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Wiesenthal-Zentrum

„Spät. Aber nicht zu spät“: Suche nach letzten Nazi-Verbrechern

„Operation Last Chance II“: Das Simon-Wiesenthal-Zentrum hat sich zum Ziel gesetzt, die letzten Kriegsverbrecher zu überführen.

Jerusalem - Das Simon-Wiesenthal-Zentrum will mit einer Plakatkampagne die wohl letzten noch lebenden Nazi-Kriegsverbrecher in Deutschland aufspüren. Unter dem Motto „Spät. Aber nicht zu spät! Operation Last Chance II“ sollen ab Dienstag in Berlin, Hamburg und Köln insgesamt 2.000 Plakate aufgehängt werden, teilte das Israel-Büro des Zentrums am Sonntag in Jerusalem mit.

Ziel der Initiative sei es, möglicherweise noch lebende und bisher nicht verurteilte NS-Kriegsverbrecher mit Hilfe der Bevölkerung aufzuspüren und vor Gericht zu bringen, sagte der Initiator der Kampagne und Leiter des Büros in Jerusalem, Efraim Zuroff. Gesucht werde nach Hinweisen, die zur Strafverfolgung von NS-Tätern führen könnten.

Für sachdienliche Informationen ist eine Belohnung von bis zu 25.000 Euro ausgesetzt. Auslöser der „OPERATION LAST CHANCE II“ sei die Verurteilung von Iwan Demjanjuk 2011 in München gewesen. Damit sei ein historischer Präzedenzfall geschaffen worden, der die Rechtslage erheblich verändert habe, sagte Zuroff. Seither werde wieder gegen NS-Täter ermittelt, die in Vernichtungslagern eingesetzt waren, an der Operation Reinhard (zur Tötung von über zwei Millionen Juden und Roma im besetzten Teil Polens und der Ukraine) teilgenommen oder einer Einsatzgruppe angehört hätten. „Es besteht die Chance, NS-Täter vor Gericht zu stellen, die bisher straffrei geblieben sind“, hofft Zuroff.

Hohes Alter „macht Schuld nicht geringer“

„Jede Anklage, ist eine wichtige Erinnerung daran, dass Gerechtigkeit für die Opfer des Holocaust immer noch erreicht werden kann“, begründete Zuroff die Aktion. Dabei könne das hohe Alter der Täter kein Grund sein, die Strafverfolgung einzustellen. „Das macht ihre Schuld nicht geringer“, sagte Zuroff.

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum ist durch die weltweite Suche nach untergetauchten Nazi-Verbrechern und Kollaborateuren bekannt geworden. Die Plakat-Kampagne wird den Angaben nach von dem Unternehmen für Außenwerbung, der WALL AG in Berlin, unterstützt. (APA/dpa)