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Eurofighter-Geschäfte

Skurriler Wutauftritt in ZiB2: Stronach „brüllte“ Armin Wolf nieder

Wer es nicht gesehen hat, hat etwas verpasst: Frank Stronach sorgte am Donnerstag für einen denkwürdigen Auftritt in der ZiB2. Vehement bestritt er, dass Magna vom Eurofighter-Kauf profitiert habe. Er redet sich so in Rage, dass das Live-Interview mehrmals kurz vor dem Abbruch stand.

Wien, Innsbruck - Man wähnte sich im falschen Film oder in einem Kabarett. Wer am Donnerstag um 22 Uhr auf ORF2 die ZiB2 schaute, bekam ein TV-Interview der besonderen Art geboten.

Milliardär und Neo-Politiker Frank Stronach war zum Thema „Magna und die Eurofighter“ geladen und brachte Moderator Armin Wolf zum Verzweifeln. Schon nach wenigen Sekunden stand das Interview vor dem Abbruch. Stronach lieferte sich wilde Wortgefechte mit Wolf, wollte anfangs keine Fragen beantworten. Vor allem forderte er eine fünfminütige Redezeit, ohne unterbrochen zu werden. Weil ihm dies nicht gewährt wurde, wurde Stronach zunehemends lauter und wütender.

Zurück zum Anfang: Die gegenseitige Begrüßung verlief noch höflich. Armin Wolf stellte Stronach dann zu Beginn die „simple Frage“, ob der Magna-Konzern im Zusammenhang mit dem Eurofighter-Kauf irgendwelche Gegengeschäfte gemacht habe. Doch Stronach dachte nicht daran, eine Antwort zu geben. Er wollte eine Erklärung über seine Aussage 2007 im U-Ausschuss von einem mitgebrachten Zettel vorlesen. Armin Wolf versuchte ihn zu stoppen, doch Stronach redete immer weiter. Ihm hätte man fünf Minuten Redezeit versprochen - „ohne Beschneidung“. Das sei so ausgemacht gewesen, sein „Pressemann“ hätte dies mit der Redaktion verhandelt. Das sei die Bedingung für sein Kommen gewesen.

„Das ist unwahr“, konterte Wolf mehrmals. „Ihr Pressesprecher hat uns gesagt, Sie kommen nur unter der Bedingung, dass Sie eine vierminütige Erklärung zu Beginn abgeben können. Doch das haben wir abgelehnt. Wir haben gesagt, Sie können nur ein normales Interview in der ZiB2 haben, darauf hat Ihr Pressesprecher uns das Interview zugesagt“, erzählte Wolf.

„Das hat so keinen Sinn“

Nachdem sich Stronach weiterhin uneinsichtig zeigte, seinen „Vortrag“ fortsetzte und auf Wolfs Fragen einfach nicht eingehen wollte, drohte der ORF-Moderator nach 2:43 Minuten zum ersten Mal mit dem Abbruch des Interviews. „Das hat so keinen Sinn“.

Dann nahm Stronach doch Stellung und bestritt die Vorwürfe. „Magna hat in keiner Weise von dem Fighter-Deal profitiert“, versicherte Stronach. „Ich habe in keiner Art und Weise jemals mit EADS-Leuten gesprochen und ich habe nie verhandelt, wir machen keine Aufträge für die Flugzeugfirma. Sie haben uns einen Auftrag angeboten, ich habe abgelehnt. Weil wir sind nicht in der Rüstung tätig“, so Stronach wutenbrannt.

Wolf wiederholte noch einmal seine Frage vom Beginn der Sendung und wollte ein Ja oder Nein hören. „Wir haben damit nichts zu tun“, so ein erzürnter Stronach, der immer lauter wurde und eine Schimpftirade startete. Er wetterte gegen die Fehlinvestition der Politik und wehrte sich gegen die „Verleumdungen“. Er lasse sich nicht als Profiteur der Eurofighter-Geschäfte hinstellen.

Er betonte mehrmals, dass Magna in Österreich nur miminalen Profit mache. Im Ausland würde man viel mehr verdienen. „Ich habe in Österreich Fabriken gebaut, weil ich Österreicher bin“. Und: „Wir haben immer nur gegeben“, fühlt sich Stronach ungerecht behandelt.

„Politik wollte sich nur damit schmücken“

Er redete sich derart in Rage, dass ein fast schon verzweifelnder Armin Wolf keine weitere Fragen stellen konnte. So drohte dieser erneut nach etwa fünfeinhalb Minuten mit dem Abbruch des Interviews - mit kurzfristigem Erfolg. Auf die Frage, wieso der Magna-Konzern zahlreiche Aufträge über ein Volumen von 348 Millionen Euro beim Wirtschaftsministerium mit Unterschrift und Stempel bestätigt habe, antwortete Stronach: „Wir bekommen ständig Aufträge, wir beliefern die immer schon. Wir sind der größte Autobestandteilelieferer der Welt. Das hat nichts mit Gegengeschäften zu tun. Die Politiker wollten sich nur damit schmücken.“

Stronach blieb auch bei seinen Aussagen, nachdem er mit der Aussage einer Magna-Sprecherin konfrontiert worden war, das Unternehmen habe Gegengeschäfte nie bestritten. „Ich bin nicht zufrieden, wenn die Politik jetzt gesagt, Magna hat profitiert. Die wollen mich jetzt herstellen als Profiteur. Ich habe so viel investiert in Österreich.“ Er erwähnte erneut, dass seine Fabriken in Österreich „kaum Profit“ abwerfen würden. Aber nicht, weil die Arbeiter schlecht wären, sondern weil die Verwaltung in Österreich zu groß sei. Dabei bekam auch der ORF sein Fett weg, für den „die Bevölkerung 600 Millionen hergeben“ müsse.

Auf Wolfs Einwurf „Ich verstehe“ konterte Stronach erzürnt: „Aber von der Wirtschaft verstehst du nichts. Du musst einmal eine wirtschaftlich gesunde Frage stellen.“ Der ORF-Moderator konnte den 80-Jährigen danach nur stoppen, indem er ankündigte, bei weiteren Unterbrechungen „den Ton abzudrehen“.

Wolf: „Sie brüllen mich hier nieder“

Eine Frage zum Flug des damaligen Finanzministers Grasser zusammen mit Magna-Chef Siegfried Wolf mit einem Magna-Flieger in die EADS-Zentrale nach Bayern artete wieder in Wortgefechte aus, wodurch Armin Wolf beinahe schon resignierend meinte: „Ich will nicht mit Ihnen streiten.“

Stronach schimpfte schließlich wieder gegen den ORF, der als „Machterhalter“ diene und wetterte gegen den „Sumpf der Korruption“ und die „Freunderlwirtschaft“ in Österreich. Immer wieder versuchte Wolf, ihn zu beruhigen. „Herr Stronach, Sie sind immer so negativ. Sie brüllen mich hier nieder.“

Zum Ende des denkwürdigen „Interviews“ ließ sich der Milliardär eine Aussage bezüglich einer Kandidatur von Siegfried Wolf, Stronachs Wunschkandidat für den Kanzlerposten, entlocken: „Ich habe mit ihm gesprochen, er hat nicht Ja und auch nicht Nein gesagt“. (TT.com)