Dinkhauser lehnt Fusion mit „vorwärts Tirol“ ab
Politische Reaktionen
Tiroler VP: VP-Chef LH Günther Platter wünscht Dinkhauser für seine Gesundheit in der Zukunft alles Gute. Klubchef Josef Geisler merkte an, dass sich an der Konstellation für die Landtagswahlen nichts ändern wird: „Es treten nach wie vor mehr als zehn Listen gegen die Tiroler Volkspartei an. Für uns geht es um die Regierbarkeit Tirols.“
SPÖ: SPÖ-Chef LHStv. Reheis zeigt Verständnis für Dinkhausers Entscheidung. Für Geschäftsführerin Christine Mayr ist das Projekt „Liste Fritz“ gescheitert. Ihr Angebot: „Die politische Arbeit für eine solidarische und gerechte Gesellschaft wird von der SPÖ getragen und ist so eine Option für die Zukunft.“
Grüne: Die Grünen bedankten sich bei Dinkhauser für die „gute Zusammenarbeit“. Laut Landessprecherin Ingrid Felipe sind die Grünen für alle Dinkhauser-Wähler „die Alternative“.
FPÖ: Als Auffangbecken für Dinkhauser-Wähler sieht sich auch die FPÖ. FP-Chef Gerald Hauser lädt die ehemaligen Liste-Fritz-Wähler ein, „in Hinkunft den Weg für ein gerechtes Tirol mit uns zu gehen“.
„vorwärts Tirol“: Spitzenkandidat Lindenberger betonte, Dinkhauser habe sich stets für mehr Bürgerbeteiligung und Demokratie eingesetzt. „Beides Ziele, die unsere Bewegung vollinhaltlich unterstützt.“
Team Stronach: Für Obmann Hans-Peter Mayr hat Dinkhauser die hohen Erwartungen der Bürger nicht erfüllt, aber dazu beigetragen, das Politsystem aufzubrechen.
Von Peter Nindler
Innsbruck – Fritz Dinkhauser stockt, er kämpft mit den Tränen. Seit Wochen ist nichts mehr so, wie es früher war. Der langjährige AK-Präsident (1991 bis 2008) hat 2008 die ÖVP gespalten und wurde bei der Landtagswahl mit sieben Mandaten auf Anhieb zweitstärkste Kraft. Nach dem Konflikt mit Fritz Gurgiser und Thomas Schnitzer hat er die Spaltung seines eigenen Klubs überwunden, doch der plötzliche Tod seines logischen Nachfolgers Bernhard Ernst und seine eigenen gesundheitlichen Probleme haben viel verändert. „Es geht mir nicht gut“, erklärte er gestern. Zwölf Stunden vorher hat er dem Parteivorstand seinen Rückzug mitgeteilt. Er wird bei den Landtagswahlen nicht mehr antreten. Damit verliert das Bürgerforum/Liste Fritz nicht nur den Spitzenkandidaten, sondern auch sein Gesicht.
Das weiß auch Dinkhauser. Doch der Tod von Bernhard Ernst, seine angegriffene Gesundheit, enttäuschte Hoffnungen bei der Kandidatensuche, das Antreten der neuen bürgerlichen Partei „vorwärts Tirol“, mäßige Umfragewerte unter zehn Prozent sowie die Erkenntnis, dass er die 18,4 Prozent aus dem Jahr 2008 nicht mehr erreichen wird, beschleunigten den Abgang des Bürgerforum-Gründers. „Ich erwarte mir Zivilcourage und nicht nur Schulterklopfer. Aber zuletzt habe ich immer weniger Perspektiven gesehen“, erklärte Dinkhauser. Neben Dinkhauser machten im Parteivorstand dann auch noch LA Andreas Brugger und LA Gottfried Kapferer reinen Tisch. Sie treten bei der Landtagswahl ebenfalls nicht mehr an. Damit ist die Zukunft des Bürgerforums mehr als ungewiss. Dinkhauser gibt das offen zu, die Liste Fritz hat sich deshalb eine Nachdenkpause verordnet.
Klubchefin Andrea Haselwanter-Schneider betont jedoch gegenüber der TT, „dass so eine weitreichende Entscheidung nicht allein vom Parteivorstand getroffen werden kann“. Gestern wurden im Bürgerforum bereits Stimmen laut, die auf einen Sonderparteitag und auf eine Kandidatur drängen. Insgeheim hofft Dinkhauser noch auf einen Motivationsschub von den „Mutbürgern“ und Sympathisanten, „damit ich mein Baby nicht schweren Herzens weglegen muss“. Unabhängig davon, ob die Liste Fritz am 28. April antritt oder nicht, bleibt Dinkhauser noch Chef des Bürgerforums. Dass manches in den vergangenen viereinhalb Jahren nicht gelungen sei, nimmt Dinkhauser enttäuscht zur Kenntnis. „Wir haben aber auch einen Demokratieschub in Tirol ausgelöst.“
Den seit Tagen kursierenden Gerüchten über eine mögliche Fusion der Liste Fritz mit der vor einer Woche präsentierten Partei „vorwärts Tirol“ rund um die Innsbrucker Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer, Ex-LR Anna Hosp (VP) und Ex-LR Hans Lindenberger erteilt Dinkhauser eine Absage. „Eine Verschmelzung wird es nicht geben.“ Die Gespräche über ein gemeinsames Vorgehen waren vor wenigen Wochen gescheitert.
Die anderen Parteien rechnen bereits fix mit einem Aus des Bürgerforums. Das Buhlen um die Dinkhauser-Sympathisanten hat bereits begonnen.


Startschuss für neuen Landtag
