrorakten auf US-Vertretungen in der Türkei.
Foto: REUTERS

Ankara/Washington - Der Selbstmordanschlag auf die US-Botschaft in Ankara soll von einem illegal aus Deutschland eingereisten Türken verübt worden sein. Der Mann sei über die griechischen Inseln mit einem gefälschten Ausweis in die Türkei gekommen, berichteten türkische Medien am Samstag weiter. Unterdessen bekannte sich die linksextremistische DHKP-C in einer im Internet verbreiteten Erklärung zu der Tat.

Der Attentäter Alisan Sanli habe sich am Freitag geopfert, erklärte die linksextremistische Organisation am Samstag auf einer Internetseite, die der Gruppe nahesteht. Sie warf den USA Völkermord vor. Nach einem Bericht des amtlichen Fernsehsenders TRT zufolge wurden im Zusammenhang mit dem Anschlag am Samstag drei Personen in Istanbul und Ankara festgenommen.

Der Attentäter hat bei dem Anschlag am Vortag eine Handgranate und sechs Kilo TNT-Sprengstoff gezündet, wie die Ermittlungen ergeben haben. Er hatte sich in einem Eingangsgebäude zum Botschaftsgelände in die Luft gesprengt und einen türkischen Wachmann mit in den Tod gerissen. Eine Journalistin, die auf dem Weg zum US-Botschafter war, wurde schwer verletzt.

Die DHKP-C wird von den USA und der Europäischen Union als Terrorgruppe eingestuft. Die türkische Regierung verstärkte die Sicherheitsmaßnahmen für diplomatische Vertretungen.

Die „Revolutionäre Volksbefreiungs-Front“ (DHKP-C) veröffentlichte auf der Internetseite Halkin Sesi (Stimme des Volkes) am Samstag zwei Fotos des Attentäters und brandmarkte die USA als die „Mörder der Welt“. Die Organisation forderte die USA auf, „die Türkei, die uns gehört, zu verlassen“. Die DHKP-C drohte mit weiteren Anschlägen auf US-Vertretungen in der Türkei.

Die Gruppe beschuldigt die USA, „Henker der Völker“ zu sein und Massaker im Irak, Afghanistan, Libyen, Syrien und Ägypten zu begehen. Die US-Botschaften seien zwar weltweit am besten geschützt, die Vertretung in Ankara sei jedoch zum Ziel eines „Märtyrerangriffs“ geworden.

Zuvor hatte bereits die türkische Regierung die Gruppe für den Anschlag verantwortlich gemacht. Der Attentäter saß demnach bereits wegen „Terrorismus“ nach einem Angriff auf eine Militäreinrichtung in Istanbul im Jahr 1997 mehrere Jahre im Gefängnis.

Die türkischen Behörden haben nach bisherigen Ermittlungen Ecevit Sanli (40) mittels DNA-Test als Attentäter identifiziert. Bei ihm soll es sich um ein Mitglied der verbotenen DHKP-C handeln. Er trug demnach einen gefälschten Ausweis, der auf den Namen Irfan A. lautete. Er habe in Deutschland gelebt, berichteten türkische Medien, ohne weitere Details zu nennen. (APA/AFP/Reuters/dpa)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Sa, 02.02.2013  17:11
aktualisiert: Sa, 02.02.2013  23:03
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