13.07.2012, 22:33  Aktualisiert: 16.07.2012, 13:06 
Gärtnerboom

Die Lust gemeinschaftlich zu „Garteln“ wächst

Gartenarbeit erfreut sich wachsender Begeisterung. Gemeinschaftgärten finden in Tirol einen guten Boden und auch in Schrebergärten wird fleißig umgegraben.

Innsbruck – Unter dem Schlagwort „Urban Gardening“ erlebt das Gärtnern im innerstädtischen Bereich einen anhaltenden Boom. Städte von Berlin bis Wien werden - wo möglich - von Hobbygärtnern bestellt. Und auch in Tirol wächst auch in den Städten zunehmend die Freude daran, im Dreck zu wühlen und zu graben.

„Urban Gardening“, hat seine Wurzeln in New York. Im Gegensatz zum Bestellen einer privaten Nutzfläche steht dabei die gemeinschaftliche Gartenarbeit im Vordergrund. Zahlreiche Gemeinschaftsgärten haben sich in diesem Sinne auch in Tirol formiert, wobei ganz nach US-Vorbild die Vielfalt dominiert: Es gibt Interkulturelle Gärten, Frauengärten, Generationengärten und auch Nachbarschaftsgärten. Ähnlich wie bei den New Yorker Gemeinschaftsgärten der 70-Jahre werden dabei unterschiedliche soziale, ökonomische oder ernährungspolitische Fragen mit der Gartenarbeit verknüpft.

Netzwerkstelle informiert

Mit der „Netzwerkstelle Gemeinschaftsgärten“ will das Tiroler Bildungsforum zum kollektiven „garteln“ informieren, beraten, unterstützen und vernetzen.

„Gemeinschaftsgärten sind Orte der Begegnung und des Lernens. Und vor allem in Interkulturellen Gärten ist es toll, wenn sich Menschen treffen, die sich ansonsten nicht begegnen würden“, sagt Petra Obojes-Signitzer von der Netzwerkstelle. Seit 2009 begleitet das Tiroler Bildungsforum als Projektträger u.a. die Entwicklung des „Interkulturellen Gemeinschaftsgarten Wilten“. Obojes-Signitzer ist sich jedoch sicher, dass sich tirolweit zahlreiche weitere Gemeinschaftsgärten oder –äcker unterschiedlichster Art gebildet haben.

Beim ersten Treffen von Tiroler Gemeinschaftsgärtnern im Innsbrucker Kapuzinerkloster wurde die Vielfalt der zahlreichen Initiativen ersichtlich. Die Netzwerkstelle Gemeinschaftgärten hatte u.a. zwecks Informationsaustausches zu diesem Treffen gebeten. Mehr dazu im Video-Beitrag.

Wartezeiten bei Schrebergärten

Aber nicht nur in der Gemeinschaft, sondern auch in privaten Gärten und Kleingärten wird fleißig, gesät, gejätet und geerntet. Schrebergärten, die im 19. Jahrhundert als sogenannte Armengärten ins Leben gerufen wurden, sind begehrt wie nie: 350 Kleingärten verwalten etwa die Innsbrucker Immobiliengesellschaften, die Nachfrage übersteigt jedoch das Angebot bei Weitem: „180 Bewerber stehen derzeit auf der Liste, die Wartezeiten betragen bis zu zehn Jahre“, sagt Markus Wanker von der IISG Kleingärten.

Mit Wartezeiten muss allerdings auch bei Tiroler Gemeinschaftsgärten gerechnet werden. 50 Personen sind etwa für ein Beet im „Interkulturellen Garten Wilten“ angemeldet, manche von ihnen warten schon seit 2008.

Die Netzwerkstelle will aber insbesondere auch die Gründung von neuen Gemeinschaftsgärten unterstützen. „Ich bin mir sicher, dass es in Tirol ausreichend Flächen gibt. Doch abgesehen von der Fläche sollte auch eine Gruppe gefunden werden, die die Bereitschaft für ein langfristiges Engagement mitbringt“, so Obojes-Signitzer.

Interessierte können sich z.b. Tipps bei der 5. Österreichischen Netzwerktagung der Gemeinschafts- und Interkulturellen Gärten am 14. und 15. September im Haus der Begegnung holen. Dort besteht u.a. auch die Möglichkeit zum Austausch mit Gemeinschaftsgärtnerinnen und -gärtnern aus ganz Österreich. (sire)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Fr, 13.07.2012  22:33
aktualisiert: Mo, 16.07.2012  13:06
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