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Musik

„Wir sind wie Bon Jovi“ - 20 Jahre Backstreet Boys

Die Backstreet Boys feiern großes Bühnenjubiläum. Die Band wird 20 Jahre alt. Ach, wie die Zeit vergeht.

Von Britta Schultejans, dpa

Berlin – Wenn Nick 18 Jahre alt wird, dann nennen wir uns „Backstreet Men“. Diesen Scherz machten die Mitglieder der Band jahrelang immer wieder. Heute ist Nick Carter 33 - und die Band heißt immer noch Backstreet Boys wie eh und je. An diesem Samstag feiern die Jungs ihr 20. Bühnenjubiläum. Ach, wie die Zeit vergeht.

Den Fans der ersten Stunde dürfte es wie gestern vorkommen, als die Boyband plötzlich Einzug in die Kinderzimmer der Bravo-Leserinnen hielt. Man schrieb das Jahr 1995. Die Karriere der Fünf kam mit ihrer ersten Single „We‘ve Got It Goin‘ On“ so richtig in Gang - und das vor allem in Deutschland, in den 1990ern ein guter Markt für synchron tanzende Jungs. Die Briten und Holländer von Caught in the Act waren damals hierzulande fleischgewordene Mädchenträume, Bed and Breakfast oder World‘s Apart und natürlich Take That. Die Älteren unter uns erinnern sich.

Professionelle PR führt zum Erfolg

Aus diesem Überangebot stachen natürlich Take That, aber auch die Backstreet Boys schnell hervor. Zwar sangen Kevin Richardson, Howie Dorough, Brian Littrell, A.J. McLean und Nick Carter tatsächlich vergleichsweise gut, der große Erfolg aber dürfte an der professionell-amerikanischen PR-Maschinerie gelegen haben. Angeworfen wurde sie von dem später sehr umstrittenen Lou Pearlman, der die Band am 20. April 1993 in Florida aus der Retorte gehoben hatte - und das gleiche später mit Justin Timberlakes Band NSYNC tat.

Gutaussehende Jungs singen Partysongs und kitschige Schnulzen

Das Erfolgsrezept war so einfach wie durchschlagend: Fünf gut und sehr unterschiedliche aussehende junge Männer singen Party-Songs und kitschige Schnulzen und machen sich die weibliche Fan-Welt mit Liedern wie „I‘ll Never Break Your Heart“, „Quit Playin‘ Games“ oder „Everybody - Backstreet‘s Back“ untertan.

Was sich auf den Konzerten abspielte, dürfte selbst hartgesottene Metal-Fans in Angst und Schrecken versetzt haben. Wie später bei Tokio Hotel oder Justin Bieber standen die Fans auch schon bei den Backstreet Boys stundenlang vor den Konzerthallen. Da wurde gekeift, geschrien, gekratzt, geschlagen und an den Haaren gezogen im Kampf um die besten Plätze ganz vorne an der Bühne. Solidarität unter Frauen wurde den Mädchen von damals wohl erst deutlich später ein Begriff.

Durchgeplantes Spiel mit Gefühlen

Auch heute noch sind die Konzerte der Band, die unverdrossen in unregelmäßigen Abständen neue Platten auf den Markt bringt, vor allem eins: ein durchgeplantes Spiel mit den Gefühlen. War es früher die große Star-Liebe, die die Besucherinnen zu Tausenden in die Hallen beförderte, ist es heute - im kleineren Rahmen - die Erinnerung genau daran. Einmal wieder Teenager sein.

Versprachen die Backstreet Boys früher - zumindest gefühlt – noch jeder einzelnen Bewunderin die große Liebe, sind heute alle von ihnen in festen Händen und - bis auf Nick – Familienväter. Und selbst Nick, der Jüngste, den das Schicksal vieler Kinderstars zu ereilen drohte, als er vor einigen Jahren mit einer turbulenten Beziehung zu Paris Hilton sowie Drogen- und Alkoholskandalen Schlagzeilen machte, ist inzwischen auf dem Weg in den Ehehafen. Er hat sich - auf einem romantischen Bootstrip, wie man hört - im Februar mit seiner langjährigen Freundin Lauren verlobt. Die Liebe suchen die Fans von damals also heute wohl bei den Konzerten nicht mehr - zumindest, wie die „Süddeutsche Zeitung“ so treffend schrieb, nicht in der romantischen Form.

„Kommt nicht infrage mit der Musik aufzuhören“

Nun feiern die ewigen Boys, die nach der Rückkehr des für einige Jahre ausgestiegenen Kevin Richardson wieder zu fünft sind, an diesem Samstag ihr Bühnenjubiläum mit einer großen Party in Los Angeles. „Es gibt viele Musiker, die irgendwann einfach verschwinden“, sagte Nick Carter einmal in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa. „Wir Backstreet Boys haben immer gedacht, es kommt nicht infrage, mit der Musik aufzuhören. Wir sind wie Bon Jovi.“

„Macht euch keine Sorgen!“, verkündete die Band nun bei Twitter an die Adresse derjenigen, die nicht dabei sein können. Die Party werde als Live-Stream im Internet übertragen. Live-Stream? Twitter? Internet? Das gab‘s vor 20 Jahren übrigens auch noch gar nicht.