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Ski-WM 2013

Schladming und die Ruhe vor dem großen Abfahrts-Sturm

Während die Abfahrer am Donnerstag für die Königsdisziplin trainierten, bereiteten sich die Standl-Betreiber in Schladming auf ihr persönliches Highlight vor.

Aus Schladming: Michael Pipal

Schladming - Nur minutenweise öffnet sich heute Donnerstag die dicke Wolkendecke über Schladming. Ein paar Schneeflocken rieseln zum Takt der souligen Musik aus den Boxen in Richtung Boden. Der Platz vor dem WM-Zielstadion ist kaum wiederzuerkennen. Die paar Leute, die Richtung der Talstation der Planai trotten, tun heute das, was man hier eigentlich am besten tun kann: Skifahren. Es ist Ruhetag im WM-Ort. Nur Trainingsläufe, keine Rennen. Ein paar hartgesottene Fans haben sich auf die Tribünen verirrt, machen mit Tröten, Ratschen und Fahnen auf sich aufmerksam.

„Heute ist natürlich nicht so viel los. Aber bei dem Programm ist das auch von vornherein klar gewesen“, erklärt Standl-Betreiber Ernst. Sein Spezial-Gebiet: Bier, Glühwein und Fleischkas-Semmeln. Mit den ersten drei WM-Tagen sei er bereits sehr zufrieden gewesen. „Die ständigen Verschiebungen beim Damen-Rennen waren für die Leute mühsam, uns haben sie in die Karten gespielt. Beim Herren-Rennen war sowieso die Hölle los“, grinst der Schladminger. Mit dem traditionellen „Night Race“ sei das aktuelle Geschehen nicht zu vergleichen. „Das Weltcup-Rennen ist einen Abend, hier geht jetzt zwei Wochen lang von früh bis spät die Post ab. Umsatzmäßig sind das zwei verschiedene Welten.“

Seine Nachbarin, die „Königin der Fan-Artikel“, stimmt ins Loblied auf die WM ein. „Fein ist auch, dass sich das Geschäft ein bisschen über den Tag verteilt. Da bleiben auch einmal fünf Minuten übrig, um zu jausnen.“ Worauf die Ski-Anhänger besonders abfliegen? „Die Klassiker sind auch bei der WM gefragt: Schals, rot-weiß-rote Perücken, Fahnen und natürlich alles, das Krach macht.“

Selbst die Medaillen-Losigkeit der Österreicher nach den beiden Super-Gs tat der Party-Laune bislang keinen Abbruch. „Der Anfang war gut, aber wir rechnen mit dem Höhepunkt am Samstag bei der Abfahrt und nächste Woche bei den Technik-Bewerben“, wagt Ernst einen Blick in die Zukunft. Und dann sind da noch die Fragezeichen hinter dem Teambewerb am Faschingsdienstag. „Das wird spannend. Eigentlich sind wir hier in einer Region, die den Fasching richtig auslebt. Ich glaube schon, dass da einiges los sein wird. Aber wirklich sicher ist sich niemand.“

Und so erklärt sich die Stille beim Spaziergang durch das Dorf als Ruhe vor dem Sturm. Wie das Luftholen eines Hurrikans bevor er mit voller Wucht Richtung Festland donnert. Allerdings sind die einzigen Wellen, die Schladming am Wochenende zu befürchten hat, jene der Euphorie.