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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 02.09.2013

Innsbruck

Am Südring ging Rotlicht aus

Die Offensive gegen den Straßenstrich ist ein Erfolg: Prostituierte sind am Südring kaum noch anzutreffen. Und die Zuhälter werden unfreiwillig zu Steuerzahlern.

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Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Der Soko Prostitution (Polizei mit Unterstützung des Stadtmagistrats und der Finanzpolizei) gehen die Prostituierten aus. Zumindest am Innsbrucker Straßenstrich – die aufreizend gekleideten Damen, die jahrzehntelang am Südring das nächtliche Straßenbild prägten, sind derzeit kaum noch anzutreffen. „Ein paar Unentwegte stehen noch, aber viele sind es nicht mehr“, bestätigt Elmar Rizzoli, Chef der Mobilen Überwachungsgruppe (MÜG, Magistrat). „Viele der aus Bulgarien und Rumänien stammenden Damen haben Innsbruck wegen der dauernden Razzien verlassen. Sie machen jetzt einmal Urlaub und warten ab, bis sich die Situation beruhigt“, erzählt ein Rotlicht-Insider.

Von einer Beruhigung kann aber vorerst keine Rede sein – die Innsbrucker Polizeiführung hat die Aktion scharf bis Ende September verlängert, zumindest so lange bleibt die Soko Prostitution (sieben Beamte) bestehen.

Die wenigen Prostituierten, die sich seit Beginn der Aktion scharf (Anfang Juli) noch auf den Straßenstrich wagen, haben ihre Taktik geändert. Sie stehen an Stellen, die im Fall des Falles gute Versteckmöglichkeiten bieten. Etwa in der Bachlechnerstraße – dort schützen unbeleuchtete Parkplätze und blickdichte Hecken vor allzu neugierigen Behördenaugen.

Wann es Zeit für einen Sprung ins Gebüsch ist, erfahren die Damen übers Handy. Von Kolleginnen oder auch von den Zuhältern, die stundenlang mit Limousinen der gehobenen Mittelklasse (50.000 Euro aufwärts) am Straßenstrich patrouillieren. Und dabei selbst mitunter in die Rotlichtrazzien geraten.

Auch wenn die Zuhälterei kaum nachweisbar ist, besteht für die Beschützer und Abkassierer der Prostituierten angesichts der Soko-Beamten kein Grund zur Freude. Vor allem die Finanzpolizisten stellen den meist aus dem Ostblock stammenden Herren unbequeme Fragen. Etwa wie sie ihre BMW- und Mercedes-Limousinen ohne offizielles Einkommen finanzieren. Oder warum ausländische Kennzeichen an den Autos montiert sind, obwohl die Besitzer in Innsbruck wohnen. Und ob die NoVA bezahlt wurde.

Die Antworten und Erklärungen lassen in der Regel zu wünschen übrig. Und kosten dann richtig Geld. So soll ein Rumäne seit Jahresbeginn bereits 40.000 Euro Steuernachzahlungen an den Fiskus überwiesen haben. Dem Vernehmen nach, ohne mit der Wimper zu zucken.

Aber auch die Damen müssen zahlen. Etwa für Vergehen nach dem Meldegesetz oder weil sie keinen „Deckel“ (Gesundheitszeugnis) haben. „Wir haben insgesamt seit Anfang Juli bereits Strafen in der Höhe von 100.000 Euro verhängt“, sagt Rizzoli. Davon gingen bisher zehn Prozent beim Stadtmagistrat ein. „Na ja, zwischen dem Verhängen der Bußgelder und dem Bezahlen muss man mit sechs Wochen rechnen, da kommt noch einiges“, ist der Leiter der Mobilen Überwachungsgruppe überzeugt.

Dazu kommen die Polizeistrafen für die Ausübung der Prostitution, die im Wiederholungsfall über 3000 Euro ausmachen und sogar bis zu Gefängnisaufenthalten gehen können.

Da der Straßenstrich derzeit Soko-Ferien macht, haben die Beamten ihr Betätigungsfeld erweitert. So erhalten Massagestudios immer öfter Besuch von Kunden, die statt der Geldtasche einen Dienstausweis zücken. Und zwar immer dann, wenn das Massageangebot den Intimbereich der Besucher miteinschließt.

Ähnlich geht es den Prostituierten, die eher im Verborgenen arbeiten. Immer öfter sind es Soko-Polizisten, die auf die Inserate der Damen auf einschlägigen Internetseiten reagieren und Termine vereinbaren. Termine, bei denen am Ende nicht die vermeintlichen Kunden, sondern die Liebesdienerinnen zahlen.

Ein- bis zweimal pro Woche sind die Soko-Beamten mit den Kollegen vom Stadtmagistrat und der Finanzpolizei im Innsbrucker Rotlicht-Milieu unterwegs. Zuletzt in der Nacht zum Freitag.

Die „Ausbeute“ der Razzien ist beeindruckend. So erstatteten die Beamten in der zweiten Augusthälfte 155 Verwaltungsanzeigen, vier Personen wurden zumindest vorübergehend festgenommen. Zwei wegen Verstößen gegen das Fremdengesetz, zwei aus verwaltungspolizeilichen Gründen.

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