05.07.2012, 11:52  Aktualisiert: 06.07.2012, 06:33 
„Shadowland“

Körper werden zu wechselnden Bildern

Das Pilobolus Dance Theatre zog das Publikum beim Tanzsommer mit seinen Schattenspielen in den Bann.
Achtung! Das ist nur ein Mustertext. Achtung! Das ist nur ein Mustertext. Achtung! Das ist Muster.Foto: Fotohinweis
Foto: TT / Thomas Boehm

Von Alexandra Plank

Innsbruck – Nachts im Bett, wenn die kleine Lampe noch brannte, damit wir uns nicht vor Hexen und Ungeheuern, die sich unter dem Bett versteckten, fürchteten, warfen wir Schattenbilder an die Wand. Hunde und Ziegen und Schmetterlinge entstanden so. Das Spiel mit Schatten und Licht hat das Pilobolus Dance Theatre zur Perfektion erhoben.

Bereits 2007 faszinierte die amerikanische Company Zuseher auf der ganzen Welt, als ihre Show „Shadowland“ während der Oscar-Verleihung über die Bildschirme ging. Körper werden zu immer wechselnden Bildern, die ganze Bühne ist ein einziges großes Schatten-Kaleidoskop. Es sind das Unbekannte, der große Spielraum, der sich der Phantasie bietet, und die technische Perfektion, die den Reiz des Dargebotenen beim Innsbrucker Tanzsommer ausmachen. Im Zentrum steht ein fragiles, fast schwebendes Mädchen, das durch die Welt wandelt, auf Blumen stößt und von verrückten Köchen mit dem Fleischerbeil verfolgt wird. Die Show ist aber nicht nur unterhaltsam, sie ist auch poetisch und man kann sie philosophisch lesen. Eine riesige Hand zeigt von oben auf das Mädchen und berührt es, wie Gott Adam bei dessen Erschaffung – in der Sixtinischen Kapelle in Rom. Das weltberühmte Werk stammt von Michelangelo und zeigt, dass der Mensch nicht zufällig auf der Welt ist.

Symbolisiert die mächtige Hand, die das Mädchen an diesem Abend streichelt, aber auch in einen Hund verwandelt, also Gott? Kann sein, kann aber auch nicht sein, wie gesagt: Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Der Hund bekommt ein Bündel mit auf den Weg und zieht in die Welt hinaus. Witzig ist die Frequenz, wenn sich die Schattentänzer in ein Auto verwandeln und Cowboy und Hund, die gemeinsam unterwegs sind, eine Zigarette rauchen. Wobei der Hund die Zigarette gleich als Ganzes verschlingt.

Es ist eine Reise voller kleiner Glücksmomente, aber auch harte Prüfungen erwarten den Hund, so wird er angekettet und zu Kunststücken im Zirkus gezwungen. Was also, wenn Gott dieses Wesen war, das das Mädchen in einen Hund verwandelt hat? Kommen dann die Prüfungen von ihm? Stimmt der Spruch: Wem Gott schickt ein Häschen, dem schickt er auch ein Gräschen?

Den Gedanken sollte man an diesem Abend freien Lauf lassen. Showtruppen vermitteln oft das Gefühl, dass sie ihr Programm lustlos herunterspulen, auf diese Company trifft das nicht zu. Sie hat eine eigens auf Innsbruck zugeschnittene Zugabe im Gepäck. „Innsbruck“ schreiben die Körper und „Danke“. Standing Ovations waren den Tänzern sicher.

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Do, 05.07.2012  11:52
aktualisiert: Fr, 06.07.2012  06:33
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