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Angelus-Gebet

Franziskus‘ erstes Angelus-Gebet: Massenansturm auf Petersplatz

Franziskus rief die Menschen auf, barmherzig zu sein und anderen zu verzeihen. „Ein bisschen Barmherzigkeit verändert die Welt, macht sie weniger kühl und gerechter.“

Vatikanstadt – Vier Tage nach seiner Wahl zum Papst hat Franziskus vor Hunderttausenden jubelnden Gläubigen sein erstes Angelus-Gebet gesprochen. Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio, der am vergangenen Mittwoch zum Nachfolger von Benedikt XVI. gewählt worden war, zeigte sich erstmals am Fenster im dritten Stock des Apostolischen Palastes und grüßte die begeisterte Menschenmenge, die Gruß-Transparente und Fahnen schwenkten. „Dieser Platz hat die Dimension der Welt“, sagte der Argentinier. Die riesige Menschenmenge reagierte mit Applaus auf seinen Gruß, schwenkte argentinische Fahnen und skandierte den Namen des Pontifex: „Francesco, Francesco!“.

In seinen Worten an die Pilger hob der Papst die „unendliche Geduld Gottes“ mit den Menschen hervor. „Gott hat große Barmherzigkeit und große Geduld mit jedem von uns“, sagte der Heilige Vater. „Der Vater wird nie müde, uns zu verzeihen. Das Problem ist, dass wir ihn nicht genug um Verzeihung bitten“, sagte der Papst. „Ein wenig Barmherzigkeit ändert die Welt. Dadurch wird sie weniger kalt und gerechter“, sagte der Papst. Er zitierte ein Werk des deutschen Kardinals Walter Kasper „Barmherzigkeit“. „In diesen Tagen habe ich das Werk von Kardinal Kasper, einem sehr guten Theologen, gelesen. Dieses Buch hat mir sehr gut getan. Ihr dürft aber nicht glauben, dass ich Werbung für die Bücher der Kardinäle mache“, scherzte der Papst.

Zur Barmherzigkeit aufgerufen

Der Heilige Vater dankte den Pilgern für die Warmherzigkeit, mit der sie seine Wahl aufgenommen haben. Er berichtete, er habe den Namen des Heiligen Franz von Assisi gewählt, der auch Schutzpatrons Italiens sei. Dies stärke seine Beziehung zu Italien, dem Land, aus dem seine Familie stamme. Christus habe die Gläubigen jedoch aufgerufen, Mitglied einer größeren Familie zu werden, der Familie der Kirche.

Zuvor hatte Bergoglio eine Messe in der Vatikan-Kirche Sant‘Anna gefeiert und in seiner Predigt zur Barmherzigkeit aufgerufen. Die kleine Gemeindekirche auf Vatikan-Gebiet wird von Angestellten des Kleinstaates besucht. Der Gottesdienst war von einer familiären Atmosphäre geprägt, Kinder und Jugendliche waren in die Gestaltung der Feier einbezogen und trugen die Fürbitten vor. Nach der Lesung des Johannes-Evangeliums hielt Franziskus in freier Rede eine Predigt, in der er die Barmherzigkeit, die in der Geste Jesu gegenüber der Ehebrecherin deutlich wird, als die zentrale Botschaft Gottes hervorhob.

Nach dem Gottesdienst konnten die anwesenden Gläubigen Franziskus vor der Pfarrkirche einzeln begegnen. Anschließend trat der Papst auch an die Absperrungen, wo er von zahlreichen Menschen auf der Straße erwartet wurde. Der Heilige Vater schüttelte Hände und wechselte Worte mit den begeisterten Pilgern.

Amtseinführung am Dienstag

Tausende Pilger hatten schon seit dem frühen Sonntagvormittag begonnen, zum Angelus-Gebet in Richtung Vatikan zu strömen. Die Behörden der italienischen Hauptstadt hatten schärfste Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Mehr als 1.000 Sicherheitskräfte, darunter auch Scharfschützen, sollen zum Einsatz kommen. Straßen rund um den Kirchenstaat werden für den Verkehr gesperrt, der öffentliche Nahverkehr wird verstärkt. Für zusätzliches Chaos sorgte ein Marathon, an dem sich 14.000 Sportler beteiligten und vom Kolosseum startete. Ganze Teile der Innenstadt wurden deswegen abgesperrt.

Der Rummel wird auch in den nächsten Tagen anhalten. Am Montag will Franziskus in seiner derzeitigen Residenz Santa Marta die Staatschefin seines Heimatlandes Argentinien, Cristina Kirchner, treffen. Mit Staatsgästen aus aller Welt und einer Million Pilgern rechnet Rom am Dienstag zur feierlichen Amtseinführung des Papstes. 180 Delegationen mit Staats- und Regierungschefs wollen am Einführungsgottesdienst für Franziskus auf dem Petersplatz teilnehmen. Aus Österreich werden Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler Werner Faymann (S) und Außenminister Michael Spindelegger (V) zu der Zeremonie anreisen. (APA)