Neuer Besucherrekord bei der „Langen Nacht der Kirchen“
Wien – Mehr als 3.500 Veranstaltungen in 744 Kirchen zwischen Bodensee und Neusiedlersee zeichneten die „Lange Nacht der Kirchen“ 2010 aus. Rund 350.000 Menschen - davon mehr als 130.000 alleine in Wien - haben nach ersten Schätzungen am Freitagabend die „Lange Nacht der Kirchen“ besucht, wie Pressesprecher Georg Radlmair der APA in einer Aussendung mitteilte. Die „Lange Nacht der Kirchen“ - ein gemeinsames Projekt aller 14 christlichen Gemeinschaften des Landes - war in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal in allen österreichischen Diözesen veranstaltet worden. Auch in Tschechien standen an diesem Freitag mehr als 400 Kirchen bei der ersten landesweiten „Noc kostelu“ offen.
Eine positive Bilanz der nunmehr schon sechsten „Langen Nacht der Kirchen“ in Wien zog der Wiener Bischofsvikar Karl Rühringer nach der Veranstaltung am Freitagabend. Im Gespräch mit Kathpress räumte er anfängliche Bedenken ein, dass aufgrund der Missbrauchskrise in der Kirche heuer weniger Leute die Einladung zur „Langen Nacht“ wahrnehmen würden. Diese Bedenken hätten sich aber angesichts des neuen Besucherrekordes zerstreut, so Rühringer. Wie der Bischofsvikar der Erzdiözese Wien sagte, habe er bei seinen Besuchen in zahlreichen Kirchen und Pfarren in dieser Nacht viele Solidaritätsbekundungen mit der Kirche erfahren. Die Menschen würden gerade in schwierigen Zeiten bewusst Farbe bekennen und zur Kirche stehen. Er mache zudem die Erfahrung, dass auch viele der Kirche fernstehende Menschen sich sehr positiv über die „Lange Nacht der Kirchen“ äußern.
Besuchermagnet Nummer eins der „Langen Nacht der Kirchen“ in Wien war einmal mehr der Stephansdom. Mehr als 40.000 Menschen bestaunten im Lauf des Abends die Lichtinstallation von Veit Schiffmann und Max Nemec. Mit Laserlicht wurde der Dom in unterschiedliche Farben getaucht. Ein regelrechter Run entwickelte sich - wie jedes Jahr in der „Langen Nacht der Kirchen“ auf die begehbaren Kirchtürme in der Stadt. Hunderte Besucher wollten auch die 343 Stufen zur Türmerstube des „Steffl“ in 136 Metern Höhe hinaufsteigen. Über 400 Jahre lang (bis 1955) haben dort die Türmer als Feuerwachen Ausschau nach eventuellen Bränden in der Stadt gehalten.
Besonderen Zulauf hatten jene Orte, die für Kirchenbesucher normalerweise nicht zugänglich sind wie Kirchtürme, Sakristeien, Krypten und Klostergänge. Als Juwel barocker Kirchenbaukunst, das nur zu besonderen Anlässen geöffnet wird, stand etwa die „Bernardikapelle“ im Heiligenkreuzerhof den ganzen Abend lang offen. Abt Gregor Henckel-Donnersmarck las aus seinem Buch „Wandelnde Zebrastreifen“ und die „Chart-Mönche“ des Stiftes Heiligenkreuz sangen die Gottesdienste im gregorianischen Choral.
In der Erzdiözese Wien (Stadt Wien und östliches Niederösterreich) konnten die „Lange Nacht der Kirchen“-Besucher insgesamt 175 offene Gotteshäuser besuchen. 1.040 Programmangebote standen zur Wahl. Ein Höhepunkt in Wien war die Diskussion in der Franziskanerkirche, die sich an diesem Abend dem Thema „Sexuelle, körperliche und emotionale Gewalt in der Kirche“ widmete. Im Blick stand dabei der Missbrauch von Abhängigkeiten und Vertrauensverhältnissen.
Auch der Linzer Mariendom zeigte sich bei der Langen Nacht der Kirchen in allen Farben, begleitet von Orgelmusik Johann Sebastian Bachs, gespielt von Domorganist Wolfgang Kreuzhuber, einem jungen Vokalensemble und dem Vokalakrobatiker Ali Andress. In der Langen Nacht präsentierten sich die christlichen Kirchen in Oberösterreich in 130 Gotteshäusern mit 450 Veranstaltungen und 70.000 Besucherinnen und Besuchern, teilte die Diözese am Freitagabend mit.
In Salzburg stellte die Lange Nacht die soziale Haltung der Kirchen in den Mittelpunkt. Heuer waren in der Erzdiözese 15.000 Besucher von Kirche zu Kirche unterwegs.
Mit einer Rekordbeteiligung von 120 Kirchen, davon an die 40 in der Landeshauptstadt Graz und weiteren 80 in der restlichen Steiermark startete die Diözese Graz-Seckau in die Lange Nacht. Nach vorläufigem Stand seien etwa 44.000 Besucher dieser Einladung gefolgt. Insgesamt acht Konfessionen luden zu sich ein und präsentierten sich auf vielfältige Weise: mit liturgischen Feiern, Musik und Kunstführungen, in Gesprächen, mit Lesungen und spirituellen Wanderungen sowie mit kulinarischen Besonderheiten.
Die nächste Lange Nacht der Kirchen findet am 27. Mai 2011 statt. (APA)
aktualisiert: Mo, 18.10.2010 10:55


