Norbert Pleifer sieht schwarz: Bekennerschreiben und Bekenntnis
|
Nur noch die beiden Spitzenkandidaten sind zu sehen, der Rest der Wahlplakate wurde überklebt.
Foto: Pleifer
|
||
Ein Portrait von Norbert Pleifer lesen Sie in der Freitagsausgabe der Tiroler Tageszeitung.
Innsbruck – Da staunten tatsächlich viele Innsbrucker am heutigen Morgen nicht schlecht. Am Weg zur Arbeit, unterwegs in der Stadt und quasi überall wurden mittlerweile abgelaufenen Wahlplakate der SPÖ, der Grünen, der Freiheitlichen und der weiteren Listen flächendeckend und schwarz überklebt.
Auf der kohlrabenschwarzen Fläche wird Wahlkampf geführt. Nicht für die Schwarzen, also die ÖVP, sondern ganz im Gegenteil: Die Plakate zieren ganz klein eine rote und eine gelbe Rose. Ein kleines grünes Büschel Basilikum rundet die Farbenlehre ab.
Wer sich nach dem Wahlsonntag mit möglichen Koalitionsvarianten in der Stadt auseinandergesetzt hat, errät wohl leicht worum es geht. Allen, denen sich die Botschaft nicht sofort erschließt, schreibt der Urheber der Plakataktion in weißen Lettern: „Bitte keinen schwarzen Bürgermeister.“
Plakatierte Wahlstimme
Auf der Suche nach dem Ideengeber der Plakate, führt in Innsbruck an einem kein Weg vorbei. Denn in den letzten drei Jahrzehnten hat dieser Herr keine Gelegenheit ausgelassen, seine „Wahlstimme“ öffentlich zu plakatieren.
Einst schickte er den amtierenden Bürgermeister Romuald Niescher als Bruchpilot „ab in die Wüste“ und aus Rudi F. macht er einen „Inn-schiffer“. HC-Straches Mitstreiter stellte er als Pappkameraden vor der Türe des von ihm geleiteten Etablissements auf. Mit dem Hundstaferl um den Hals: „Wir müssen draußen bleiben.“
Hilde Zach machte er zur Bürgermeisterin von Hildesheim, indem er sämtliche Ortstafeln bei den Stadteinfahrten mit reflektierenden Hildesheim-Folien überklebte. Und heuer wandelte er das neue Stadtlogo um in „„INN‘S WURSCHT“.
Doch nicht egal
Dass es dem Urheber – von Norbert Pleifer, dem langjährigen Treibhaus-Chef ist die Rede – dann doch nicht ganz egal ist, wer in Zukunft in Innsbruck regiert, zeigt er nun mit eben diesen schwarzen Plakaten auf, die in der ganzen Stadt zu sehen sind.
Sein Bekennerschreiben im Wortlaut:
„Bitte keinen schwarzen Bürgermeister!
Diese Bitte ist keine Ausweitung des niederträchtigen Nordafrika-Sagers auf alle Schwarzen. Ganz im Gegenteil. Sie ist ein frommer Wunsch an die politische Farbenlehre: Innsbruck muss farbig bleiben und bunt werden. Es geht sich aus, selbst für farbenblinde. Wenn die Fürbitte gendermäßig richtig gelesen wird, ist sogar unmögliches möglich:
Denn Innsbruck braucht keinen neuen Bürgermeister, keinen Statthalter der schwarzen Jagdgesellschaft. Innsbruck verdient eine kluge, mutige und herzliche Frau, die sich vom Parteimief immer mehr emanzipiert.
Norbert K Pleifer
PS: Seid nicht kulturlos: geht wählen. Wenns sein muss: weiß. Oder klaut den Stimmzettel und schickt ihn dorthin, wo der Protest hingehört.“
Auf Nachfrage der TT Online bestätigte Norbert Pleifer die Urheberschaft der spektakulären Aktion.
Zur Frage, ob für die Aktion Subventionen für das Treibhaus „investiert“ worden seien, meint Pleifer „nein“.
„Bei flyerwire kosten 1000 Plakate 230 Euro“, fügt er hinzu und erklärt mit Augenzwinkern: „Und für alle die sich Sorgen um die Subventionen machen, die im Treibhaus-Zukunftsbüro versickern: 500 Plakate wird der Dorfer zahlen, 400 der Hader und 100 werd ich dem Koschuh verrechnen.“ (tt.com)
aktualisiert: Do, 19.04.2012 16:42

