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Einkommen

Topverdiener in EU müssen mehr Steuern zahlen, in Österreich nicht

Die Spitzensteuersätze auf Einkommen steigen heuer im EU-27-Schnitt auf 38,3 Prozent nach 38,1 Prozent 2012. In Österreich liegt der Satz unverändert bei 50 Prozent.

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Brüssel - Im Gefolge der Krise werden in Europa Topverdiener wieder stärker zur Kasse gebeten. Die Spitzensteuersätze auf Einkommen steigen heuer im EU-27-Schnitt auf 38,3 Prozent nach 38,1 Prozent 2012 und auf 43,3 nach 43,1 Prozent in der Eurozone. In Österreich liegt der Satz unverändert bei 50 Prozent, geht aus dem Steuertrendbericht von EU-Kommission und Eurostat hervor. Schaut man weiter zurück, zeigt sich allerdings, dass im Jahr 2000 Spitzenmanager und Co. viel mehr an den Staat abliefern hatten müssen.

Abwärtstrends bei Unternehmensbesteuerung vorerst gestoppt

Damals lag der Spitzensteuersatz in der EU noch bei 44,8 Prozent bzw. bei 47,1 Prozent in der Eurozone. Österreich hatte auch damals schon seine 50 Prozent. Heuer müssen Spitzenverdiener in Schweden (56,6 Prozent), Dänemark (55,6 Prozent), Belgien (53,7 Prozent), Portugal (53,0 Prozent) sowie in Spanien und den Niederlanden (je 52,0 Prozent) am meisten zahlen. Die geringste Steuerlast haben Menschen mit Top-Einkommen in Bulgarien (10,0 Prozent), Litauen (15,0 Prozent) sowie Ungarn und Rumänien (je 16,0 Prozent).

Auf der anderen Seite hört sich der Trend, Niedrigverdiener steuerlich weniger zu belasten, auf.

Weit weniger Steuern müssen dagegen Firmen zahlen. Von 2012 auf 2013 steigen zwar die Körperschaftssteuern in der EU leicht auf 23,5 nach 23,4 Prozent. Der Abgabensatz für Unternehmen liegt damit aber deutlich unter dem Niveau von 2000 - damals waren es 31,9 Prozent in der EU und 34,4 Prozent in der Eurozone (2013: 26,5 Prozent). Österreich hatte die KöSt 2005 unter Finanzminister Karl-Heinz Grasser von 34 auf 25 Prozent gesenkt. Hierzulande gilt seit damals auch die sogenannte Gruppenbesteuerung: Konzerne können Verluste im Ausland mit Gewinnen im Inland gegenrechnen und so ihre Steuerlast mindern. Österreich ist damit eines der wenigen EU-Länder, in denen das erlaubt ist, stellt die EU-Kommission in ihrem Bericht fest.

Der seit den 1990er Jahren anhaltende Abwärtstrends bei der Unternehmensbesteuerung scheint vorerst gestoppt, konstatierte am Montag Philip Kermode, Steuerexperte der EU-Kommission. Zu verdanken ist das auch den weltweiten Bestrebungen, Steueroasen trockenzulegen und auch Großkonzerne in die Pflicht zu nehmen.

Österreich bei Vermögenssteuern am unteren Ende der Rangliste

Heuer werden Unternehmenseinkommen in Frankreich mit 36,1 Prozent am höchsten besteuert, gefolgt von Malta (35,0 Prozent) und Belgien (34,0 Prozent). Die niedrigsten Sätze verzeichnen Bulgarien und Zypern (je 10 Prozent) sowie Irland (12,5 Prozent).

Bei den Vermögenssteuern ist Österreich ebenfalls am unteren Ende: Hierzulande wird bestehender Besitz am viertniedrigsten besteuert: 2011 lagen die Einnahmen aus diesem Posten bei nur 0,5 Prozent des BIP und damit weit unter dem EU-27-Schnitt (2,1 Prozent). Die Vermögenssteuern haben nur 1,2 Prozent der gesamten Steuereinnahmen ausgemacht, in der gesamten Union waren es immerhin 5,3 Prozent. Auch die Abgaben auf Grund und Boden sind hierzulande bekanntermaßen gering. 2011 betrug deren Anteil an den Steueraufnahmen nur 0,2 Prozent des BIP, der drittniedrigste Wert in Europa; der EU-Schnitt lag bei 1,3 Prozent.

Eine wichtige Einnahmequelle für den Staat bleibt die Mehrwertsteuer (MwSt), die jetzt, wo in vielen Staatskassen gähnende Leere herrscht, tendenziell wieder angehoben wird. 2013 liegt sie im EU-Schnitt bei 21,3 Prozent (2012: 21,0 Prozent) bzw. 20,4 (20,0) Prozent in der Eurozone. Österreich hebt unverändert einen Satz von 20 Prozent ein. Seit vorigem Jahr haben sechs EU-Länder ihre Mehrwertsteuer angehoben, einzig Lettland hat reduziert. Die Sätze reichen von 15 Prozent in Luxemburg und 18 Prozent in Zypern und Malta bis zu 27 Prozent in Ungarn und 25 Prozent in Dänemark und Schweden.

Während die Steuerlast auf Arbeit gesunken sei, würde Konsum höher besteuert, so Kermode. „Verbrauchersteuern sind die, wo das Geld herkommt.“ (APA)

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