14.07.2010, 13:41  Aktualisiert: 16.02.2011, 10:20 
Österreich

Sicherer Anlage-Hafen? Von wegen: „Hände weg von Gold!“

In Zeiten der Krise flüchtet der vorsichtige Anleger ins Gold. Doch jetzt werden Warnungen vor einer „Blase“ am Goldmarkt werden laut.
Ende eines Höhenfluges? RLB-Vorstand Rehor warnt vor einer „Blase“ am Goldmarkt und rät zu Vorsicht. Foto: Reuters

Wien – Als die Goldmärkte in das neue Jahrtausend starteten, da pendelte der Preis irgendwo bei unter 300 Dollar pro Feinunze herum. Und bis 2006 stieg der Preis für das Edelmetall moderat und fast schon gleichmäßig an. Dann setzte Gold zum Höhenflug an, befeuert in den vergangenen drei Jahren durch die Finanzmarkt- und die darauf folgende Wirtschaftskrise.

Schon 2007 hatte sich der Preis bei rund 700 Dollar stabilisiert – und dann schoss er wie eine Rakete über die 1000 Dollar-Marke. Heute zahlt der geneigte Anleger 1216 Dollar pro Feinunze. Wer 2001 Gold gekauft hat, der vervierfachte seine Anlage innerhalb von einer Dekade.

Doch immer öfter hört man auch kritische Stimmen zum Goldmarkt. Zuletzt meldete sich der Vorstand der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich Wien (RLB), Gerhad Rehor, zu Wort. Und das mit einer sehr deutlichen Ansage: „Hände weg von Gold!“

„Blasen sehen so aus“

Nach dem mehrjährigen Höhenflug sollte man beim Goldpreis durchaus skeptisch sein: „Blasen sehen genau so aus“, sagte Rehor.

Der Goldpreis könne zwar durchaus nach oben gehen, das Edelmetall sei „für jede Kursentwicklung gut“, es wird aber vor einer Korrektur gewarnt. Dass Gold erstmals seit vielen Jahren die Erwartungen der spekulativen Anleger erfüllt hat, liegt für Rehor an einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. „Weil alle glauben, dass Gold ein sicherer Hafen ist, ist es ein sicherer Hafen geworden.“ Für Rehor bleibt Gold eines der spekulativsten Instrumente überhaupt. Auch Goldminenaktien zählt er dazu.

Als sicherer Hafen wird von vielen auch der Schweizer Franken gewertet. Der starke Franken sei mittlerweile ein veritables Problem für Franken-Kreditnehmer. Die teure Schweizer Währung schwankt laut Rehor heute dreimal so stark wie früher. Diese Stärke werde der Schweizer Wirtschaft a la longue sehr weh tun, ist Rehor überzeugt. Österreichische Franken-Kreditnehmer sollten nun nicht Hals über Kopf konvertieren. Es gebe aber sicher wieder „Schwellenniveaus“, an denen ein Ausstieg mit blauem Auge möglich sei. (APA)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mi, 14.07.2010  13:41
aktualisiert: Mi, 16.02.2011  10:20
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