Guter Politiker, böser Politiker
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Von Manfred Mitterwachauer
Innsbruck – Der Schmäh rannte. Politiker kennen viele Methoden, sich unliebsame Fragen und Kritik vom Leib zu halten. Lachen und Ironie sind nur zwei davon. Und lustig war es beim TT-Forum am Dienstagabend in den Innsbrucker Stadtsälen allemal. Sowohl für das Podium mit sechs Spitzenkandidaten zur Innsbrucker Gemeinderatswahl als auch für das zahlreich erschienene Publikum. An die 500 füllten den Saal bis auf den letzten Platz – ein neuer Rekord beim TT-Forum.
„Wählt‘s mich!“ Das Schlusswort Rudi Federspiels brachte es nach zweieinhalb Stunden auf den Punkt. Um nichts anderes war es Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck), Christoph Platzgummer (ÖVP), Marie-Luise Pokorny-Reitter (SPÖ), Sonja Pitscheider (Grüne), August Penz (FPÖ) und eben Federspiel (Liste Federspiel) gegangen: Werbung in eigener Sache.
Die wählerverlockende Verpackung wurde je nach Notwendigkeit wie die sprichwörtliche Unterhose gewechselt: mal versöhnlich-inhaltsorientiert, mal stichelnd-untergriffig – das alte Spiel: guter Politiker, böser Politiker. Das kennt man.
Im Fokus: natürlich das Duell Oppitz-Plörer gegen Platzgummer. Wenn auch nicht ideologisch, so trennen beide doch inzwischen vergangenheitsbedingt Welten. Am Podium waren es indes nur wenige Zentimeter. Augenkontakt? Fehlanzeige. Beide versuchten vielmehr, dort Grenzen zu ziehen, wo der Wähler bis dato mitunter vergeblich welche sucht. Gelb oder Schwarz? „Ja, ich bin ein Schwarzer“, bekannte Platzgummer mit Inbrunst an Überzeugung Farbe. Oppitz-Plörer lächelte. Doch Platzgummer konterte. Die einst aus der Stadt-VP hervorgegangene FI-Bewegung habe eine Bilanz über die letzten Arbeitsjahre gelegt, die auch ihm schmeichle. Sei sie doch auch eine Werbebroschüre für seine Zeit als einstiger Vizebürgermeister. Oppitz-Plörer blickte ernster. Jetzt lächelten die anderen am Podium.
Als sich im Laufe der Diskussion FP-Mann Penz zu einem entrüsteten „Schämen Sie sich“ in Richtung SP-Frau Pokorny-Reitter aufschwang, weil ihm diese zuvor undemokratische Parolen vorgeworfen hatte, konnte sich so mancher im Publikum ein Lachen nicht verkneifen. Die blaue Emotion fand kaum ein Echo. Zu sehr hatte sich Penz bis dato auf jenen Text verlassen, der vor ihm auf einem Zettel notiert war. Und so verpuffte auch die blaue Breitseite Richtung Rot und Grün, man habe die Bevölkerung in Sachen Wohnheim O-Dorf und Graßmayrkreuzung ausrutschen lassen.
Während sich nebenbei Oppitz-Plörer und Pokorny-Reitter bereits eifrig im heiter-fröhlichen Ressorttausch übten (Stadtplanung gegen Wohnungsservice), hatte Pitscheider damit zu kämpfen, dem Publikum das Einmaleins der grünen Wahlstrategie zu erklären. Stärkste werden – eh klar. Bürgermeisterin? Im Pitscheider‘schen Prioritätenkatalog ist dieser Punkt nicht ganz oben zu finden. Wieso dann nicht gleich auf eine Kandidatur in der Bürgermeisterfrage verzichten? So wie es der Seniorenbund vorexerziert? Zumindest laufe sie nicht mit dem Spruch „Ich will Bürgermeister werden“ wie ein aufgescheuchtes Hühnchen herum, kam ihre prompte Antwort.
Federspiel, der zwar zugab, mit seinen 102 Kilo nicht in den blauen Porsche von Penz zu passen, gab zwischen den Zeilen zu verstehen, sich mit der Zuschauerrolle im Bürgermeisterduell abgefunden zu haben. Mit Sicherheit. Neuer Tag, neues Jahr, neue Legislaturperiode – 2018 seien schließlich auch noch Wahlen. Damit‘s dann endlich klappt, mit dem Amt.
Die KPÖ dürfte die neue Farbenlehre Pokorny-Reitters („Wir sind die einzigen Roten in der Stadt“) nicht wirklich gefreut haben. Ebenso wenig die Blauen. Denen dichtete Pokorny-Reitter ausgerechnet jenen Mandatar wieder an, der nun auf der Liste Federspiels kandidiert.
Nur die Piraten verstanden am Abend die Welt nicht mehr. Mehr direkte Demokratie, wie viele am Podium forderten? Für Spitzenkandidat Alexander Ofer im Publikum hieße das – konsequent zu Ende gedacht – die Abschaffung der dort oben sitzenden Politiker. Und was gäbe es da schon für einen Grund zu lachen?


