25.05.2012, 14:26  Aktualisiert: 30.05.2012, 12:21 
Tirol

Bummelzug in Navis abgestürzt: 32 Pensionisten wurden verletzt

Rund 100 Einsatzkräfte sind am Freitag im Bereich Peeralm zusammengezogen worden: Ein Bummelzug mit 32 Personen war vom Weg abgekommen.

Von Thomas Hörmann

Navis – Das hintere Navistal war am Freitagnachmittag Schauplatz eines ungewöhnlichen Großeinsatzes. Der Parkplatz „Grün“ in etwa 1500 Metern Seehöhe glich einem Feldlazarett, etwa 100 Helfer mussten mehr als 30 verunglückte Pensionisten versorgen.

Der Grund: Beim Absturz eines Bummelzugs wurden gegen 14.20 Uhr alle 32 Fahrgäste – Rentner aus Deutschland – mehr oder weniger schwer verletzt.

„Der Zug kam von der Peeralm und war auf der Forststraße talauswärts unterwegs“, schildert Polizei-Bezirkskommandant Gerhard Niederwieser: „Dabei gab‘s eine Begegnung mit einer Kuhherde.“

Um einen Zusammenstoß zu vermeiden, musste der Fahrer des Bummelzugs, ein Hotelier aus Matrei am Brenner, den Traktor mit den beiden Anhängern im Schlepptau abbremsen.

Mit bösen Folgen – die „Waggons“ gerieten aus dem Gleichgewicht, kamen vom Weg ab und kippten über die Böschung. Nur die Zugmaschine, die auf dem Forstweg zum Stillstand gekommen war, stabilisierte den Bummelzug und verhinderte einen weiteren Absturz der Anhänger.

Alle 32 Fahrgäste wurden aus den beiden Waggons geschleudert. „Als wir eintrafen, waren die Passagiere im ganzen Gelände verteilt“, erzählt Philipp Laimgruber, Einsatzleiter des Roten Kreuzes.

Zunächst galt es, die Anhänger abzusichern. „Sie hingen ja nur an der Zugmaschine. Es bestand die Gefahr, dass sie weiter abstürzen und dabei auf einige herausgeschleuderte Fahrgäste rutschen“, so Laimgruber weiter. Gleichzeitig begannen die Helfer mit der Bergung der Pensionisten.

Obwohl kaum ein Fahrgast den Unfall unversehrt überstand, hatten die meisten doch Glück im Unglück. Gerhard Niederwieser sprach von drei Schwer- und 29 Leichtverletzten. Johannes Schwammberger, Sprecher der Innsbrucker Klinik, korrigierte die Unfallbilanz noch etwas: „Nur ein Patient ist schwerverletzt und musste operiert werden.“

Der Lenker und ein Betreuer, der auf der Zugmaschine mitfuhr, überstanden das Unglück ohne jede Schramme.

Die Versorgung derart zahlreicher Unfallopfer erwies sich als logistische Herausforderung: „Wenn wir einfach so alle Patienten in der Klinik abliefern, gibt‘s ein Chaos. Daher müssen wir schon vorher eine Auswahl treffen, wer in welchem Krankenhaus behandelt werden muss“, erklärte ein Sanitäter.

Entsprechend bauten die Helfer Zelte auf, errichteten eine mobile Notfallambulanz und stellten die Versorgung mit Getränken sicher. Mitten im Wald wurden Verbände angelegt, einige Unfallopfer hingen am Tropf.

Je nach Verletzungsgrad teilte eine Notärztin ein, wer ins Spital nach Schwaz, nach Hall oder in die Klinik kommt.

Obwohl die meisten Patienten vergleichsweise glimpflich davongekommen waren, saß der Schock tief. Ungewöhnlich tief, wie auch Einsatzleiter Laimgruber feststellen konnte: „Das lag wohl am Alter, der Sonne und dem Durst.“

So stapfte ein Deutscher mit vermutlich gebrochenem Arm zu seiner Frau, beklagte aber nicht den Schmerz, sondern nur seinen fehlenden Schuh. „Den hab ich verloren und nicht mehr gefunden.“ Nach der Erstversorgung ging es mit Rettungsautos und Hubschraubern in die Spitäler.

Nach dem ersten Flugtransport blockierte ein defekter Helikopter das Klinikdach. 45 Minuten später war der Landeplatz wieder frei und der nächste Patient konnte abgesetzt werden. Zwischenzeitlich musste ein Helikopter mit einem Opfer an Bord am Flughafen landen.

Der verständigte Staatsanwalt ordnete die Sicherstellung des Bummelzuges und die Beiziehung eines Sachverständigen an. Beim Fahrzeug handelt es sich um eine nicht zum Verkehr zugelassene Zugmaschine mit zwei hydraulisch gebremsten Anhängewagen.

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Fr, 25.05.2012  14:26
aktualisiert: Mi, 30.05.2012  12:21
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