Filmfestival Innsbruck startet mit Träumen aus aller Welt
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Evelin Stark ist die neue stellvertretende Direktorin des Internationalen Filmfestivals Innsbruck. Fotos: IFFI
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Von Köksal Baltaci
Innsbruck –„Träumen mit offenen Augen“ ist das erklärte Motto des 19. Internationalen Filmfestivals Innsbruck (IFFI). Die einzigartige Möglichkeit, in fremde Welten einzutauchen und sich in Spielfilmlänge Geschichten und Bildern aus der Ferne hinzugeben, ist das, was das IFFI-Programm von Dienstag bis Sonntag auch in diesem Jahr wieder bietet. Zusammen mit der Gelegenheit, mit internationalen Filmemachern über ihre Werke und Länder zu sprechen. Sechs Tage lang wird das Medium Film in all ihren Facetten gefeiert.
Insgesamt gibt es beim 19. IFFI 81 Filme aus mehr als 30 Ländern zu sehen: vier Wettbewerbe, eine wunderbare Retrospektive, einen aufschlussreichen Balkan-Fokus und ein kleines Fußball-Special als Einklang auf die WM in Südafrika. Gefeiert wird auch die 200-jährige Unabhängigkeit Argentiniens – mit einigen filmischen Beiträgen und dem argentinischen Botschafter, der das Festival mit einem Besuch beehrt und Musiker aus seiner Heimat mitbringt. Die Musik zieht sich auch sonst durch die ganze Woche – Lateinamerikanisch, Balkanesisch, Polnisch-tirolerisch und natürlich die Filmmusik. Nähere Informationen zum Festival-Programm finden Sie auf der Seite www.iffi.at.
Zusammengestellt wurde das Programm im Übrigen zum allergrößten Teil von der neuen stellvertretenden Festival-Direktorin Evelin Stark. Die 30-jährige Zammerin hat Englisch und Medienwissenschaften in Innsbruck studiert und in Venedig einen Kurs zum Art Cinema Management absolviert. Evelin Stark im Interview:
Du bist mittlerweile zum dritten Mal im Festival-Team, diesmal als stellvertretende Direktorin. Wie kam es dazu?
Evelin Stark: Angefangen habe ich vor sieben Jahren ehrenamtlich als Studentin. Nachdem ich vor drei Jahren zur Assistentin der Festivalleitung wurde, bat mich im vergangenen Jahr Festivaldirektor Helmut Groschup, der die Bildungskarenz in Anspruch nahm, seine Stellvertreterin zu werden und gab mir bei der Programmgestaltung enorme Freiheiten. Ich nahm sein Angebot natürlich an und kann jetzt auf ein sehr spannendes, aufregendes Vorbereitungsjahr zurückblicken.
Nach welchen Kriterien stellst du das Programm zusammen, wenn du weltweit auf Festivals unterwegs bist, um Filme für das IFFI auszusuchen?
Stark: In erster Linie achte ich auf die Reaktionen des Festivalpublikums bei den jeweiligen Filmen. Lachen sie, applaudieren sie, wirken sie nachdenklich. Darüber hinaus versuche ich so gut es geht, eine Vielfalt an Themen zu gewährleisten und den Festivalgästen auch außergewöhnliche, unkonventionelle Filme zu präsentieren, die es niemals in ein reguläres Kinoprogramm schaffen würden.
Bedauerst du manchmal, dass viele kleine Filmjuwelen außerhalb eines Festivals wie das IFFI nie breiteres Publikum erreichen würden?
Stark: Ja, sehr. Daher freut es mich auch besonders, dass wir beim IFFI traditionell jede Menge Filme zeigen können, die in einem regulären Kinoprogramm nie zu sehen sein wären. Für mich bleibt die Unterscheidung zwischen einem Festivalfilm und einem fürs reguläre Programm ohnehin ein Mysterium. Ich wundere mich oft, wie zielsicher Festival- und Programmdirektoren diese Unterscheidung treffen können, ich könnte das nicht so ohne Weiteres.
Die beiden Schwerpunkte des Festivals werden die Werke Fernando Birris und die Balkanreihe „Going East“ sein…
Stark: Ja, dass wir einen Meister-Regisseur wie Fernando Birri für unser Festivalpublikum gewinnen konnten, halte ich für ein großes Privileg. Ihn und Helmut Groschup verbindet eine langjährige berufliche wie persönliche Beziehung, ihm haben wir es zu verdanken, Birri und seine Filme nach Innsbruck geholt zu haben. Und der Balkanschwerpunkt war mir selbst ein Anliegen. Bei meinen zahlreichen Festivalbesuchen haben Filme aus dieser Gegend eine besondere Faszination auf mich ausgeübt. Vor allem das ständig wiederkehrende Thema der Suche nach einer Identität. Viele Balkanstaaten sind Mitglieder der EU, dennoch wissen wir fast nichts über diese Kulturen. Ich bin sehr gespannt, wie das Tiroler Publikum diese Filme aufnehmen wird.
Beim IFFI werden eine Woche lang fast 100 Filme gezeigt. Welchen Ratschlag möchtest du jemandem geben, der sich das Festival zum ersten Mal an sehen will. So viele Filme wie möglich zu sehen, die Rahmenveranstaltungen wie Konzerte nicht zu vernachlässigen…?
Stark: Das kommt auch darauf an, mit welchen Erwartungen jemand das Festival besucht. Es gibt beispielsweise Leute, die einen Argentinienurlaub vor sich haben und so viele argentinische Filme wie möglich besuchen wollen. Als ich vor genau zehn Jahren das IFFI zum ersten Mal besucht habe, bin ich ein bisschen wie ein Schlafwandler durchs Festival gegangen und habe mich auf den Zufall verlassen. Es gibt viele Möglichkeiten, ein Filmfestival zu erleben, das macht es ja auch so spannend.
aktualisiert: Mo, 18.10.2010 10:55


