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Unterirdische Detonation

UNO: Nordkoreas Atomtest doppelt so stark wie 2009

Nordkorea hat seine Drohung wahr gemacht und einen dritten Atomtest unternommen. Dessen Ergebnis soll doppelt so stark gewesen sein wie beim letzten Test vor vier Jahren. Dem Land drohen jetzt schwerwiegende Konsequenzen. US-Präsident Obama kündigte an, die USA würden alles Schritte zur Verteidigung unternehmen.

Pjöngjang – Eskalation im Atomstreit mit Nordkorea: Das kommunistische Land hat am Dienstag um etwa 12.00 Uhr Ortszeit (4.00 MEZ) nach eigenen Angaben einen weiteren Atomtest unternommen. Der dritte Nukleartest sei „erfolgreich“ gewesen, berichteten die Staatsmedien. Das kommunistische Land hatte bereits 2006 und 2009 Atomtests vorgenommen, die jeweils UNO-Sanktionen nach sich zogen. Jetzt drohen dem international isolierten Land neue Strafmaßnahmen.

Ein Sprecher des südkoreanischen Verteidigungsministeriums bestätigte in Seoul, dass im Nordosten Nordkoreas Erdstöße registriert worden seien, die auf einen unterirdischen Nukleartest hinwiesen. Südkorea und Japan beriefen ihre nationalen Sicherheitsräte ein.

Der Test sei unterirdisch erfolgt, berichtete am Dienstag die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA. „Der Atomtest wurde als Teil von Maßnahmen zum Schutz unserer nationalen Sicherheit und Souveränität vollzogen.“ Diese würden vor allem von den USA bedroht, hieß es bei KCNA. Ein miniaturisierter Sprengsatz mit größerer Stärke als bei früheren Tests sei gezündet worden.

In dem Gebiet befindet sich das Atomtestgelände, auf dem Nordkorea bereits 2006 und 2009 unterirdisch nukleare Sprengladungen gezündet hatte.

Erklärung Nordkoreas im Wortlaut: http://go.tt.com/14PBKlM

UNO: doppelt so starker Vorfall wie 2009

Der Atomtest dürfte eine Sprengkraft von sechs bis sieben Kilotonnen TNT gehabt haben, sagte ein Ministeriumssprecher in Seoul. Die Bombe, die 1945 über Hiroshima gezündet wurde, hatte ein Sprengkraft vorn 13 bis 16 Kilotonnen.

Die UNO-Behörde zur Überwachung des Atomwaffenteststopp-Abkommens (CTBTO) spricht nach Berichten von einem doppelt so starken Ereignis wie beim letzten Atomtest der Nordkoreaner 2009. Der Vorfall habe eine seismische Stärke von 4,9 bis 5,1 erreicht, nur zweimal im vergangenen Jahrzehnt habe es ähnlich starke Vorfälle gegeben - beim nordkoreanischen Atomtests und dem davor im Jahr 2006. Die Behörde will in den kommenden 48 Stunden weiter nach schlagenden Hinweisen auf eine Kernwaffenzündung suchen. Bis dahin spricht CTBTO weiter von einem „Ereignis“.

Obama: Atomtest gefährdet den Weltfrieden

US-Präsident Barack Obama hat den neuen Atomtest Nordkoreas als extrem provokativen Akt verurteilt. Er gefährde die Stabilität in der Region. Das nordkoreanische Atomprogramm sei zudem eine Bedrohung der Sicherheit der USA und der ganzen Welt. „Die USA werden weiterhin alle Schritte unternehmen, die notwendig sind, uns und unsere Verbündeten zu verteidigen“, erklärte der Präsident am Dienstag.

In New York traten die 15 Mitglieder des UN-Sicherheitsrats zu einer Krisensitzung zusammen. Diplomaten rechneten jedoch nicht mit, dass sie sich bereits am Dienstag auf weitere Sanktionen einigen würden.

Nordkorea hatte einen neuen Atomtest und weitere Raketentests im Jänner aus Protest gegen die Ausweitung von UNO-Sanktionen angekündigt. Ein Zeitrahmen dafür war aber nicht genannt worden.

Nordkorea könnte weitere Nukleartests abhalten

Nach Meinung der südkoreanischen Geheimdienste könnte Nordkorea bald weitere Atomtests abhalten. Das berichtete die Nachrichtenagentur Yonhap am Dienstag in Seoul. Das südkoreanische Verteidigungsministerium kündigte indes an, die eigenen Bemühungen und die Kooperation mit den USA bei der Geheimdienstarbeit weiter zu verstärken.

In Südkorea löste der Atomtest erwartungsgemäß heftige Proteste aus. Vor der US-Botschaft in Seoul verbrannten Aktivisten Bilder des nordkoreanischen Führers Kim Jong-un. (APA/dpa/Reuters/AFP/tt.com)