23.11.2012
Interview

Keine gute Laune vorgaukeln

Die TT war bei der Aufzeichnung von „Keine Chance: Die Stermann gegen Grissemann Show“ dabei. Und hat im Vorfeld mit den Satirikern über gespielte Fröhlichkeit, mangelnde Fitness und Schweißausbrüche gesprochen.
     

Sie wagen den Sprung von der Late-Night in die Prime-Time. Aber passen Sie dort, wo ansonsten fröhliche Menschen wie Armin Assinger, Andy Borg oder Mirjam Weichselbraun den Ton angeben, überhaupt hin?

Stermann: Wir haben dem ORF ja erklärt, dass wir uns spätnachts ganz wohl fühlen, aber sie wollten unbedingt, dass wir etwas um 20.15 Uhr machen – weil wir sehr leicht zu überreden sind und alles machen, was der ORF von uns verlangt, stehen wir jetzt mit dieser Sendung da.

Grissemann: Ich glaube, dass viele Entertainer psychisch sehr angeschlagene Menschen sind. Gute Laune wird in der Show-Welt ja bloß vorgegaukelt. Wir bringen nun den Vorteil mit, dass wir dazu stehen, schlecht gelaunt zu sein. Und eine gewisse schlechte Laune am Freitagabend ist doch hervorragend. Ich persönlich wäre froh um einen miesepetrigen Hauptabend-Moderator.

Die Ankündigung, dass in der Show „Kranke gegen Ärzte“ kämpfen, fand so mancher geschmacklos ...

Grissemann: Wir wollen doch keine schwerkranken Menschen vorführen! Bei uns werden weder Pestkranke durchs Studio gejagt, noch Krebspatienten zum Skifußball gezwungen. Unsere Kandidaten haben nette Krankheiten wie Tinnitus oder Schnupfen. Die breite, dumme Masse hat nur wieder einmal alles mutwillig missverstanden.

Stermann: Wir fanden die Idee lustig, gegensätzliche Gruppen in einen Wettbewerb zu schicken – und sollte die Show fortgesetzt werden, könnten dann ja Obdachlose gegen Society-Reporter, Adelige gegen Arbeiter oder Asylbewerber gegen Polizisten antreten.

Grissemann und ich coachen jeweils ein Team, die Kandidaten müssen ulkige Spiele spielen und am Ende treten dann noch wir gegeneinander an.

Grissemann: Der aufmerksame Zuseher erkennt, dass das Konzept aus Formaten wie „Joko gegen Klaas“ und „Schlag den Raab“ zusammengeklaut ist. Das Fernsehen wird nicht neu erfunden – das einzig Neue ist, dass wir das Ganze moderieren. Aber das ist auch nicht unbedingt ein Plus ...

Joko, Klaas und Raab wirken etwas fitter als Sie ...

Grissemann: An diesem Punkt würde ich das Gespräch gern beenden. (lacht) Wir spielen ja nur das Schluss-Spiel, ansonsten moderieren wir oder lassen uns demütigen. Und dafür reicht unser Rest an Lebensenergie noch.

Glauben Sie an einen Erfolg?

Grissemann: Ich schätze, dass wir mit Schimpf und Schande weggejagt werden. Aber dann hätten wir unsere Pflicht erfüllt, Fernsehdirektorin Kathrin Zechner gezeigt, dass wir es nicht können – und könnten uns wieder in unsere Hundehütte schleichen.

Stermann: Sollte es entgegen unseren Vermutungen klappen, dann wäre die Show viermal im Jahr eingeplant. Das wäre also nicht so schlimm. Mein Problem ist nur, dass mir Wettbewerbe vollkommen egal sind – nicht die beste Voraussetzung, um eine Spielshow zu moderieren.

Bereiten Sie sich besonders auf die Show vor?

Stermann: Nein, gar nicht.

Grissemann: Ich schon.

Stermann: Was? Wie?

Grissemann: Ich werde drei Tage vor der Aufzeichnung keinen Alkohol trinken, weil ich sonst immer so stark schwitze. Das wäre mir unangenehm.

Das Gespräch führte Christiane Fasching

Tiroler Tageszeitung, Printausgabe vom Fr, 23.11.2012
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