Archiv

Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom 23.04.2013

Lokalsport-Reportage

Einmal Fußballer: Probetraining bei den FC Wacker Damen

Mittendrin statt nur darüber schreiben: In 90 Minuten drehte sich am Fußballfeld nicht nur das runde Leder.

drucken

Von Sabine Hochschwarzer

Innsbruck – Im Fußball kennt sich jeder aus. Elf gegen Elf, ein Ball, zwei Tore, und Abseits pfeift eh der Schieds­richter. Ein bisschen fach­simpeln, schimpfen, jubeln, ein bisschen Teamchef spielen eben. Mittendrin auf dem geschorenen Rasen, mit Stoppel statt Absatz unter der Sohle, sieht die wichtigste Nebensache der Welt dann doch ganz anders aus. So wie am Montagabend bei meinem ersten Fußballtraining. Und das gleich bei den Bundesliga-­Damen des FC Wacker.

Los geht’s mit Aufwärmen, also Laufen. Dabei dachte ich, eine ruhige Kugel schieben zu können. Der Boden ist uneben, auf den Gummi-Noppen läuft es sich wackelig wie auf High Heels. Zumindest kann ich nebenbei mit meinen neuen „Kolleginnen“ tratschen. Sie sprechen übers Spiel am Wochenende, das 0:4 gegen Spratzern, den direkten Konkurrenten um Platz zwei in der Tabelle. Mir wird warm, die Jacke muss weg, während sich die anderen die Ärmel über die Finger ziehen. Der Trainer ruft, wir folgen und schleppen ein Tor vom Feld. Im Stationbetrieb geht’s dann richtig rund, überall am riesigen Feld. Wie schafft man es da bloß, quer hinüber zu flanken, schwirrt es mir durch den Kopf.

Die Aufgabe lautet passen am roten Hütchen, zurück am weißen, am blauen loslaufen und Schuss aufs Tor – oder umgekehrt. „Im Uhrzeigersinn“, ermahnt Trainer Stephan Glöckner. Ich laufe rechts, schieße, passe nach links, in welche Richtung dreht sich noch mal ein Zeiger?

Glöckner nimmt mich zur Seite, beweist Gespür oder kann einfach mein So-als-ob-Gekicke nicht mitansehe­n: „Den Fuß ausdrehen und mit der Innenseite passen. Nie mit dem Spitz.“ Spitz – ist das nicht eine Hunde­rasse, und gab es da nicht den legendäre­n Treffer von Schnecker­l Prohaska in Izmir? Keine Zeit zum Überlegen. Ich muss durch einen Parcours dribbeln, zum Fußballtennis, und dazwischen redet Co-Trainer Manuel Pirche­r von einer Banane. Einer als Flanke geschlagenen.

Der Ball macht leider, was er will. Dementsprechend neidisch blicke ich zu den Mädels, die gediegene Ecken in den Strafraum zirkeln. Nach 90 Minuten ist Schluss, kaum einer schwitzt, während ich mich ausbreite wie eine Tormatte. „Das war nur lockeres Auslaufen“, sagt der Trainer. Was für ein Glück für mich.

drucken