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Salzburg-Wahl

Wähler straften Verantwortliche im Salzburger Finanzskandal ab

Die Motivforschung zum Wahlsonntag sieht – wenig überraschend – den Finanzskandal als wichtigesten Treiber für die Veränderung in Salzburg.

Salzburg – Die Wähler haben bei der Salzburger Landtagswahl die Verantwortung für den Finanzskandal stärker bei der SPÖ als bei der ÖVP gesehen und den Regierungsparteien entsprechend die Rechnung präsentiert.

Das geht aus der SORA/ISA-Wahltagsbefragung im Auftrag des ORF hervor. Laut Peter Hajek („Public Opinion Strategies“) für ATV wurden vor allem die Grünen für ihre Themen gewählt, während bei den meisten anderen Parteien das Stammwähler-Motiv vorherrschte. Am häufigsten als Wunschkoalition genannt wurde ÖVP-Grün – was sich laut den Hochrechnungen aber nicht ausgehen wird.

Laut SORA sahen 60 Prozent die Verantwortung für den Finanzskandal bei der SPÖ, 42 bei der ÖVP und 25 Prozent bei „allen Parteien im Landtag“ (Mehrfachantworten waren möglich). Dies sei für das Wahlverhalten entscheidend gewesen, hieß es in einer Analyse des Instituts.

Wer der SPÖ die Schuld gab, wählte diese kaum und überdurchschnittlich die ÖVP. Wer die ÖVP verantwortlich sah, wählte statt dieser überdurchschnittlich die Grünen. Wer die Verantwortung bei allen sah, wählte überdurchschnittlich SPÖ.

Verantwortlich: Die Landesregierung, Burgstaller und Brenner

Bei Hajek machten 49 Prozent „die Landesregierung“ für den Skandal verantwortlich. Dann folgte Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (S) mit 38 Prozent und Ex-Finanzlandesrat David Brenner (S), Sektionschef Eduard Paulus und erst dahinter die SPÖ, „die Politiker“ und die ÖVP. Dahinter reihten sich Monika Rathgeber und ÖVP-Landeschef Wilfried Haslauer (28 Prozent) ein.

Stärkstes Wahlmotiv für die SPÖ war laut SORA der Wunsch nach Verbleib der Partei (82 Prozent „trifft sehr zu“) bzw. Bugstallers (77 Prozent) in der Landesregierung. 2009 war noch die Kandidatin selbst mit großem Abstand wichtigstes Motiv.

Sehr ähnlich die Motive der ÖVP-Wähler: ÖVP in Landesregierung (83 Prozent) rangierte vor Interessensvertretung durch ÖVP (73 Prozent) und Wilfried Haslauer als Landeshauptmann (72 Prozent). Während das Motiv „bester Spitzenkandidat“ 2009 nur von 32 Prozent der ÖVP-Wähler genannt wurde, waren es diesmal 57 Prozent.

„Kontrolle“ wichtiges Wahlmotiv

Bei Grünen und FPÖ waren der Wunsch nach Einzug in die Landesregierung und Kontrolle die wichtigsten Motive der Wähler. Bei den Nichtwählern dominierten die Enttäuschung über bisher gewählte Parteien und der Finanzskandal als Verweigerungsmotiv. Die Motive der Team-Stronach-Wähler wurden wegen der geringen Gruppengröße nicht ausgewiesen.

Bei der Hajek-Befragung ist bei SPÖ, ÖVP und FPÖ „Stammwähler/vertritt meine Interessen“ wichtigstes Motiv. Burgstaller schaffte es bei der SPÖ auf Platz 2 der Motive, bei der ÖVP der Finanzskandal auf Platz 3. Bei der FPÖ war der Protest drittwichtigstes Motiv, ebenso wie bei den Grünen. Diese wurden in erster Linie aber wegen ihrer Themen, Inhalte und Werte und für ihre Arbeit im U-Ausschuss gewählt.

Wirtschaftskompetenz, neu und mit Protestpotenzial

Das Team Stronach konnte als Wirtschaftspartei, wegen ihres Neuigkeitsfaktors und mit dem Protestmotiv punkten.

Die Grünen wollen die Salzburger in der Regierung sehen. So wurde bei Hajek - der nur Zweier-Varianten abfragte - als gewünschte Koalitionsform am häufigsten ÖVP-Grüne (mit 21 Prozent) genannt, vor SPÖ-Grüne (19 Prozent), SPÖ-ÖVP (11 Prozent), ÖVP-Freiheitliche (9 Prozent) und SPÖ-Freiheitliche (5 Prozent).

Für die SORA-Untersuchung wurden von 2. bis 5. Mai 1.227 Personen (repräsentativ für die Salzburger Wahlberechtigten) telefonisch befragt, bei Hajek waren es 1.000 Salzburger über 16 Jahren von 30. April bis 4. Mai. Die Schwankungsbreite betrug +/- 2,8 bzw. 3,1 Prozentpunkte. (APA)