Diven, Paradiesvögel und wenig Politiker: Wien im Walzerrausch
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Dichtes Gedränge: Auf dem Wiener Opernball wurde bis zum Sonnenaufgang getanzt.
Foto: APA/HERBERT PFARRHOFER
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Wien – Keine Skandale und keine Fehltritte: Der 57. Wiener Opernball zeigte sich am Donnerstagabend so „brav“ wie selten zuvor. Der Veranstaltung hat das aber nicht geschadet, ganz im Gegenteil: Direktor Dominique Meyer nützte den Abend, um in unaufgeregter Art und Weise das Ensemble seines Hauses in den Mittelpunkt zu rücken.
Nach den Klängen von Bundes- und Europahymne zog das Jungdamen-und Jungherren-Komitee zur „Fächerpolonaise“ von Carl Michael Zieher in den Ballsaal ein. Danach stand die „Annen-Polka“ von Johann Strauß (Sohn), getanzt von Elevinnen und Eleven der Ballettschule der Staatsoper, auf dem Programm, gefolgt vom Walzer aus „Maskerade“ von Aram Chatschaturjan, der Polka Mazurka „Fata Morgana“ und der Polka francaise „Kreuzfidel“, beide von Strauß (Sohn), choreografiert von Albert Mirzoyan und dargeboten von den Stars des Staatsballetts.
Peter Schneider vertrat den erkrankten Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst als Dirigent des Staatsopernorchesters. Die musikalischen Glanzstücke waren die Auftritte der Publikumslieblinge Valentina Nafornita und Adam Plachetka. Die aus Moldawien stammende Sopranistin gab „Quando M‘en Vo“ aus der Puccini-Oper „La Boheme“ zum Besten, der junge tschechische Bass-Bariton „Fin Ch‘han Dal Vino“ aus der Mozart-Oper „Don Giovanni“. Gemeinsam sangen sie das Liebeslied „Lippen schweigen“ aus der Lehar-Operette „Die lustige Witwe“.
„Braver“ Ball rückte Künstler in den Mittelpunkt
Spannung wie selten zuvor aus diesem Anlass herrschte während der von den Debütanten getanzten Schnell-Polka „So ängstlich sind wir nicht“, ebenfalls von Strauß (Sohn). Die von der Kärntner Tanzlehrerin Iris Huber rasant choreografierte Eröffnung hatte das Jungdamen- und Jungherren-Komitee bei den Proben hart beansprucht. Dem Motto des Stücks gemäß meisterten die 144 Paare, darunter Jennifer Lafer, die Tochter von Fernsehkoch Johann Lafer, Milliardärssohn Gianni Stumpf-Schalko und SCS-Erbe Johannes Dujsik, ihre Aufgabe aber schlussendlich ohne große Patzer, ehe es anlässlich des Strauß-Stücks „An der schönen blauen Donau“ endlich von den Künstlern hieß: „Alles Walzer.“
Bei der Eröffnung kam es allerdings zu einer dramatischen Szene. Eine Debütantin verlor kurzfristig das Bewusstsein und kippte ohnmächtig zusammen. Direktor Meyer und einige Sanitäter kamen der jungen Frau sofort zur Hilfe, kurze Zeit später lächelte sie wieder.
Bundespräsident Heinz Fischer und seine Frau Margit - in einer violett glitzernden Robe - vertraten beim Opernball das „offizielle“ Österreich, das sich heuer eher rarmachte, denn verhältnismäßig wenige Minister nahmen am Fest teil. Fischer gefiel die diesjährige, flotte Eröffnung: „Ich glaube, es war sehr gut gemacht.“ Ein Vergnügen, dem normalerweise die Ballgäste frönen, nämlich das Tanzen, ist allerdings nicht das Seine: „Ich bin am neunten Opernball und habe noch nie getanzt.“ Auf Nachfrage, ob seine Frau nicht unglücklich über diesen Umstand sei, antwortete er schmunzelnd: „Meine Frau ist zufrieden mit mir.“ Fischer hatte dieses Jahr keinen Gast in seiner Loge: „Wir wollen das nicht zur Automatik machen.“ Im Vorjahr war sein Gast UN-General Ban Ki-moon. Im nächsten Jahr werde er wieder überlegen, wer kommen soll.
Organisatorin verlor Ohrringe
Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) drehte im Gegensatz zu Fischer gleich mehrere Runden im Ballsaal: „Ich habe mit der Frau von Miroslav Lajcak (slowakischer Außenminister, Anm.) getanzt und natürlich auch mit meiner Frau“, erzählte er gut gelaunt. Die Stimmung am Ball sei vorzüglich, die Eröffnung habe im sehr gut gefallen: „Die vielen jungen Paare haben sich aus meiner Sicht exzellent geschlagen.“ Zudem würden die Jungdamen- und -herren von ihrem Auftritt sogar etwas fürs Leben mitnehmen, nämlich: „Zuversicht, dass man etwas gut bewältigt, wenn so viele Menschen zusehen.“
Weiters besuchte der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) mit Bukarests Bürgermeister Sorin Oprescu den Ball. Außerdem feierten Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ), Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ), Staatssekretär Josef Ostermayer (SPÖ) sowie Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP). Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) ließ die Veranstaltung heuer aus. Er befindet sich gerade in Brüssel, wo über das EU-Budget verhandelt wird.
Ein kleines Missgeschick passierte Organisatorin Desiree Treichl-Stürgkh am Red Carpet: Als sie den Bundespräsidenten und seine Ehefrau begrüßte, verlor sie einen ihrer Ohrringe. Das Staatsoberhaupt half beim Suchen, das edle Stück wurde rasch gefunden. Für das Gruppenfoto mit Operndirektor Dominique Meyer saß alles wieder perfekt.
Dem wahren „Mastermind“ des Opernballes wurde bei dem Fest offizielle Ehren zuteil: Walter Renner, der seit 30 Jahren hingebungsvoll die Logistik des Balles organisiert, wurde von Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) das Golde Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. (APA)
aktualisiert: Fr, 08.02.2013 06:50




