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Eine schlaflose Party-Nacht tat dem ÖEHV-Jubel keinen Abbruch

Nach der erfolgreichen Olympia-Quali versuchen Österreichs Eishockey-Helden das Geschehene zu verarbeiten. Die heimischen NHL-Stars hoffen auf eine Pause während der Spiele in Sotschi.

Wien - Österreichs Eishockey-Nationalteam darf sich nach zwölf Jahren wieder auf der größten Bühne präsentieren. Die ÖEHV-Auswahl hat sich erstmals seit Salt Lake City 2002 für Olympia qualifiziert und trifft in Sotschi 2014 auf Titelverteidiger Kanada, Finnland und Norwegen. Ein 2:2 im entscheidenden Spiel am Sonntag in Bietigheim-Bissingen gegen Deutschland (Endstand 2:3 n.V.) hat der Mannschaft von Teamchef Emanuel „Manny“ Viveiros gereicht.

„Ich bin richtig stolz auf diese Gruppe. Für viele ist es vielleicht einmalig in ihrer Karriere“, erklärte Viveiros nach einer fast schlaflosen Nacht. „Ich habe es probiert, es war aber nicht möglich. Wir wissen, wie groß das ist. In Nordamerika schreiben sie, was wir als kleines Land geschafft haben“, freute sich der Teamchef.

Vanek: „Sotschi, yesyesyes!!! Ich bin sooo stolz auf die Burschen!“

In Nordamerika wurde auch mitgezittert. Die österreichischen NHL-Spieler Thomas Vanek, Michael Grabner und Andreas Nödl waren via Internet dabei. „Sotschi, yesyesyes!!! Ich bin sooo stolz auf die Burschen“, schrieb Vanek auf Facebook bzw. Twitter. Grabner sprach von einer „großartigen Leistung“. „Sotschi wir kommen. Großer Tag für Österreich“, schrieb Nödl.

Das Trio sowie Thomas Pöck (Lake Erie Monsters/AHL) könnten daher zu ihrer ersten Olympia-Teilnahme kommen. Zwar ist noch nicht offiziell, dass die NHL im Februar kommenden Jahres während Olympia eine Pause einlegt, um ihren Stars zum fünften Mal nach 1998, 2002, 2006 und 2010 die Olympia-Teilnahme zu ermöglichen, allerdings läuft es darauf hinaus. In Sotschi werden zwischen 12. und 16. Februar die drei Gruppenspiele absolviert, danach geht es am 18. Februar aller Voraussicht nach in ein Viertelfinal-Qualifikationsspiel.

Für Viveiros, der engagiert worden ist, das österreichische Nationalteam mittelfristig aufzubauen, ist es der zweite Erfolg nach der erfolgreichen B-WM im vergangenen Jahr. Viveiros nahm einige Änderungen im Kader vor, baute mehr auf großgewachsene Spieler und hatte in Bernhard Starkbaum den besten Torhüter des Turniers als sicheren Rückhalt. „Er hat uns gerettet“, sagte Torschütze Markus Peintner über den Schweden-Legionär. Starkbaum zeigte, warum er auch in der starken schwedischen Liga einer der Top-Torhüter ist.

Einzigartige Chance für ÖEHV-Cracks

„Die Gefühle bei der Schlusssirene waren unglaublich“, sagte Rafael Rotter. „In diesem Moment kannst du nicht realisieren, was du erreicht hast. Das kommt erst jetzt allmählich. Olympia erlebst du vielleicht nur einmal im Leben. Wir haben super gespielt, wir haben Österreich unglaublich gut vertreten. Wir haben alle an einem Strang gezogen. So eine Truppe, die so gut zusammen hält, hat es schon lange nicht mehr gegeben“, betonte er. „Dass wir gegen die Deutschen Unentschieden gespielt haben, war hochverdient. Über diese drei Spieltage waren wir das beste Team in diesem Turnier. Auf das kommt es an. Es war total verdient“, meinte der Capitals-Stürmer.

„Es gibt viel Positives“, meinte daher auch Sportdirektor Alpo Suhonen. Etwa dass „wir waren an Größe und Gewicht den Deutschen ebenbürtig waren. Oder, dass nur österreichische Spieler dabei waren“, sprach er an, dass das ÖEHV-Team ohne Austro-Kanadier ausgekommen ist. Der Verband hofft nun, dass sich die Qualifikation für Sotschi auch auf dem Sponsoren-Sektor positiv auswirkt und auf Rückenwind für sein Förderprojekt.

Freuen dürfen sich auch die anderen Wintersport-Verbände. Je mehr Sportler eines Landes in Sotschi dabei sind, desto mehr Betreuer dürfen mitgenommen werden. Ein Eishockey-Team reist mit 23 Mann, aber deutlich weniger Betreuern an, womit andere Verbände aufstocken können.

Katerstimmung bei den Verlierern aus Deutschland

In Deutschland, das auch bei der A-WM in Helsinki im Mai Gegner der Österreicher ist, herrscht dagegen Katerstimmung. Erstmals seit 1948, als Deutschland aus politischen Gründen nicht dabei war, fehlt ein DEB-Herrenteam bei Olympia. „Das ist schwer zu akzeptieren. Man muss das ganze Turnier betrachten, nicht nur das Spiel heute. Wir waren einfach nicht gut genug“, meinte Deutschlands Teamchef Pat Cortina. NHL-Starverteidiger Christian Ehrhoff, Clubkollege von Vanek in Buffalo, meinte: „Die Nicht-Qualifikation ist ein großer Image-Schaden für das deutsche Eishockey, denn Olympia ist die größte Bühne, auf der man sich präsentieren kann.“ (APA)