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Der Vater aller Superhelden: 75 Jahre Superman

Mit riesigen Kräften und blendendem Aussehen wurde Superman zur kulturellen Ikone Amerikas. Schon das erste Heft vor genau 75 Jahren verkaufte sich rasant.

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Von Christina Horsten

New York – Das große grüne Gangster-Auto wirkt plötzlich federleicht. Superman hat es hochgehoben und rammt es gegen einen Felsen, sein roter Umhang flattert dabei im Wind. So präsentierte sich der wohl erste Superheld der Comicgeschichte am Donnerstag (18. April) vor genau 75 Jahren dem amerikanischen Publikum. Schon die erste Ausgabe der Reihe „Action Comics“ hievte der blendend aussehende Hüne mit seinen Superkräften zu riesigem Verkaufserfolg. 10 Cents kostete das 64-seitige Heft 1938, damals der Gegenwert von knapp vier Litern Benzin oder einem Brot. Nach mehr als sieben Jahrzehnten Erfolgsgeschichte wurde ein besonders gut erhaltenes Exemplar 2011 für mehr als zwei Millionen Dollar versteigert.

Dabei sollte Superman eigentlich kein Superheld, sondern ein Superbösewicht werden. Die beiden Teenager und Science-Fiction-Fans Jerry Siegel und Joe Shuster, die sich in der Schule im US-Bundesstaat Ohio kennenlernten, dachten sich den Muskel-Mann mit dem blauen Anzug gemeinsam aus. Angeblich brachte dann der Tod von Siegels Vater bei einem Raubmord die Wende - und aus dem Superschurken wurde doch lieber ein guter Superheld mit Superkräften: Extreme Schnelligkeit und Stärke, Unverwundbarkeit, feines Gehör, Röntgen-Blick, ein fotografisches Gedächtnis und die Fähigkeit, zu fliegen.

Eine komplette Biografie erfanden Siegel und Shuster für ihren „Mann aus Stahl“. Geboren als Kal-El auf dem Planeten Krypton schickt ihn sein Forscher-Vater in einer Rakete zur Erde, um ihn vor der nahenden Zerstörung Kryptons zu schützen. Superman landet zufällig im US-Bundesstaat Kansas, wird von einem kinderlosen Ehepaar aufgenommen und großgezogen und wächst als Clark Kent auf. Später arbeitet er bei der Zeitung seiner Heimatstadt Metropolis, getarnt als braver und bebrillter Lokalreporter, der aber sofort als Superman zur Stelle ist, wenn irgendwo Unrecht und Verbrechen geschieht.

Nach vielen Absagen greift ein Verlag zu und veröffentlicht die erste Superman-Geschichte im Band „Action Comics #1“ mit einer Auflage von 200 000 Exemplaren. Schon das erste Heft wird ein Renner. Bald werden eigene Superman-Comics hergestellt, es folgen Hollywood-Filme und Fernsehserien. Superman wird zur amerikanischen Ikone, aber der klassische Comic-Markt bröckelt immer mehr weg. Die Erfinder Shuster und Siegel sterben in den 1990er Jahren nach jahrzehntelangen Gerichtskämpfen um die Rechte an der Action-Figur. Ihre Nachfolger machen aus dem Reporter Clark Kent im vergangenen Jahr schließlich einen Blogger - ein Versuch, sich dem Geist der Zeit anzupassen und Leser zu locken und zu halten.

Bleibt die Frage, wen Siegel und Shuster als Vorbild für Superman im Kopf hatten. Klassische Helden wie Herkules und Samson hätten eine Rolle gespielt, sagte Larry Tye, der ein Buch über den Vater aller Superhelden geschrieben hat, der „New York Times“. Auch einige Sketche von einer zufälligen Bekanntschaft Shusters seien erhalten geblieben. Shuster, der hauptsächlich für das Zeichnen zuständig war, habe den Mann auf der Straße angesprochen und sein Gesicht als Vorbild für die Superman-Comics benutzt. Und Shuster habe auch nicht zuletzt sich selbst im Sinn gehabt. „Was er gesagt hat war, dass er in den Spiegel geschaut hat und wenn er Clark Kent und Superman gezeichnet hat, dann war das, was er gesehen hat.“ (Christina Horsten arbeitet für die Deutsche Presse Agentur.)

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