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Wien-Konzert

Justin Bieber als „King of Pop 2.0“ in der Wiener Stadthalle

Der Pop- und Social-Media-Star aus Kanada beglückte seine „Believer“ mit einer abwechslungsreichen Show.

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Von Andreas Westphal

Wien - Justin Biebers erster Wien-Auftritt hat am Karsamstag das Kreischen zurück nach Wien gebracht. Der 19-jährige Superstar konnte in einer bis zum letzten Platz ausverkauften Stadthalle seine mehrheitlich weiblichen Fans - „Believer“ genannt - mit einem rund 90 Minuten langem Gig beglücken. Die Anwesenheit des „King of Pop 2.0“ ließ eine Hysterie entstehen, die man in der Bundeshauptstadt seit dem ersten Tokio-Hotel-Konzert vor sieben Jahren nicht mehr erlebt hat. Wie damals brauchten auch am heutigen Abend wieder zahlreiche Fans ärztliche Versorgung - diesmal waren es 178.

Kreischen im Minutentakt

Ein Countdown auf dem Bühnen-Screen kündigte gegen 21.00 Uhr endlich das Erscheinen des Pop- und Social Media-Stars an. Das baldige Kommen des Kanadiers, der seinen Affen Mally in Deutschland lassen musste, sorgte bei den über 14.000 Fans für Kreischen im Minutentakt. Dann kam er mit überdimensionierten Flügeln herangeschwebt und „All Around The World“ vom neuen, dritten Album „Belive“ machte den Beginn - ein kleines Feuerwerk an der Decke heizte die Stimmung noch mehr an.

Die Bühne war dabei mehrstöckig angelegt. Anfangs weilte die Band im ersten Stock, während Bieber zusammen mit sechs Tänzern darunter seine Show abzog. Selbst das Abnehmen seiner Sonnenbrille ließ die Fans Kreischen. Die „Believer“ waren etwa in seinem Alter - das Motto des Abends lautete „Vom Teenager für Teenager“. Geboten bekam man einen bunten Mix vom Großraum-Discostampfer bis zum souligen Schmusesong, wobei Live-Gesang nur bei den langsamen Nummern eindeutig auszumachen war.

Vier Umbaupausen

Eine ganz perfekte Sangesstimme hat Bieber zwar nicht, doch daraus macht er kein Geheimnis. Das Softwareprogramm „Melodyne“ lässt ihn auf den Alben besser klingen, verriet er im Vorjahr in einem Interview mit dem „Q Magazine“. Aber ein übler Sänger ist der 19-Jährige nicht, was er gestern bei Nummern wie „Be Allright“ oder „Fall“ unter Beweis stellte. Während diesem Akustikteil in der zweiten Hälfte griff er sogar einmal selbst zur Gitarre.

Die Zuschauer - nicht wenige verfolgten das Konzert über ihr Smartphone-Display - sollten Bieber in vielen Rollen erleben, ob als schmachtenden Jüngling oder als lasziven Party-Boy. So wurde der Gig auch in vier, von kurzen Umbaupausen unterbrochenen Teilen serviert. Diese taten den Fans gut, denn so mancher jugendliche Kreislauf hielt dem „Bieber-Fieber“ nicht stand. 178 Versorgungen verzeichnete der Arbeiter-Samariter-Bund am Samstagabend insgesamt, doch keine schwerwiegenden Fälle. Nur eine Person musste wegen einer Erkrankung ins Spital.

Perfekt durcharrangierte Show

Das letzte Viertel begann mit „As Long As You Love Me“. Bieber zeigte seinen dauerfanatischen Anhängern bis zum Schluss, dass er ein guter Entertainer ist. „Schlechte Neuigkeiten“ kündigte er dann an, denn mit „Believe“ war dann erst einmal Schluss. Kurz vor der Zugabe gab es Justin am weißen Piano samt viel Lasertechnik und einem fetten Gitarrensolo zum Abschied. Zwei Zugabesongs und Biebers entblößter Oberkörper standen noch auf dem Programm, das mit einem „Baby“ ihr Ende fand.

Die Bieber-Bilanz danach fiel positiv aus. Seine Fans bekamen eine ziemlich perfekt durcharrangierte Show geboten, die frei von Hängern war. Seine Mitstreiter, ob tanzend oder musizierend, unterstützten seine Präsenz, und Bieber selbst zeigte sich auf der Bühne als Profi - einer Konzertabsage in Portugal und mancher, medial verbreiteter Eskapade zum Trotz. Biebers Karriere, die 2007 begann, scheint noch lange nicht zu Ende. (Andreas Westphal arbeitet für die Austria Presse Agentur.)

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