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Demo an Grassmayrkreuzung

Im Kampf gegen Föhn und Südringtunnel

Die Gegner des Ausbaus der Innsbrucker Grassmayrkreuzung machten am Samstag mit einem Demonstrationszug ihrem Ärger Luft.

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Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Es ist ein Sturm des Protests, der sich am späten Samstagvormittag ein Match mit dem Sturm aus dem Süden liefert. Der kräftige Föhn über Innsbruck wirbelt Transparente und Spruchbänder durcheinander und macht dabei den Organisatoren der Demonstration gegen die Untertunnelung der Grassmayrkreuzung beinahe einen Strich durch die Rechnung.

Rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind dem Aufruf gefolgt und haben sich am Südring versammelt. Anrainer sowie Sympathisanten betreten um kurz nach halb zwölf den nordwestlichen Teil der Grassmayrkreuzung, richten eine Mal- und Spielecke für die Kleinsten ein und lassen laute Musik aus der mobilen Anlage dröhnen. Es ist keine Totalsperre der Verkehrsader, die von durchschnittlich 40.000 Fahrzeugen am Tag befahren wird. Die Busse und Pkw werden über die südliche Spur des Südrings bzw. die Pastorstraße umgeleitet. Das befürchtete Verkehrschaos bleibt vorerst aus.

An der Spitze der Versammlung wandert das Mikrofon von Hand zu Hand. Die Vertreter der Bürgerinitiativen machen ihrem Ärger über das 40-Millionen-Euro-Vorhaben Luft. Sie warnen davor, dass das Projekt letztendlich nur noch mehr Verkehr auf den Südring locken wird und man künftig mit 60.000 Fahrzeugen täglich leben wird müssen.

Zahlreich vertreten unter den Demonstranten sind auch grüne Landes- und Stadtpolitiker, die sich mit den Aktivisten solidarisieren und ebenfalls ihr Nein zu einer „Südring-Autobahn“ unterstreichen. „Ich bin heute aber als Bürger hier und nicht als Gemeinderat“, erklärt GR Mesut Onay und lässt damit durchklingen, was die Grünen derzeit in eine Zwickmühle bringt: Denn anders als die Grünen befürworten die Koalitionspartner in der Stadtregierung, FI und SP, das Kreuzungsprojekt.

Gegen halb eins setzt sich der Protestzug in Bewegung. Unter dem Getöse von Ska-Punk-Musik geht es die Südbahnstraße hinunter, über die Schid­lachstraße auf die Leopoldstraße. Eine geplante Zwischenkundgebung lassen die Organisatoren kurzfristig windbedingt ausfallen. Und so erreichen die Demonstranten gegen 13 Uhr die Salurner Straße, den Ort der Schlusskundgebung, wo sie die für das Verkehrsressort verantwortliche Vizebürgermeisterin, Sonja Pitscheider (Grüne), bereits erwartet.

Pitscheider ist es auch, die die Schlussrede der Kundgebung hält. „Wir leben jetzt schon in einem Luftsanierungsgebiet und haben die Kinderarztpraxen voll von halb erstickenden Kindern“, ruft sie und erntet dafür Applaus.

Von Monika Vogl, Sprecherin der Interessengemeinschaft Südring, wird sie dann erinnert: „Die Ressorts Stadtplanung und Tiefbau sind jetzt bei den Grünen. Und wir erwarten uns, dass sie unsere Interessen dort auch vertreten.“

Inzwischen hat sich die Gruppe zerstreut und die Veranstaltung ist um 13.30 Uhr – eine Stunde früher als geplant – beendet. Zufrieden scheinen heute alle zu sein. Die Polizei, weil das Verkehrschaos ausgeblieben ist, und die Demonstranten, weil sie die Kundgebung als gelungenen Auftakt und nicht als Höhepunkt des Protests sehen.

Bis zur Entscheidung im Dezembergemeinderat, wo mit dem Beschluss des Budgets die Mittel für den Bau freigegeben werden sollen, wollen sie weiterkämpfen. Gegen ein Projekt, das mehr Verkehr bringt und außerdem an den geplanten Fußgängerrampen nicht barrierefrei ist, wie sie erklären. Ihre Forderung: Zurück an den Start und eine Lösung finden, bei der alle von Anfang an eingebunden sind.

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