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Weltkrippenkongress

Handwerk von Gottes Gnaden

Weltkrippenkongress in Innsbruck: Im Gotischen Keller sehen sie derzeit über 80 verschiedene österreichische Krippen.

Von Matthias Christler

Innsbruck – Jede Krippe lebt von diesem einen kleinen Detail, das darüber entscheidet, ob die altbekannte und tausendmal gesehene Szene ein weihnachtliches Gefühl im Betrachter entfacht. Ob aus Holz oder Styropor, in Schnee gehüllt oder im Orient spielend, menschengroße Könige oder klein geschnitzte Sternsinger – egal welchem Stil eine Weihnachtskrippe folgt, sie sollte nur eine Vorgabe erfüllen und das ist kein Geheimnis: Der Star ist das Kind.

Die 700 Gäste aus der ganzen Welt, die diese Woche den Weltkrippenkongress in Innsbruck besuchen, haben ein Auge dafür. Im Gotischen Keller sehen sie derzeit über 80 verschiedene österreichische Krippen. Die regionalen Unterschiede zwischen Westen und Osten sind deutlich zu erkennen, sagt Franz Wostalek, Krippenbauer aus Niederösterreich und Organisator des Kongresses: „In anderen Ländern noch mehr. Es gibt neapolitanische Krippen in Italien, die einen ganzen Raum ausfüllen, dafür findest du die Heilige Familie nicht mehr“, meint er.

Prunk und Protz zum Trotz, es müsse das Geschehene um das Christuskind im Mittelpunkt stehen. Keine Schande ist es, wenn man eine Krippe selbst baut und die Figuren zukauft. „Zum Schnitzen so einer Figur muss dir der Herrgott schon die richtigen Hände geschenkt haben.“ Wichtig sei, erklärt der Krippenbauer, der selbst Kurse gibt, viel von sich selbst einfließen zu lassen: „Bethlehem liegt bei jedem daheim.“ Da spiele es keine Rolle, ob die Krippenszene in der Wiener Vorstadt oder auf einem Bergbauernhof spielt.

11.000 Mitglieder hat der Verband der Krippenfreunde in Österreich, 6500 kommen aus Tirol. „Vor Hunderten Jahren schnitzten die Tiroler in ihren eingeschneiten Stuben die Figuren und schenkten sie ihren Kindern zu Weihnachten“, erzählt Wostalek, wie die Kunst entstanden ist.

„Krippeleschaugn“ im Gotischen Keller kann man noch heute (9 bis 17.30 Uhr) und Sonntag (8 bis 16 Uhr).