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Jedes vierte Kind in Österreich hat sprachlichen Förderbedarf

Insgesamt wurden heuer rund 80.200 Kinder getestet, bei rund 18.700 (23,3 Prozent) wurde Förderbedarf festgestellt.

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© HARALD SCHNEIDER (Symbolfoto)

Wien - Jedes vierte Kindergartenkind hat sprachlichen Förderbedarf. Das zeigen die im Kindergartenjahr 2012/13 durchgeführten Sprachstandsfeststellungen. Insgesamt wurden heuer rund 80.200 Kinder getestet, bei rund 18.700 (23,3 Prozent) wurde Förderbedarf festgestellt. Das sind in etwa jene Werte, die bereits vor Auslaufen der sprachlichen Frühförderung im Jahr 2010 festgestellt wurden. Integrations-Staatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) will wesentlich mehr Mittel für die Frühförderung aufwenden und verlangt einen „Systemwechsel im Budget“.

Derzeit würden jährlich 3,5 Mrd. Euro für Arbeitslose aufgewendet, davon rund eine Mrd. Euro allein für Arbeitsmarkt- und Arbeitslosenverwaltung, aber nur zehn Mio. Euro für sprachliche Frühförderung im Kindergarten. „Das ist eine totale Schieflage, das kann es nicht sein“, so Kurz in einer der APA übermittelten Stellungnahme. Besser sei es, „Arbeitslosigkeit früher zu verhindern als später zu verwalten“: „Wir müssen früher investieren anstatt später reparieren.“ Bis 2020 müsse daher das Budget umgeschichtet werden, und zwar „von der Arbeitslosenverwaltung in Frühförderung und Schulbeginn“.

Kurz verlangt zweites Kindergartenjahr

Konkret verlangt Kurz ein zweites Kindergartenjahr. Dieses solle gratis sein und - unabhängig vom Migrationshintergrund - für jene verpflichtend, die Sprachprobleme haben. Die Kosten dafür beziffert er mit 70 Mio. Euro pro Jahr. Außerdem müsse es kleinere Gruppen, mehr Begleitpersonal und einen stärkeren Fokus auf die Grundkompetenzen Sprache, Lesen, Schreiben und Rechnen geben. Auch höhere Gehälter für Kindergartenpädagogen und Volksschullehrer sind für ihn denkbar. Diese Aufwertungsmaßnahmen würden noch einmal 100 bis 200 Mio. Euro kosten.

Bei den Sprachstandsfeststellungen wiesen rund 13.500 der insgesamt 52.700 neu eingetretenen Kinder sprachlichen Förderbedarf auf (25,6 Prozent). Von den 27.500 bereits im Jahr davor als förderwürdig eingestuften Kindern wurden bei rund 5200 erneut Mängel festgestellt (18,9 Prozent).

Neue 15a-Vereinbarung zwischen Bund und Ländern

Seit August 2012 gilt eine neue 15a-Vereinbarung zwischen Bund und Ländern über die Sprachförderung im Kindergarten. Die Länder erhalten demnach bis 2014 jährlich fünf Mio. Euro vom Bund, wenn sie die Mittel entsprechend kofinanzieren. Mit dem Geld sollen Fördermaßnahmen für drei- bis sechsjährige Kinder mit Sprachproblemen finanziert werden. Eine alte, ähnliche Regelung war 2010 ausgelaufen.

Die Sprachstandsfeststellungen werden durch die Bundesländer bzw. die Kindergartenpädagogen durchgeführt. Heuer werden diese erstmals durch den Österreichischen Integrationsfonds begleitet, der die Frühförderung evaluiert. (APA)


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