18.01.2013, 08:32  Aktualisiert: 18.01.2013, 08:49 
Indonesien

Ausnahmezustand in Jakarta, aber Überschwemmung geht zurück

Jakarta steht unter Wasser: Rund 100.000 Menschen sitzen in überschwemmten Wohngebieten, etwa 10.000 mussten flüchten. Vor allem die ärmsten Stadtbewohner sind davon betroffen.
Es trifft vor allem die Ärmsten: Im überfluteten Jakarta verlieren Slumbewohner an den Flüssen ihr ganzes Hab und Gut.
Foto: EPA

Jakarta - Nach den schweren Überschwemmungen in der indonesischen Hauptstadt Jakarta hat der Bürgermeister am Freitag den Ausnahmezustand erklärt. Damit können die Behörden Betroffenen schneller helfen. Das Wasser ging in mehreren Stadtteilen deutlich zurück, doch warnten Meteorologen vor neuen Wolkenbrüchen in den kommenden Tagen.

Mindestens fünf Menschen waren nach Angaben der Behörde für Katastrophenschutz ums Leben gekommen. Die Feuerwehr zählte auch mehrere Ältere und Kranke, die starben, weil sie nicht rechtzeitig behandelt werden konnten, zu den Opfern.

Mehr als 115.000 Menschen bereits betroffen

Gut 15.000 Menschen befanden sich am Freitag in Notunterkünften, weitere 100.000 harrten in oberen Stockwerken oder in der Nähe ihrer überfluteten Hütten und Häuser aus, um Plünderungen zu verhindern.

Militär und Polizei waren in Schlauchbooten unterwegs, um Menschen zu retten. Das Geschäftsviertel stand am Donnerstag stundenlang teils einen Meter unter Wasser. Der Verkehr brach zusammen, die Metropole kam praktisch zum Stillstand.

„Es ist alles hin“

„In meiner Hütte steht das Wasser drei Meter hoch“, sagt die Mutter eines Dreijährigen. Ihren Sohn, ihr Fernsehgerät, ihre Dokumente - das ist alles, was die 31-jährige Endah Riani retten konnte, als das Wasser kam. Die Überschwemmungen in der indonesischen Hauptstadt Jakarta haben ihr alles andere genommen.

„Es ist alles hin“, sagt die Hausfrau. Riani sitzt mit dem Dreijährigen unter einer notdürftig aufgespannten Plane an der Straße. Und wartet. „Hilfe haben wir noch keine bekommen. Vielleicht hat die Regierung Wichtigeres zu tun“, sagt sie. „Wir sind ja nicht die einzigen Opfer.“

Hochwasser trifft vor allem die Armen

In dem ärmlichen Viertel im Herzen der Millionenmetropole stehen Kühlschränke und Möbel an der höher gelegenen Straße aufgereiht. Jeder versuchte zu retten, was er konnte.

Kinder laufen herum und betteln jeden vorbeifahrenden nach ein paar Rupien an. „Vor sechs Jahren waren die letzten großen Überschwemmungen hier, seitdem war es gut. Wir wurden total überrascht“, sagt Tamimi Imran, der mit sieben anderen in einer 25-Quadratmeter-Hütte wohnte. „Das Wasser kam so schnell, wir hatten kaum Zeit, etwas in Sicherheit zu bringen.“

Steigender Meeresspiegel verschärft Problem

Jakarta wird jedes Jahr überschwemmt. Nach Weihnachten kommt der Monsun und bringt oft tagelang schwere Regenfälle. Die Großstadt zieht immer mehr Menschen an - mindestens zehn Millionen bis jetzt - und alles wird zubetoniert. Die Stadt liegt außerdem an der Nordküste der Insel Java weitgehend unter dem Meeresspiegel.

Ein Bürgermeister nach dem anderen verspricht, Abflusskanäle für Überschwemmungswasser zu bauen - bislang ohne Erfolg. Gerade angesichts steigender Meeresspiegel brennt das Problem unter den Nägeln.

Meteorologen haben schon Alarm geschlagen: Es dürfte in diesem Jahr noch schlimmer kommen. „Wir erwarten bis Ende Januar noch viel schwere Regenfälle, vielleicht sogar bis Mitte Februar - alle müssen sich darauf gefasst machen“, sagte Hariyadi, ein Sprecher der Meteorologiebehörde. (APA/dpa)

Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom Fr, 18.01.2013  08:32
aktualisiert: Fr, 18.01.2013  08:49
sperrstunde
Parship
Jobs
Unterkunftssuche
Panoramabilder
Panoramabilder
Panoramablick
Events · Kino · TV · Motor · Multimedia · Musik · Stars · Leben ·
AGB Kontakt Impressum