20.01.2012, 17:56  Aktualisiert: 21.01.2012, 07:02 
Musik News

Blues-Sängerin Etta James kurz vor 74. Geburtstag gestorben

Einem Krebsleiden erlag die US-Sängerin, deren Repertoire verschiedenste Genres überspannte.
Etta James 1974 mit Boxer Muhammad Ali.
Foto: AP

Los Angeles - Die Blues- und Soulsängerin Etta James ist tot. James sei am Freitag im Alter von 73 Jahren infolge von Komplikationen ihrer Leukämie-Erkrankung in einem Krankenhaus in Los Angeles gestorben, teilte ihr Manager Lupe De Leon mit. Die schwarze Sängerin, die in ihrer sechs Jahrzehnte langen Karriere drei Dutzend Alben aufnahm, war vor allem für die Songs „At Last“ und „I‘d Rather Go Blind“ bekannt. Im Juli 1993 gastierte sie beim Jazz Fest Wien.

Nach Angaben ihres Managers waren James‘ Ehemann Artis Mills und ihre Söhne Donto und Sametto James bei ihrem Tod an ihrer Seite. Die schwarze US-Künstlerin hatte Leukämie im Endstadium, zudem litt sie an Hepatitis C und Altersdemenz. Im Laufe ihres Lebens hatte die sechsfache Grammy-Gewinnerin, die am kommenden Mittwoch 74 Jahre alt geworden wäre, viele Exzesse durchlebt. Nach ihren eigenen Angaben wäre sie durch ihren Heroin-Konsum in den 1960er Jahren beinahe gestorben. Mehrmals begab sie sich in Entziehungskuren.

James‘ Tod löste unter Weggfährten Bestürzung aus. „Etta war die Matriarchin des Rhythm and Blues“, sagte Billy Wilson vom Verein der ehemaligen Künstler des Motown-Plattenlabels, das viele namhafte schwarze Musiker zu Stars machte. „Sie hat die Fundamente all dessen gelegt, was man Soul-Musik nennt.“ David Ritz, der James‘ beim Verfassen ihrer Biografie „Rage to Survive“ von 1995 geholfen hatte, bezeichnete ihre Stimme als „ein Instrument von einer überwältigenden Kraft“. „Ihre Worte explodierten vor Gewalt, Sex und vor allem vor Musik“, erklärte er.

Etta James, die mit richtigem Namen Jamesetta Hawkins hieß, wurde am 25. Jänner 1938 in Los Angeles in schwierigen Verhältnissen geboren. Ihre von einigen als Prostituierte beschriebene Mutter war erst 14 Jahre alt, als sie schwanger wurde. Der Vater blieb offiziell unbekannt. James will jedoch von ihrer Mutter und anderen erfahren haben, dass ihr Vater der erfolgreiche Billard-Spieler Minnesota Fats war. Wie dieser kämpfte die Sängerin ihr Leben lang mit Übergewicht. In späteren Jahren brauchte James Hilfe, um auf die Bühne zu kommen.

Im Alter von 14 Jahren krempelte eine Begegnung mit dem Bandleader Johnny Otis ihr Leben um. Unter dem Namen Etta James trat sie mit der Band The Peaches auf und hatte 1955 mit „The Wallflower (Dance With Me, Henry)“ ihren ersten Nummer-Eins-Hit in den R&B-Charts. Fünf Jahre später nahm James, die ihre Stimme innerhalb einer Silbe zwischen sanft und rauchig verändern konnte, den legendären Song „At Last“ auf. Im Jänner 2009 sang die Sängerin Beyoncé den Klassiker beim Ball zur Amtseinführung von US-Präsident Barack Obama.

James nahm dies Obama übel: In einem Fernsehinterview einen Monat später schimpfte sie auf den Präsidenten, der es gewagt habe, „diese Frau MEIN Lied singen zu lassen“. Sie werde Beyoncé „den Hintern versohlen“, sagte James damals und fügte hinzu: „Ich kann Beyoncé nicht ertragen.“ Beyoncé, die James 2008 im Film „Cadillac“ verkörperte, hatte sich dagegen voller Bewunderung über die Soul-Sängerin geäußert.

Nach James‘ Tod war Beyoncé eine der Ersten, die reagierten: „Das ist ein riesiger Verlust“, erklärte die R&B-Diva. „Etta James war eine der größten Sängerinnen unserer Zeit. Ich kann mich glücklich schätzen, so eine Königin getroffen zu haben.“ Neben Beyoncé hatten sich auch Diana Ross sowie jüngere Sängerinnen wie Adele und die im vergangenen Jahr gestorbene Amy Winehouse von Etta James inspirieren lassen. (APA/AFP)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Fr, 20.01.2012  17:56
aktualisiert: Sa, 21.01.2012  07:02
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