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iPhone 5S

iPhone-Betriebssystem iOS 7, Code-Name „Innsbruck“

Warum nennt Apple sein neues Betriebssystem iOS 7 intern „Innsbruck“? Und wie passt der Name zum „flachen, flachen, flachen“ Design, das mit dem iPhone 5S eingeführt werden soll?

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Innsbruck – Als Apple mit dem iPhone an den Start ging, kommunizierte der Konzern, der damals auf dem Sprung vom Computer-Produzenten zum Consumer-Elektronik-Giganten war, dass das Betriebssystem seines neuen Produktes pragmatisch iOS, wobei OS als Abkürzung für Operating System steht, also einfach Betriebssystem heißt. Apple verzichtete darauf – anders als beim Betriebssystem für die Computer und Laptops des Konzerns – den Beinamen in die Unternehmenskommunikation aufzunehmen.

Und so heißen die Betriebessysteme für MacBook, iMac und Co bis heute ausdrucksstark, Löwe oder Leopard, während Versionen des mobilen Systems relativ glanzlos als iOS 1.0 bis – inzwischen – iOS 6.1.3 bezeichnet werden. Was aber nicht bedeutet, dass bei der Softwareentwicklung keine „echten“ Namen verwendet werden.

„Sehr, sehr flach“

iOS 7.0, das neueste mobile OS für das kommende iPhone 5S etwa wird am Apple-Campus in Cupertino, Kalifornien, offenbar als „Innsbruck“ bezeichnet. Dass dieses neue Betriebssystem von Chefdesigner Jony Ive als „sehr, sehr flach“ bezeichnet wird, mutet aber irgendwie sonderbar an. Die Referenz auf die Tiroler Landeshauptstadt macht allerdings nur Sinn, wenn man die Historie der Codenamen betrachtet, die intern für Entwicklungsprojekte an der mobilen Software verwendet wurden.

iOS 1.0 wurde von Apple nach dem Ski-Gebiet Alpine Meadows in Kalifornien benannt und hieß intern „Alpine“. Darauf folgte „Big Bear“ nach dem Big Bear Lake-Skigebiet, ebenfalls in Kalifornien. Version 3.0 hieß „Kirkwood“, benannt nach dem Kirkwood Mountain. Seit Version 4.0 suchte Apple auch im Ausland nach Namen. iOS 4.0 hieß „Apex“ nach dem Apex Mountain Resort in Kanada.

Bekannt waren bisher die Namen der Versionen bis iOS 6.0. Diese hieß „Sundance“, nach einem Skigebiet im US-Bundesstaat Utah. Dass die neue iOS-Version nun nach der Tiroler Hauptstadt benannt worden ist, scheint wahrscheinlich zu sein und würde auch einen „Bruch“ mit der bisherigen Tradition bedeuten, Nordamerikanische Skigebiete als Namensgeber auszusuchen.

Innsbruck USA?

Eine weitere Möglichkeit wäre allerdings, dass iOS 7.0 nach einem bereits in Vergessenheit geratenen Ski-Gebiet in den USA benannt worden ist. Das „Innsbruck USA“-Ski-Ressort im US-Bundesstaat New York (Binghampton) wurde in den 1960er-Jahren eröffnet, schloss aber wenige Jahre später in den 70er-Jahren.

Innsbruck ist nicht die einzige Stadt Österreichs, die einer Software ihren Namen gab. Vienna (Wien) wurde etwa das Windows 7-Entwicklungsprojekt genannt.

Dass „Innsbruck“ als Name Rückschlüsse auf das Design der Software geben könnte, ist nicht anzunehmen und wäre auch absurd. Zudem wird bei iOS 7 laut einigen Berichten wohl auf alle Zeichen von Glanz, Schein und Skeuomorphismus (die Imitation von echten Materialien) verzichtet. Ein glanzloses Innsbruck? Besser passen würde dann schon die These, dass das „Innsbruck USA“-Ressort als Namensgeber „herhalten“ muss. Denn das ehemalige Skigebiet ist im Vergleich zum alpinen Tirol extrem flach und glanzlos allemal.

Bleibt noch zu klären, was „flaches“ Design bedeuten soll: Die „flatness“ des Designs hat nichts mit der „Schlankheit“ des Gerätes zu tun, sondern mit der Gestaltung der Benutzeroberfläche, des User-Interface. Der Ansatz ist derzeit wohl am eindruckvollsten von Microsoft beim Windows-Phone umgesetzt.

Ein bisschen „Microsoft“ im Apple-System

Die „Metro“ genannte Benutzeroberfläche verzichtet komplett auf Rundungen, Schnörkel, Glanzeffekte oder digitale Metaphern auf Gegenstände bzw. Materialien aus dem echten Leben. iOS 7 soll diesem Ansatz folgen, was mitunter zu den bisher von Jony Ive bekannten Designansätzen passen würde.

Ive, der mittlerweile nicht nur für Designaspekte der Hardware sondern auch der Software verantwortlich ist, übernahm im Oktober vergangenen Jahres das Kommando über das Design der Benutzeroberfläche. Und inzwischen dürfte auch klar sein, dass iOS 7.0 einigen Benutzern überraschend anders vorkommen wird.

Allerdings glauben die Designer bei Apple, dass die Bedienung nicht schwerer fallen werde und dass es keiner großen Lernkurve bedürfe, um das iPhone 5S mit iOS 7.0 bedienen zu können.

Das neue iPhone 5S samt neuer Software wird für den Sommer erwartet. (paco, tt.com)

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