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Musik

David Bowie feiert „das größte Comeback der Rock-Geschichte“

Englische Kritiker sind bereits voller Euphorie: Die ersten beiden Singles von David Bowies neuem Album rechtfertigen Aufregung und heizen Spekulationen über eine Welttournee an.

London – Die Rückkehr von David Bowie nach einer zehnjährigen Auszeit ist „das größte Comeback der Rock-‘n‘-Roll-Geschichte“. So urteilte zumindest laut Nachrichtenagentur Reuters der englische Journalist Andy Gill von der Tageszeitung „The Independent“. Aber auch seine Kollegen, die das am 8. März in Österreich erscheinende Album „The Next Day“ (Sony) des Pop-Chamäleons bereits gehört haben, überschlagen sich mit Lob. Die beiden im Voraus ausgekoppelten Singles rechtfertigen die Aufregung.

Nach dem sentimental-düsteren „Where Are We Now?“, überraschend zu Bowies 66. Geburtstag über das Internet publik gemacht, wurde am Dienstag das flotte „The Stars (Are Out Tonight)“ veröffentlicht. Bowie spielt im Video-Clip an der Seite von Oscar-Preisträgerin Tilda Swinton gewohnt gekonnt mit seinem Image. Auf der LP werden insgesamt 14 Songs zu finden sein, produziert wurde es von Tony Visconti, einem langjährigen kreativen Partner des Sängers.

„Heroes“ überarbeitet

Das Cover der Platte ist eine überarbeitete Version der legendären Hülle des „Heroes“-Albums von 1977. In den Liedern gibt es immer wieder Verweise bzw. Anspielungen an die Vergangenheit des Musikers. Kritiker Alexis Petridis von „The Guardian“ betonte in seiner Besprechung die Vielzahl an großartigen Kompositionen, trotz der lyrischen Dichte sei es ein pures Vergnügen, die Platte durchzuhören. Neil McCormick vom „Telegraph“ verglich das Werk mit einem „elektrischen Blitz durch seinen (Bowies, Anm.) Mythos“.

Bereits vorgespielt wurde das von Fans sehnsüchtig erwartete Album auch Ralf Niemczyk vom deutschen „Rolling Stone“. Online schrieb er: „Nüchtern betrachtet lässt sich nach einmaligem Abhören am Konferenztisch in einem Berliner Hinterhof-Büro sagen: ‚Where Are We Now?‘ ist der prägnanteste Song. Die restlichen 13 Stücke des regulären Albums (die Schmuckausgabe hat drei Bonustracks mehr) sind düster bis selbstreferenziell.“

Viel Arbeit für Fans und Forscher

Als Schlüsseltracks wurden in den bisherigen Rezensionen vor allem die Songs „Valentine‘s Day“, „Dancing Out In Space“ und „You Feel So Lonely You Could Die“ ausgemacht. Musikwissenschafter und Bowie-Forscher haben wohl viel Arbeit vor sich, wenn es darum geht, herauszuhören, wo der Popstar bei sich selbst nach Inspirationen gesucht hat. Es passt perfekt zu David Bowie, bei einem Altersmeisterwerk sich selbst immer wieder zu zitieren, und dabei aufregend und frisch zu klingen. Erstaunlich auch, dass man anno 2013 im Popbusiness ohne Interviews und quasi aus dem Nichts für so viel Aufregung sorgen kann.

Bleibt nur die Frage, ob der ewige „Thin White Duke“ nach einmal auf Tournee gehen wird. Sein Gitarrist Gerry Leonard bezifferte gegenüber dem „Rolling Stone“ die Chancen mit 50 zu 50. Andere Quellen schlossen „einzelne Auftritte“ nicht aus.

David Bowie ist jedenfalls wieder da. Man hat ihn vermisst. Vor zehn Jahren war mit „Reality“ das bisher letzte Studioalbum erschienen, 2006 sang er – im Rahmen einer Wohltätigkeitsveranstaltung in New York als Gast – zum letzten Mal auf einer Bühne. 2004 war der Brite am Herzen operiert worden.