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Tod am Berg

Sommer fordert weitere Bergtote: „Leute immer unvorsichtiger“

Kaum ein Tag vergeht derzeit ohne neue Unglücksmeldung aus den Bergen. „Die Leute werden immer unvorsichtiger und gehen unvorbereiteter als bisher auf den Berg“, erklärt Tirols Bergrettungschef Peter Veider.

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Galtür, Wien - In der laufenden Sommersaison sind auf Österreichs Bergen schon wieder zahlreiche Menschenleben zu beklagen. Erst am Samstag gab es in Tirol und Kärnten wieder Todesopfer. Bei einem Familienausflug auf die Mittagspitze südöstlich von Pettneu am Arlberg verunglückte eine 49-jährige Frau. Beim Abstieg stolperte die Frau auf einem Grat und stürzte einen 40 Grad steilen mit Steinen und Felsen durchsetzten Hang und eine Rinne hinunter. Am sogenannten Zwanzgerberg bei Klagenfurt überlebte ein 53-Jähriger einen 40-Meter-Absurz nicht. Er trug bei der Wanderung Gummisandalen, sogenannte „Crocs“.

„Touristen-Ansturm“ auf Klettersteige

Peter Veider, dem Geschäftsführer der Tiroler Bergrettung, sieht die Ursachen für die vielen Alpinunfälle vor allem in einem immer größeren Touristen-Ansturm auf die wachsende Zahl von Klettersteigen, die „lässiger“ werdende Tour-Vorbereitung und nicht zuletzt die akut hohe Gefahrenlage dieses Sommers: „Es gibt viel Altschneereste, vor allem recht viel Schnee über 2.500 Meter - die Leute rutschen schnell aus, können die Lage offensichtlich nicht immer richtig einschätzen“, so Veider anlässlich der „Edelweiß-Bergtour“ auf der Jamtalhütte (Galtür).

„Generell ist leider zu beobachten, dass die Leute immer unvorsichtiger werden und noch unvorbereiteter als bisher auf den Berg gehen,“ berichtete Veider. „Oft gibt es überhaupt keine Tourenplanung mehr und niemand kümmert sich um die Wetterlage.“ Dabei sei der Gipfel nicht das Ziel, unterstreicht der Alpin-Profi: „Das Ziel ist, nach dem Gipfel auch wieder gut runter zu kommen.“

Die Bergretter haben jedenfalls mehr als genug zu tun: „Wir haben in Tirol teils Ortsstellen mit 50 bis 60 Einsätzen im Jahr. Das sind ja Freiwillige - daher wird es zunehmend zu einem logistischen Problem, Leute zur Verfügung zu haben“, erläuterte der Alpinist.

Bergretter bezweifeln so manche „Panikattacke“ vor Heli-Rettung

Wobei die Retter eine neue „Mode“, so Veider explizit, zunehmend unter Druck setzt und ärgert: „Immer öfter haben Leute offensichtlich auch keine ‚Lust‘ mehr zum Runtergehen und lassen sich dann von der ‚Libelle“, dem Hubschrauber des Innenministeriums, einfach ins Tal fliegen - kostet die Betroffenen derzeit ja nichts, die Öffentlichkeit aber schon.“

Vorgespielt würden in solchen Fällen gesundheitliche Probleme in der Höhe, sagte der Retter: „Manche behaupten dann, eine ‚Panikattacke‘ zu haben - aber nicht jede ist wirklich eine. So einen Fall hatten wir in Hall im Außerfern: Nachdem die Betroffenen wegen ‚Panik‘ ausgeflogen worden waren, sind sie einfach weitermarschiert...“

Retter-Tipps: Sicher auf den Berg rauf - und wieder runter

Einige wenige - gänzlich „unschwierige“, wie es unter Alpinisten heißt - Maßnahmen sorgen laut Bergretter Peter Veider dafür, dass man bei einer Bergtour möglichst sicher unterwegs ist. Hier die wichtigsten Regeln:

Keine Tour ohne vernünftige Tourenplanung: nicht zu viel zumuten; bedenken, dass auch der Rückweg bewältigt werden muss; einkalkulieren, dass die Höhe eine zusätzlichen Belastung darstellt, vor allem für Untrainierte.

Rechtzeitig aufbrechen: Mittagshitze vermeiden; am Nachmittag wird es vor allem auch wegen der steigenden Gewittergefahr ab 14.00 Uhr heikler.

Wetterprognose einholen - und ernst nehmen.

Vernünftige Ausrüstung: geeignete Alpinschuhe, wetterfeste, aber nicht „belastende“ (zu dicke, leicht nass werdende) Kleidung; natürlich, falls nötig: haltbare Seile, Karabiner etc.

Proviant: Wasser, Essen vor allem bei längeren Touren nicht vergessen.

Routeninformationen: Touristen sollten beim Quartiergeber, beim Tourismusverband, bei der „Start-Hütte“ oder zumindest im Auto (per Zettel) hinterlassen, wohin es gehen soll und wann man wieder retour sein will - Veider: „Diese Infos erleichtern die rasche Eingrenzung der Suche außerordentlich!“

Handy: unbedingt mitnehmen, Akku möglichst vollgeladen, Notrufnummern abgespeichert. (TT.com, APA)

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