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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 29.05.2013

Interview mit Altmann

MCI-Rektor für Studiengebühren mit Stipendiensystem

MCI-Rektor Andreas Altmann kann sich Studiengebühren an Universitäten vorstellen. Sie sollten sich am späteren Ein­kom­men des Absolventen orientieren.

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Immer wieder wird über die Einführung einer generellen Studiengebühr an Universitäten diskutiert. Was halten Sie von Studiengebühren?

Andreas Altmann: Es gibt gute Argumente für Studienbeiträge. Studierende erhalten eine hochwertige Ausbildung, die ihnen erhebliche Vorteile und Chancen verschafft: höheres Einkommen, internationale Kontakte, niedrigeres Risiko, arbeitslos zu werden, Sozialprestige und anderes mehr. Warum sollen sie hierfür nicht einen Beitrag leisten? Anders herum: Warum soll nur die Gesellschaft für diese individuellen Vorteile aufkommen, und damit auch Menschen, denen es materiell schlechter geht als den späteren Akademikern?

Wie hoch sollten aus Ihrer Sicht mögliche Uni-Studiengebühren sein?

Altmann: Wichtig ist, dass es umfassende Stipendiensysteme gibt, um Talente unabhängig von ihrer sozialen Herkunft oder Finanzkraft zu fördern. Dann können Studienbeiträge auch ein Mehrfaches von der heutigen Höhe betragen. Eine andere Variante ist es, nach dem Studium für mehrere Jahre Beiträge einzuheben, die sich am erzielten Einkommen orientieren.

Wie beschreiben Sie das Verhältnis von Universität und MCI?

Altmann: Altrektor Manfried Gantner hat dem MCI an der Wiege mitgegeben, wir sollten uns als ,Schnellboot der Universität‘ verstehen. Das ist ein schönes Bild: Wir segeln im gemeinsamen Flottenverbund, arbeiten synergetisch zusammen, verfolgen ein gemeinsames Ziel, aber erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Dieses kooperative Verständnis am gemeinsamen Standort hat sich unter dem späteren Rektor Töchterle und dem nunmehrigen Rektor Märk weiter verstärkt. Das Verständnis beginnt sich zunehmend auf den Raum Tirol/Westösterreich, Südtirol/Trentino und Süddeutschland als übergreifenden Hochschul-, Kultur- und Wirtschaftsraum auszuweiten.

Ist manchmal eine gewisse Konkurrenz zu spüren?

Altmann: Es ist eher wie ein wechselseitiger Ansporn innerhalb einer Familie. Wenn dem kleinen Bruder oder der großen Schwester etwas Gutes gelingt, freut man sich und sieht sich selbst ermutigt.

Bis 2018 soll das neue MCI am Fennerareal bezugsfertig sein. Wie soll sich dann das MCI entwickeln?

Altmann: Wir sehen den MCI-Neubau als Baustein eines größeren Campus mit Wissenschaft, Bildung, Congress, Kultur und Freizeit und dem herrlichen Hofgarten in seiner Mitte, der als eine Art „Hyde Park“ oder „Central Park“ von Innsbruck damit noch mehr ins Zentrum rückt und an Attraktivität gewinnt.

Die Ausbildung an Fachhochschulen gilt als praxisorientierter und wirtschaftsnäher im Vergleich zu Universitäten. Wäre es nicht besser, wenn Fachhochschulen die Studierenden ausbilden, die in der freien Wirtschaft arbeiten wollen, während sich Universitäten wieder mehr auf Forschung konzentrieren?

Altmann: Die Einheit von Lehre und Forschung hat sich bewährt und sollte nicht leichtfertig getrennt werden: Lehre darf nicht zur Leere werden. Die einzelnen Hochschulen haben ihre jeweilige Position nutzenstiftend zu definieren und glaubhaft zu leben. Das MCI ist bekanntlich keine Fachhochschule, sondern eine ,Unternehmerische Hochschule‘ mit deutlich umfassenderem Profil und internationalem Leistungsauftrag.

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