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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 26.02.2013

„Harlem Shake“ der FW Schwaz

Kalte Dusche für heißen Tanz

Mit einem ausgelassenen Tanzvideo sorgt die Schwazer Feuerwehr derzeit im Internet für beste Unterhaltung. Die Chefetage will nicht Schritt halten und kritisiert die Aktion.

Von Katharina Zierl und Christoph Mair

Innsbruck, Schwaz – 30 Sekunden. Volles Programm. Einer tanzt im Plüschanzug auf der Baggerschaufel, ein anderer zappelt rhythmisch an einem Gurt hängend. Masken, Kostüme, Feuer, Wasser – was die Schwazer Feuerwehrmänner auf die Beine stellten und auf einem Video verewigten, wurde auf der Internetplattform Youtube bis gestern über 27.000-mal angeklickt. Über die Resonanz sind selbst die Florianijünger aus Schwaz überrascht. Auf der ganzen Welt werden seit Monaten so genannte „Harlem Shakes“ dieser Art veröffentlicht (siehe links).

Etwas mehr als nur überrascht war die Führung des Feuerwehr-Landesverbands angesichts der ausgelassenen Darbietung der Schwazer. „Das ist nicht das Bild, das wir vermitteln wollen. Ich stehe absolut nicht dahinter. Was soll das, wenn die Feuerwehrmänner da herumspringen wie die Geißböcke?“, macht etwa Peter Hölzl, stellvertretender Landeskommandant seinem Ärger Luft. Bei der Feuerwehr, fügt er hinzu, hätte man andere Aufgaben.

Ähnlich äußert sich Landeskommandant Klaus Erler zur „Causa Harlem Shake“: „Da jammern immer alle, dass sie so viel zu tun haben. Aber für so eine Aktion ist offenbar schon genug Zeit da.“ Konsequenzen werde es für die Dancing Stars der anderen Art keine geben: „Was soll ich tun? Bestrafen werde ich sie ja schlecht können“, sagt Erler. Es sei ja „kein Drama“, aber eben nicht erwünscht. „Künftig sollten derartige Aktionen unterlassen werden“, erklärt der Landeskommandant.

Die kreativen Schwazer Feuerwehrleute lässt die Kritik kalt. „Das ist doch harmlos“, wundert sich Hilmar Baumann, stellvertretender Kommandant und einer der Initiatoren. „Nörgeln ist einfach, aber bei Wind und Wetter mitten in der Nacht für einen Einsatz aufzustehen, ist es nicht immer“, richtet er den Kritikern aus.

Der Harlem Shake sei spontan nach Vorbild anderer Videos entstanden, sagt Baumann. Der Feuerwehralltag sei ernst genug. „Da wollten wir einmal etwas Lustiges machen.“ So habe sich ein Zug der Feuerwehr (30 Mann) einen knappen Tag Zeit genommen, um sich in Szene zu setzen. Hinter seinen Männern steht auch der Schwazer Feuerwehrchef Karl Rinner­gschwentner. Die ganze Aktion sei mit ihm abgesprochen gewesen und großteils sei dafür ausgeschiedenes Material (z. B. der Schutzanzug) verwendet worden. Dass die Feuerwehr-Landesspitze die Stirn runzelt, nimmt Rinnergschwentner zur Kenntnis, auch wenn er nicht weiß, warum: „Das ist eine lustige Parodie, nichts Anstößiges.“