10.09.2012, 17:47  Aktualisiert: 10.09.2012, 18:59 
Vor dem Live-Event

iPhone 5: Was alle erwarten – und was Apple nicht „liefern“ wird

Wenn es ums iPhone geht, geht es um Apple. Denn kein Produkt prägt den Erfolg des Konzerns mehr, als das Smartphone. Die Erwartungen sind hoch und der Druck auf die Apple-Manager ist entsprechend groß. Enttäuschungen sind da vorprogrammiert.

Cupertino – Der Druck, der auf Tim Cook lastet, ist in dieser Woche enorm. Am 12. September wird von ihm und Apple ein wahres Innovations-Feuerwerk erwartet. Eine Erwartungshaltung, die auch in Dollar ausgedrückt werden kann. Mit 680,44 Dollar (am Montagmorgen) pro Aktie drückten Anleger den Börsenkurs des wertvollsten Unternehmens der Welt im Vorfeld der Präsentation des neuen iPhones auf einen absoluten Rekordwert. Der Markt glaubt also an ein echtes Wunderding. Und Cook muss es liefern.

Der Einsatz ist selbst für Apple hoch. Beim iPhone geht es immerhin um ein Produkt, das von Juni 2011 bis Juni 2012 74,3 Milliarden Dollar in die Kassen des Unternehmens spülte. Mehr als der gesamte Microsoft-Konzern im gleichen Zeitraum mit all seinen Geschäftstätigkeiten verdiente (73 Milliarden Dollar). Insgesamt macht das Geschäft mit dem Smartphone rund 45 Prozent des Apple-Umsatzes aus.

Es geht um Apples Zukunft

Kurzum: Es geht am Mittwoch um das Kerngeschäft von Apple – einem Unternehmen, das sich vom Computer-Hersteller längst emanzipiert hat. Das iPad, das iPhone, iTunes und der App-Store sind heute die größten Erfolgsfaktoren.

Im lukrativen Geschäft wollen aber auch andere mitmischen. Das zeigen die Patentstreitigkeiten mit Samsung, aber auch die immer neuen Konzepte, mit denen Google gemeinsam mit Samsung, Motorola mit HTC, Microsoft zusammen mit Nokia oder Amazon Apple Marktanteile streitig machen wollen.

Der steigende Konkurrenzdruck bereitet dem Management von Apple Kopfzerbrechen – aber ausgerechnet die eigene Fangemeinde sorgt für zusätzlichen Ärger. Denn neben den immer ausgefeilteren und ausgereifteren Produkten, die andere Hersteller anbieten können, schüren Apple-Blogs im Netz immer neue Gerüchte – und damit Erwartungshaltungen in der Fangemeinde und bei potenziellen Neukunden, die das Geschäft teilweise beeinträchtigen.

Einerseits weil viele Kunden einfach auf die neuesten Modelle warten – und bei Apple kann es durchaus dauern vom ersten Gerücht bis zur Verfügbarkeit im Laden. Dem Unternehmen entgeht also Geschäft während dieser Wartezeit – was zuletzt dazu führte, dass die iPhone-Verkäufe hinter die Absatzzahlen von Samsungs Galaxy S3 zurückfielen.

Andererseits werden so hohe Erwartungen geschürt, dass Apple diese zwangsläufig nicht erfüllen kann. Frustration wird so zum ständigen Begleiter von Produkt-Präsentationen.

Große Erwartungen

Der Hype um das iPhone 5 ist bereits seit Monaten groß. Geschürt von Leaks, Fotos von Bauteilen und Aussagen diverser „involvierter“ Personen, die trotz der paranoiden Geheimhaltung Apples ungewöhnlich massiv an die Öffentlichkeit gelangten.

Beginnen wir hier die Serie der massivsten Gerüchte mit der möglichen Verfügbarkeit des Geräts. Angeblich soll es am 12. September präsentiert werden. Ebenso angeblich könnte es in den USA am 21. September in den Verkauf starten, Europa – vielleicht auch Österreich – soll in der ersten Oktoberwoche (5. Oktober?) starten. Viele Fragezeichen und noch mehr folgen.

Daher: Alle folgenden Angaben sind ebenso wie das Präsentationsdatum nur als unbestätigte Gerüchte im Umlauf – Gerüchte, die mit mehr oder minder guter Faktenlage seit fast einem Jahr in der Blogosphäre, aber auch bei großen Medien kursieren:

Bildschirm wird größer

Hauptunterscheidungsmerkmal zum Vorgänger 4S ist diesen „Informationen“ zu Folge das Display mit 4 Zoll statt 3,5 Zoll Größe. Das Bildschirmwachstum wird – und hier sind sich inzwischen fast alle „Experten“, Informanten und Analysten einig – das Design in der Länge, aber nicht in der Breite beeinflussen. Das iPhone 5 wird sich somit zwar sehr ähnlich wie das iPhone 4S in der Hand anfühlen, die Screenhöhe lässt dafür mehr Platz für Apps. Filme im 16:9-Format lassen sich in Zukunft ohne lästigen Beschnitt in der Breite oder mit schwarzen Balken abspielen.

Das Design des iPhone 5 folgt dem bisherigen in vielen Aspekten. Allerdings verschwindet die Glas-Rückseite. Die Rede ist von einer „Unibody“-Konstruktion, bei der aus einem Aluminiumblock das gesamte Gehäuse gefräst wird. Die Technik wird bisher bei Apple zur Konstruktion der MacBooks angewendet und soll ein sehr schlankes Gerät ermöglichen.

