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London

Öffentlichkeit und Familie nehmen Abschied von Margaret Thatcher

Margaret Thatcher war eine der prägenden politischen Gestalten im Europa der 1980er Jahre. Mit militärischen Ehren wurde ihr am Mittwoch eine große Trauerfeier bereitet. 2000 Gäste aus 170 Ländern waren dabei.

London – Mit großem Zeremoniell und militärischen Ehren hat Großbritannien am Mittwoch seiner früheren Premierministerin Margaret Thatcher die letzte Ehre erwiesen. Der in eine britische Fahne eingehüllte Sarg mit den sterblichen Überresten der ehemaligen Regierungschefin wurde zunächst vom Parlamentsgebäude im Regierungsviertel Westminster in einem schwarzen Leichenwagen - vorbei an der Downing Street - in die Innenstadt gebracht. Dort wurde er auf einen offene Geschützlafette umgebettet.

Unter den Augen Tausender Schaulustiger begleiteten 700 Soldaten - darunter Veteranen des Falkland-Kriegs von 1982 - den Sarg in die St Paul‘s Cathedral im Osten der Innenstadt. Dort feierten mehr als 2.000 Gäste aus 170 Ländern unter Leitung des anglikanischen Londoner Bischofs Richard Chartres den Trauergottesdienst. Unter den Gästen waren auch Queen Elizabeth II. und ihr Gemahl Prinz Philip. Neben dem aktuellen britischen Premierminister David Cameron kamen auch alle seine noch lebenden Amtsvorgänger: John Major, Tony Blair und Gordon Brown.

Unter den ausländischen Gästen befanden sich die ehemaligen US-Außenminister Henry Kissinger, George Shultz und James Baker. Thatcher pflegte außenpolitisch enge Partnerschaft mit den USA und war mit dem damaligen US-Präsident Ronald Reagan befreundet. Auf TV-Live-Bildern der BBC waren u.a. auch der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban, wie Thatcher ein rechtskonservativer Politiker, der frühere polnische Arbeiterführer und spätere Präsident Lech Walesa sowie der ehemalige südafrikanische Präsident Frederik Willem de Klerk, wie Walesa ein Friedensnobelpreisträger, zu sehen. Österreich war durch Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger (V) vertreten, Deutschland durch Außenminister Guido Westerwelle.

Premierminister David Cameron verteidigte in der BBC das Ausmaß der Trauerfeierlichkeiten für Thatcher, die am Montag vergangener Woche im Alter von 87 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben war. „Für eine Premierministerin ihrer Statur ist das sehr passend“, sagte er.

Zwar bekommt Thatcher streng genommen kein Staatsbegräbnis. Eine ähnlich prächtige, nicht-royale Trauerfeier wurde aber zuletzt dem legendären früheren Premierminister Winston Churchill, der das Vereinigte Königreich im Zweiten Weltkrieg führte, zuteil. Auch das Schweigegebot für die Glocken des Big Ben galt in dieser Form zuletzt vor 48 Jahren.

Über die auf bis zu zehn Millionen Pfund (11,72 Mio. Euro) geschätzten Begräbniskosten wird in Großbritannien heftig diskutiert. Baroness Thatcher, die am 8. April im Alter von 87 Jahren gestorben war, ist in ihrem Heimatland bis heute extrem umstritten. In ihrer Amtszeit der Jahre 1979 bis 1990 setzte die konservative Politikerin gegen den Widerstand der damals mächtigen Gewerkschaften einen rigiden Reformkurs durch, ließ Staatsbetriebe privatisieren und die Staatsausgaben senken. Kritiker sind deshalb empört, dass ausgerechnet die Verfechterin des freien Markts und der Zurückdrängung des Staates ein pompöses Quasi-Staatsbegräbnis auf Kosten der Steuerzahler bekommt. An manchen Stellen in London, wo Proteste heute erlaubt waren, gab es diese auch, nachdem es gleich nach ihrem Tod sogar einzelne Freudenfeiern gegeben hatte. Außenpolitisch wird Thatcher vor allem ein Beitrag zum Fall des Eisernen Vorhangs attestiert, weswegen sie in früheren Ostblockstaaten Ansehen genießt.

Thatchers Leichnam wird nach der Trauerfeier eingeäschert und in London beigesetzt. An der Spitze ihrer Familie nahmen ihre beiden Kinder Mark und Carol Abschied von ihrer Mutter. Mark Thatcher war vor einigen Jahren beschuldigt worden, in einen Putschversuch 2004 in Äquatorialguinea verwickelt gewesen zu sein. Er bekannte sich in Südafrika vor einem Gericht schuldig, unwissentlich mitgeholfen zu haben, den Putsch zu finanzieren und wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Margaret Thatchers Ehemann Denis, ein Öl-Unternehmer, war vor knapp zehn Jahren gestorben. (APA dpa)