15.02.2012, 22:13  Aktualisiert: 16.02.2012, 13:18 
Winterwetter

Vorarlberg ist von Tirol aus wieder erreichbar, Situation aber weiter kritisch

Die Straßenverbindung zwischen Vorarlberg und Tirol ist wieder aufrecht, die Bahnsperre dauert aber an. Die Lawinengefahr bleibt groß.
Der Schnee hat Tirol und Vorarlberg wieder fest im Griff.
Foto: APA (Stiplovsek)/Stiplovsek Diet

Bregenz – In Tirol ist die Lawinengefahr nach den Neuschneemengen von bis zu 60 Zentimetern am Donnerstag als „groß“ und auf Stufe „4“ auf der fünfteiligen Skala eingestuft worden. Das Hauptproblem bildeten frische Treibschneeansammlungen, die mit der Oberfläche der Altschneedecke schlecht verbunden sind. Eine Lawinenauslösung sei schon durch geringe Zusatzbelastung möglich. „Die Verhältnisse in den Tiroler Tourengebieten sind kritisch“, betonte die Tiroler Lawinenkommission.

Die Experten warnten auch vor selbstauslösenden Schneebrettern, die exponierte Verkehrswege gefährden könnten. In den vergangenen 24 Stunden waren in den westlichen Nordalpen, im Raum Arlberg/Außerfern sowie Silvretta/Samnaun bis zu 60 Zentimeter Neuschnee gefallen, in den Stubaier und Ötztaler, den Tuxer und Zillertaler Alpen zwischen 30 und 50 Zentimeter, in den östlichen Nordalpen, den Kitzbüheler Alpen sowie entlang des Osttiroler Tauernkammes bis zu 40 Zentimeter. Besonders der stürmische Wind habe zur Verfrachtung des Neuschnees und somit zu Triebschneeansammlungen beigetragen.

Verkehrsbehinderungen

Die anhaltenden Schneefälle haben im Raum Tirol/Vorarlberg zu größeren Verkehrsbehinderungen geführt.

Nach Angaben der Sicherheitsdirektion ging am Mittwochabend gegen 20.30 Uhr ein etwa 20 Meter langes Schneebrett auf die Arlberg-Schnellstraße (S16) zwischen der Raststätte Klösterle und dem Langener Tunnel ab. Die Straße wurde etwa einen Meter hoch verschüttet. Mehrere Fahrzeuge wurden teilweise verschüttet, konnten aber schnell ausgegraben werden.

Eine Person wurde verletzt. Die S16 wurde daraufhin ab Wald am Arlberg aus Sicherheitsgründen gesperrt. Auch der Betrieb der Arlbergbahn musste in der Nacht eingestellt werden, nachdem bei Dalaas eine Lawine abgegangen war.

Nicht erreichbar sind außerdem die Vorarlberger Orte Lech, Zürs sowie mehrere Orte im Großwalsertal und im Bregenzerwald. Die Lawinengefahr wurde als groß (Stufe 4 auf der fünfteiligen Gefahrenskala) eingestuft. Befahrbar gemacht werden konnte am Donnerstagvormittag hingegen die Kleinwalserstraße (L201), die Verbindung zur Talschaft ist damit wieder hergestellt.

„Es kann auch den ganzen Tag dauern“

Wann die Strecke Tirol – Vorarlberg wieder geöffnet wird, ließ sich laut Polizei Bludenz am Vormittag. „Wir warten ab. Dann wird die Lawinenkommission die Situation neu bewerten“, hieß es gegenüber TT.com. Am Donnerstagnachmittag konnte nach der Räumung der Fahrbahn die S16 wieder für den Verkehr freigegeben werden, hieß es bei der Autobahnpolizei.

Per Bahn ist Vorarlberg von Tirol aus derzeit noch nicht wieder erreichbar – die Arlbergstrecke zwischen Landeck und Bludenz bleibt bis auf Weiteres gesperrt. „Wegen der Sperre der S16 ist momentan auch noch kein Schienenersatzverkehr möglich“, erklärte ÖBB-Pressesprecher Rene Zumtobel am Vormittag. Zumtobel ging davon aus, dass die Arlbergbahnstrecke auf jeden Fall bis Mittag geschlossen bleibt – „Es kann auch den ganzen Tag dauern.“ Nach der Räumung der S16 war für die ÖBB die Einrichtung eines Schienenersatzverkehrs durch den Arlbergtunnel möglich. Die Sperre der Bahnstrecke dauert aber an, auch zahlreiche Straßen in Vorarlberg sind weiter nicht befahrbar.

Karwendelbahn gesperrt

Wegen Lawinengefahr bleibt die Karwendelbahn zwischen Scharnitz und Mittenwald ebenfalls gesperrt. Es gibt wegen gleichzeitiger Straßensperre auch keinen Schienenersatzverkehr. Zwischen Innsbruck und Scharnitz wird der Zugverkehr angeboten.

Auch zwischen Reutte und Garmisch bleibt die Bahnstrecke vorerst gesperrt. Ein Ersatzverkehr mit Bussen ist eingerichtet.

Aufgrund von Schneeverwehungen und einem liegengebliebenen Güterzug steht auf der Brixentalstrecke Großteils nur ein Betriebsgleis für die Zugfahrten zur Verfügung. Dadurch kommt es zu größeren Verzögerungen im Bahnverkehr (30-60 Minuten).

Straßen gesperrt, Schneekettenpflicht

Unterdessen waren mehrere Verkehrswege in Tirol von der aktuellen Wettersituation beeinträchtigt und teilweise gesperrt. Laut ÖAMTC war neben der S 16, der Arlberg Schnellstraße, auch die Zillertal Straße (B 169) zwischen Mayrhofen und Ginzling wegen der Lawinengefahr für alle Fahrzeuge unpassierbar. Unter anderem waren die Gerlos Straße (B 161) zwischen Wald im Pinzgau und dem Gerlospass, die Paznauntal Straße (B 188), die Seefelder Straße (B 177) beim Grenzübergang Scharnitz und die Lechtal Straße (B 198) geschlossen.

Auf dem Zirler Berg bei Innsbruck-Land (B 177) benötigten alle Fahrzeuge Schneeketten. Auch auf den Passübergängen, sowie auf der Achensee Straße (B 181) und der Eiberg Straße (B 173) waren Ketten erforderlich. (tt.com)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mi, 15.02.2012  22:13
aktualisiert: Do, 16.02.2012  13:18
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