Folglich wird sich die Rückseite des Handys mit poliertem Alu und an den Enden mit Glas präsentieren. Die „Fenster“ im Design sind der Konnektivität geschuldet, also der Verbindungsqualität der verschiedenen Antennen für Telefonie und Datenübertragung. Das iPhone 5 wird aber auch dünner – jedenfalls suggerieren das Modelle, die nach den bisher vorliegenden Informationen gebaut wurden.

Dock-Connector verändert Gadget-Welt

Eine weitere von außen sichtbare Änderung ist die Kopfhörerbuchse, die nach unten neben den Dock-Connector wandert. Dieser wiederum wird deutlich kleiner und dünner – was Auswirkungen auf alle iPhone-Gadgets haben wird. Der neue Dock-Connector wird zudem wohl für alle mobilen Geräte von Apple eingeführt. Betroffen sein werden also auch iPads und iPods. Zum Kopfhörer ist noch zu ergänzen, dass dieser ein Redesign erhält. Entsprechende Fotos aus der Fabrik in Vietnam zeigen kleinere Knöpfe, die angeblich bestens in den vorderen Gehörgang rutschen.

An dieser Stelle ist die Liste der Gerüchte noch lange nicht zu Ende. Immerhin bietet auch das Innenleben des iPhone 5 viel Platz für eine lange Wunschliste. Weit oben auf der Liste ist die Unterstützung des Datenübertragungsstandards LTE. Hier enttäuschte das 4S, das „nur“ 3G unterstützt. Apple verzichtete bisher auf LTE im iPhone, weil die erhältlichen Chipsets zu viel Energie verbraucht haben. Mit dem Qualcomm MDM9615-Chipset, das nun vermutlich zur Anwendung kommt, hat sich das geändert.

Nun also könnte es soweit sein. Zuletzt hieß es gar, dass das iPhone 5 im Gegensatz zum neuen iPad alle LTE-Frequenzbänder unterstützen wird – auch in Europa, auch in Österreich. Details dazu gibt es aber keine. Wäre dies der Fall, dürfte auch dem iPad ein baldiges Hardware-Update blühen.

Ebenso wenige Details wurden zur CPU im iPhone 5 bekannt. Der Prozessor soll als „A6“ aber natürlich „schneller“ sein als der A5 im 4S – und gleichzeitig weniger Energie brauchen, was sich auf die Betriebsdauer des Smartphones positiv auswirken wird. Die weit verbreitete Meinung dazu lautet, dass der A6-Chip über vier Kerne verfügen wird — zwei mehr als der Vorgänger A5 und der A5X (im iPad).

Neue Produktstaffelung, Ende des 3GS

Der Launch des iPhone 5 hat – ohne Rücksicht auf die spezifischen Hardware-Features – mit großer Sicherheit Auswirkungen auf frühere Modelle bzw. die Preisstaffelung. Das 3GS ist am Ende des Produktzyklus angekommen. Als günstiges Modell wird das 4er-iPhone die zweite Generation ablösen. Auch das 4S hat im hochpreisigen Segment ausgedient. Hier wird das iPhone 5 thronen und, wie es in einem Bericht von „N42“ hieß, das bisherige Preisschild vom 4S übernehmen.

Was nicht kommt...

Wird das iPhone 5 mit NFC (Near Field Communication zum bargeld- und kontaktlosen Bezahlen) an den Start gehen? Wohl kaum, glaubt die Community. Apple ist hier traditionell vorsichtig. NFC gilt als Zukunftstechnologie mit Sicherheitsrisiken. Die Möglichkeit, dass Apple eine eigene Lösung anbietet, ist allerdings immer gegeben.

Wird Apple mit dem iPhone 5 eine neuerliche Revolution für den Handymarkt bieten können? Wohl kaum. Das liegt in der Natur von angesagten Revolutionen. Wird Apple mit dem neuen Gerät den Weg der Evolution des Smartphones weiter beschreiten? Das gilt als ziemlich sicher. Wird es begeistern? Ja und nein, denn die Enttäuschung ist bei den geschürten hohen Erwartungen gewiss. Könnte Apple mit einer Überraschung aufwarten? Wohl kaum, denn selten waren im Vorfeld eines Media-Events so viele Bauteile im Umlauf, wie in den letzten zwei, drei Monaten. Wenn hier Brotkrumen gestreut wurden, um die Medienwelt auf eine falsche Fährte zu locken, dann haben wohl alle Tim Cook unterschätzt.

Heißt das neue Handy iPhone5?

Am Ende noch die (mögliche) Antwort auf die Frage, ob das iPhone 5 auch so heißen wird – und nicht wie das iPad die Nummerierung verliert: Ein fast überzeugtes „Ja“, weil auf der Einladung zum Apple-Event zwar wenig steht, aber eine entscheidende Zahl zu sehen ist: „It’s almost here – es ist fast da“, heißt es dort. Darunter ist eine große 12 zu sehen (ein Hinweis auf den Präsentationstermin), die aber eine 5 als Schatten wirft.

Die Antworten zu weiteren Devices (iPod-Produktlinie, iPad mini?), dem Betriebssystem (iOS 6) usw. überlassen wir der einzig qualifizierten Person: eben Apple-CEO Tim Cook. TT.com tickert live und fasst alle wichtigen Einschätzungen aller relevanten Technikplattformen im Live-Ticker am Mittwoch ab 18 Uhr zusammen. Der Media-Event von Apple beginnt dann am 12. September um 19 Uhr. (paco, tt.com)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Mo, 10.09.2012  17:47
aktualisiert: Mo, 10.09.2012  18:59
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