10.02.2013, 16:21  Aktualisiert: 10.02.2013, 17:13 
Welle der Gewalt reißt nicht ab

Überfall auf Viehtreiber im Südsudan mit mehr als 100 Toten

Die Viehtreiber, die von einer Armeekolonne begleitet wurden, seien von Angreifern mit automatischen Waffen überfallen worden.
Die Viehtreiber sind von Zivilisten und bewaffneten Rebellen angegriffen worden. Eine Armeekolonne konnte die blutige Attacke nicht verhindern.
Foto: REUTERS

Juba - Bei einem gewaltsamen Überfall auf Viehtreiber im Südsudan sind mehr als hundert Menschen getötet worden. Die Viehtreiber seien im Bundesstaat Jonglei von Angreifern mit automatischen Waffen überfallen worden, sagte der Gouverneur von Jonglei, Kuol Manyang, am Sonntag, obwohl die Herde von einer Armeekolonne begleitet worden seien. 103 Menschen wurden demnach getötet, darunter 14 Soldaten.

Die anderen Opfer seien Zivilisten, die meisten davon Frauen und Kinder, sagte der Gouverneur. Die Armee bestätigte den Vorfall vom Freitag und erklärte, 500 Menschen würden noch vermisst. Die Zahl der getöteten Soldaten wurde zunächst nicht bestätigt.

Bei den Angreifern handelte es sich den Behörden zufolge neben einigen Zivilisten im Wesentlichen um Rebellen der Murle-Volksgruppe aus dem Bezirk Pibor, die unter der Führung des früheren Theologiestudenten David Yau Yau stehen sollen. Dieser hatte im Juli zum Aufstand gegen die Regierung aufgerufen. Seine Kämpfer sind vor allem bewaffnete Jugendliche.

Die Viehtreiber stammten aus dem Bezirk Akobo. Dem Bezirksbeauftragten Goi Jooyul zufolge waren die Angreifer neben Maschinenpistolen auch mit Granaten, Speeren und Macheten bewaffnet. Hunderte Familien würden vermisst. Insgesamt hätten rund 3.000 Menschen das Vieh begleitet.

Sechs Monate nach der Unabhängigkeit des Südsudan vom Sudan 2011 hatte es in Jonglei eine Welle der Gewalt zwischen den Angehörigen verschiedener Volksgruppen gegeben. Tausende Jugendliche vom Stamm der Lou Nuer stürmten damals den Bezirk Pibor und erklärten, die Murle vernichten zu wollen. Seit der Unabhängigkeit sind in der Unruheregion Jonglei nach UNO-Angaben mehr als 1.500 Menschen getötet worden.

Der Südsudan wirft dem Sudan vor, die Murle-Rebellen mit Waffen und Munition zu versorgen, was die Regierung in Khartum aber bestreitet. Die politischen Beziehungen zwischen den beiden Staaten sind seit der Unabhängigkeitserklärung des Südens im Juli 2011 angespannt. Davor waren in einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg rund zwei Millionen Menschen getötet worden. (APA/AFP/Reuters)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom So, 10.02.2013  16:21
aktualisiert: So, 10.02.2013  17:13
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