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Ski-WM 2013

Hirscher vor Teambewerb: „USA haben uns längst überholt“

Das Image von Österreich als Skination Nummer eins ist für ÖSV-Medaillenhoffnung Marcel Hirscher längst überholt. Hermann Maiers Kritik hält er durchaus für angebracht.

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Von Alexander Hofstetter/APA aus Schladming

Mit Romed Baumann freute sich am Montagabend auch Marcel Hirscher kräftig mit. „Das war ein Durchschnaufer für ganz Österreich. Und diese Medaille nimmt sicher auch Druck von mir“, meinte der Salzburger nach der WM-Bronzemedaille des Tirolers in der Super-Kombination in Schladming. Zur Stimmung im Planai-Zielstadion meinte Hirscher nach seinem ersten WM-Abend vor Ort: „Unglaublich, ein Wahnsinn, genial.“

Baumanns Bronzene ändert für den 23-Jährigen aber nichts an der Tatsache, dass das Image von Österreich als Skination Nummer eins längst überholt ist. „Man braucht nur ein bisschen recherchieren. Dann weiß man, was los ist. Die USA haben uns längst überholt, die sind weit vor uns. Da hat sich viel geändert in den letzten Jahren“, sagte Hirscher angesichts der Erfolge von Ted Ligety, Bode Miller, Lindsey Vonn oder Julia Mancuso vor allem bei den „big events“ WM und Olympia.

Insofern fand der Gesamt-Weltcup-Sieger die Kritik von Hermann Maier an den Strukturen und Funktionären im ÖSV durchaus angebracht. Maiers Worte seien ein Denkanstoß, „ob etwas verändert gehört oder nicht“.

„Gehe meinen eigenen Weg“

Hirscher selbst ist von diesen Strukturdiskussionen nur am Rande betroffen. Denn der Superstar bewegt sich mehr oder weniger in seiner eigenen Welt und vertraut auf ein „Team im Team“. „Ich gehe meinen eigenen Weg. Ich genieße meine Freiheiten und das schätze ich auch sehr“, sagte Hirscher, der u.a. seinen Vater Ferdinand und Servicemann Edi Unterberger ständig um sich hat.

Dass das bei seinen Teamkollegen mitunter nicht wirklich gut ankommt, ist Hirscher bewusst, aber auch egal. „Ja sicher, für mich gibt‘s Extrawürste. Ich mag prinzipiell auch keine Extrawürste. Aber wir sind erfolgreich damit und dadurch gibt es auch keine Kritik. Es geht nicht um irgendwelche Sympathiepunkte, sondern um sportliche Erfolge“, meinte der Annaberger übers „System Hirscher“.

In den drei bisherigen WM-Bewerben gab es für die ÖSV-Herren nur eine Bronzene zu feiern. Dass Hirscher nun bereits als der letzte mögliche „Retter der Nation“ gehandelt wird, bringt ihn nur zum Schmunzeln. „Nette Schlagzeile, aber sehr weit hergeholt.“

Hirscher betonte, dass er überglücklich wäre, wenn er in Schladming eine Medaille gewinnen würde. Schließlich wäre es seine erste bei einem Großereignis. Das Gerede von drei Goldenen sei völlig übertrieben. „Ich kann eh nur versuchen, meine Leistung zu bringen. Wenn ich keinen Fehler mache, bin ich auf dem Stockerl. Wenn ich einen zu viel mache, dann nicht.“

Die Woche vor seiner Anreise nach Schladming hat Hirscher perfekt genützt. Fünf Tage hat er trainiert, einen Tag pausiert. Und kurz vor der Abfahrt hat der Superstar dann noch bei einer Skitour den Kopf freibekommen. „Herrlich, aber das ist bei mir daheim in Annaberg ja Standard.“

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