18.05.2010
Österreich

Transaktionssteuer nur für Aktien

In der EU und Österreich wird heftig über eine Finanztransaktionssteuer diskutiert. Manche Politiker halten sie für das Ei des Kolumbus. Der Tiroler Finanzexperte Jürgen Huber von der Universität Innsbruck ist eher skeptisch.
Mehr zum Thema
Infobox

Gigantische Summen

Beim Handel mit Währungen und Derivaten wird weltweit täglich ein Volumen von rund 1500 Milliarden Euro bewegt. Im Jahr sind es etwa 400.000 Milliarden Euro. Das entspicht dem Zehnfachen des jährlichen weltweiten Bruttoinlandsprodukts oder hochgerechnet dem 20-fachen des jährlichen Welthandelsvolumens.

Beim Handel mit Aktien und Anleihen wird weltweit pro Jahr ein Volumen von 80.000 Mrd. € bewegt, in der EU 20.000 Mrd. €.

Bisher haben nur Schweden und Großbritannien eine Transaktionssteuer eingeführt, aber auch nur auf Aktien und Anleihen. England lukriert 5 Mrd. € pro Jahr.

Von Frank Tschoner

Innsbruck – Am liebsten würden einige europäische Politiker den gesamten Handel auf den Finanzmärkten besteuern. Diese so genannte Finanztransaktionssteuer würde dann Aktien, Anleihen, Währungsgeschäfte und so genannte Derivate wie Optionen oder Futures treffen. Nur ganz so einfach ist das nicht, erläutert der Universitätsprofessor Jürgen Huber vom Institut für Banken und Finanzen an der Universität Innsbruck: „Die Finanztransaktionssteuer kann nur bei Aktien und Anleihen funktionieren.“ Österreich könne das auch alleine durchziehen. Doch es sei besser, wenn sich mehrere Staaten beteiligen würden.

Aktien und Anleihen sind örtlich gebunden, so Huber. „Beispielsweise die Verbund AG hat ihre Anleger und Kunden in Österreich. Sie könnte nicht einfach wegen der Finanztransaktionssteuer nach Rio de Janeiro ausweichen. Dort kennt sie niemand.“

Österreich würde so eine Steuer von 0,01 % rund 40 Mio. € pro Jahr bringen, bei 0,05 % wären es bis zu 200 Mio. €. „Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt der Finanzwirtschafter. Auf EU-Ebene könnten je nach Steuersatz 2 Mrd. € bzw. 10 Mrd. € pro Jahr eingenommen werden.

Treffen würde so eine Steuer auf Aktien und Anleihen computergestützte Handelsprogramme. Sie schließen bis zu 5000 Deals in der Sekunde ab und profitieren von minimalen Preisänderungen. Diese würden durch die Finanztransaktionssteuer dahinschmelzen. „Daher können sie dann zusperren. Wenn es sie nicht mehr gibt, ist es auch kein Verlust für die Allgemeinheit“, glaubt Huber. Solche computergestützten Handelsprogramme haben, wie berichtet, einen Kurssturz von 9 % an der Wallstreet ausgelöst.

Deutlich lukrativer wäre eine Finanztransaktionssteuer auf Währungen und Derivate. Sie brächte weltweit hochgerechnet 200 Mrd. € bei einem Steuersatz von 0,05 % ein. Doch laut Huber ist die Einführung so einer Steuer eher unrealistisch. „Das funktioniert nur, wenn sie weltweit eingeführt wird. Das ist aber realpolitisch nicht durchsetzbar.“

Ein Hauptproblem sind laut dem Wissenschafter die Märkte: „Sie sind extrem mobil. Wenn die Konditionen nicht mehr passen zieht die Karawane weiter.“ Es würden sich immer Staaten anbieten, die die Steuer nicht einführen.

Huber verweist auf ein Experiment, das er mit Studenten an der Uni Innsbruck durchgeführt hat: Die Studenten handelten mit Währungen auf zwei verschiedenen Märkten. Nach einer gewissen Zeit wurde auf einem Markt eine Steuer eingeführt. „95 bis 100 % des gesamten Handelsvolumens wanderte sofort in das Steuerparadies ab. Damit waren dann auch die Steuereinnahmen gleich null.“

Zudem würden große Banken bei Währungsgeschäften und dem Handel von Derivaten die Börsen verlassen und „Dark Pools“ gründen, da sie viel günstiger seien. „Dark Pools“ könnten nicht von der Finanztransaktionssteuer erfasst werden.

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Di, 18.05.2010
Vorteilszone
Partyfotos
Gewinnspiele
Parship
radio.at
Unterkunftssuche
Panoramabilder
Panoramabilder
"HEISZE TASTEN"
Panoramablick
AGB Kontakt Impressum