29.11.2012, 11:33  Aktualisiert: 30.11.2012, 15:50 
„Thriller“

Die erfolgreichste Platte der Musikgeschichte wird 30

Kaum zu glauben, aber noch vor 30 Jahren standen Schwarze in der Popmusik nur in der zweiten Reihe. Der Durchbruch kam mit einer Platte, die zur Legende und zur erfolgreichsten der Musikgeschichte wurde: Vor 30 Jahren erschien Michael Jacksons „Thriller“.

New York – „It‘s close to midnight, and something evil‘s lurking in the dark...“, diese Zeilen kennt jeder und wem läuft es dabei nicht kalt über den Rücken?

„Egal wo wir sind, sei es Kairo, Abu Dhabi oder Shanghai - wenn es eine Disko gibt, spielen sie diesen Song“, sagte Musikproduzent Quincy Jones der „The Denver Post“ anlässlich des 30-Jahr-Jubiläums des Michael-Jackson-Albums „Thriller“.

Wenn von einer Platte weit mehr als 100.000 im Jahr verkauft werden, ist das ja bereits ein großer Erfolg. Aber wenn das eine 30 Jahre alte Platte schafft, ist das eine einzigartige Sensation. Das „Thriller“-Album war bahnbrechend für eine Epoche und ist die bislang erfolgreichste Platte der Musikgeschichte.

Quincy Jones und Jacko: professionell, aber nicht harmonisch

Der Erfolg war geplant. Jackson wollte nach seinem viel gelobten Album „Off the Wall“ von 1979 einen Nachfolger, bei dem „jeder Song ein Killer wird“. Wenn es stimmt, dass einsame und deprimierte Künstler die kreativsten sind, standen die Chancen gut: Als Jackson mit 21 volljährig wurde, war er schon längst ein Star, aber auch traurig und allein. Zudem war die Beziehung zu Musikproduzent Quincy Jones alles andere als harmonisch. Aber immer hoch professionell: Die Perfektionisten überarbeiteten jeden der neun Titel noch einmal und nahmen dafür zwei Monate Zeitverzug in Kauf.

Ein Durchstarter war „Thriller“ nicht. Denn die erste Single, „The Girl Is Mine“ mit Ex-Beatle Paul McCartney, war viel zu nett. „Billie Jean“ schlug dann voll ein und das rockige „Beat It“, mit Eddie Van Halen an der Gitarre, fegte durch alle Discos.

„Bei diesem Album wollte ich die Disko-Elemente weglassen, erklärte Jones. „Ich bewunderte die damals typische Disko-Musik, verstehen Sie mich nicht falsch. Ich dachte nur, dass es reicht. Wir mussten eine andere Richtung einschlagen.“

Und dann kam „Thriller“. Der Titel sollte „Starlight“ heißen, doch der andere Name passte viel besser. Dabei war es vor allem das Video, dreimal so lang wie der Song, der „Thriller“ zum Gesamtkunstwerk machte. Bis dahin waren die Musikvideos mal eben so abgedreht worden, in dem man die Bands in irgendwelche Kulissen stellte.

„Thriller“ war Kunst, aber Eltern protestierten

Bei „Thriller“ wurde hingegen mit John Landis der Regisseur von „Blues Brothers“ angeheuert. Den Monolog mit dem diabolischen Lachen am Schluss sprach Schauspiellegende Vincent Price. Es war vielleicht nicht schlüssig, dass den Zombies zwar Arme abfallen und Augen hervorquellen, sie aber trotzdem in perfekter Choreographie über den Friedhof tanzen. Aber was machte das schon? „Thriller“ war Kunst, war Revolution.

Obwohl besorgte Eltern wegen der fiesen Zombies protestierten, empfing US-Präsident Ronald Reagan den Sänger höchstpersönlich. Der Titel heimste nicht nur reihenweise Preise ein, sondern wurde gar als nationales Erbe in die Kongressbibliothek in Washington aufgenommen.

Selbst in der DDR gab es „Thriller“ - inklusive einer Stasi-Akte über den Sänger. Jacksons Album verkaufte sich nach Angaben seines Managements mehr als 100 Millionen Mal. Nach Schätzungen von Sony waren es zwar nur 55 Millionen, aber das war 2009 - vor Jacksons Tod. Danach stieg die Platte noch einmal hoch in den Charts ein und wird heute allein in den USA weit mehr als 100.000 Mal pro Jahr verkauft.

Musikwelt wurde revolutioniert

Aber „Thriller“ schaffte noch etwas anderes. Als erstem Schwarzen gelang es Jackson, in die von Weißen dominierte Welt der Musiksender einzudringen. MTV spielte das Video zuweilen zweimal die Stunde - bei 14 Minuten Länge. Man mag es heute kaum glauben, aber damals waren Schwarze in der Popmusik nur eine Randerscheinung. Lionel Richie, Prince, Billy Ocean, auch Whitney Houston und Irene Cara - das war alles nach „Thriller“.

Der 30. Geburtstag des Albums werde aber, so glaubt Quincy Jones, wird sang- und klanglos vorübergehen. „Es ist einfach nur tragisch, dass uns so jemand mit 50 Jahren verlassen musste“, bedauert er im Gespräch mit der „The Denver Post“. „Michael hatte alles: Talent, Anmut, Professionalität und Hingabe.“ (TT.com/dpa)

TT.com Michael Jackson
Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Do, 29.11.2012  11:33
aktualisiert: Fr, 30.11.2012  15:50
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