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Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 24.03.2013

Imster Palmlatten neigten das Haupt zu tief

Spannend wie noch nie gestaltete sich das Palmlattentragen gestern in Imst: Vier Latten brachen, nur die zwei kleineren kamen ungeschoren davon.

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Von Renate Schnegg

Imst – Gestern wurde im ganzen Land der Palmsonntag in Erinnerung an den Einzug Jesu Christi in Jerusalem gefeiert. So auch in Imst, das nicht nur Bezirkshauptstadt, sondern auch Hochburg der Traditionen ist: Neben dem Schemenlaufen gehört das Palmlattentragen bei der Prozession zum fixen Bestandteil, auf den vor allem Buben und Burschen, aber auch deren Väter hinfiebern.

Die Imster Palmlatten sind in mehrerlei Hinsicht einzigartig: Sie sind so lang, wie sonst kaum irgendwo, der Rekord liegt derzeit bei rund 36 Metern. Außerdem ist der Zwift, der oberste Abschnitt der gewaltigen Latte aus Haselnuss, gebogen: aus Ehrfurcht vor Jesus Christus.

Und die Palmlatten bei der Prozession nur mitzutragen, ist zu wenig – sie müssen es aushalten, drei Mal senkrecht aufgestellt zu werden: das erste Mal vor der Pfarrkirche, bevor die Messe beginnt; das zweite Mal bei der Pestkapelle am Bergl, bevor der Pfarrer dort eintrifft; das dritte Mal wieder vor der Pfarrkirche – jedes Mal ein Kraftakt für Mensch und Material.

Letzteres wollte gestern nicht so recht mitspielen: Vier der sechs Latten brachen, die Baggerlatte vom Eichenweg ebenso wie die Bäcklatte, jene der Roller und Scheller sowie der Gruppe Zebisch. Ein Raunen ging durch die vielen Zuschauer, „so viele gebrochene Latten weiß ich noch nie“, meinte ein alter Imster. Nur die Latte der Gruppe Robert Mayr sowie die Spitzäckerlatte hielten den Belastungen der enormen Hebelkräfte stand. Diese etwas kürzeren Latten schafften außerdem den traditionellen Prozessionsweg übers Bergl, die vier langen Latten mussten den weniger kurvigen Weg aus der Gegenrichtung nehmen.

Besonders spannend machten es heuer Bäck- und Baggerlatte: Sie waren nach dem zweiten Aufstellen auf den Zentimeter gleich lang. Aber die Baggerlatte brach beim dritten Aufstellen, ebenso die Bäcklatte, die schon an der Halterungsvorrichtung bei der Pfarrkirche lehnte, als plötzlich die Spitze mit einem berstenden Krachen abbrach. Flugs holten die Burschen und Männer rund um Emil Berktold das Werkzeug hervor, schifteten die Latte, stellten sie wieder auf – und holten doch noch den Sieg. „Vorher hatte sie genau 34 Meter, jetzt werden es um die 33 Meter sein. Ein Unentschieden mit der Baggerlatte wäre aber auch super gewesen“, frohlockte Berktold.

„Platz zwei geht an die Roller-Scheller-Latte, Platz drei an die Gruppe Zebisch, den vierten Platz holte die Gruppe Robert Mayr, Platz fünf die Spitzäckerlatte, der Baggerlatte blieb Platz sechs. Nächstes Jahr geht der Wettstreit von vorne los.

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