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Bangladesch

„Letzte Überlebende“ des Gebäude-Einsturzes gestorben

Tragisches Ende der Rettungsarbeiten: Durch einen Brand mussten die „letzten Überlebenden“ aufgegeben werden.

Savar - Nach dem Einsturz des Fabrikgebäudes in Bangladesch hat eine weitere tragische Entwicklung die Bemühungen um die Rettung einer verschütteten Textilarbeiterin zunichte gemacht: In den Gebäudetrümmern brach am Sonntag ein Brand aus, und die Rettungskräfte mussten die „letzte Überlebende“ des Unglücks aufgeben. Die Gesamtzahl der geborgenen Toten stieg auf 379.

Zunächst hatten die Rettungskräfte noch Hoffnung für die verschüttete Frau. „Wir können ihre Laute hören“, sagte ein Feuerwehrmann. Die Frau habe sich als Sakhina Begum identifiziert. „Als wir zu ihr vordrangen, flehte sie, wir sollten sie nicht im Stich lassen.“ Die Frau sei noch mit Sauerstoff, Wasser und Nahrung versorgt worden. Dann aber brach ein Feuer aus. Die Frau kam ums Leben. „Wir haben diesen Kampf verloren, das bricht uns allen das Herz“, sagte der Feuerwehrmann. „Sie war eine tapfere Dame, die bis zum Schluss gekämpft hat.“

Am vierten Tag nach dem Unglück erstarben die Hoffnungen, weitere Überlebende unter den Überresten des Gebäudes zu finden. „Wir glauben, dass diese Frau die letzte Überlebende war“, sagte der Feuerwehrmann. Zahlreiche Angehörige möglicher Verschütteter waren noch immer an der Unglücksstelle versammelt und hofften auf Nachricht.

Die Nachricht von der Festnahme des Besitzers des Fabrikgebäudes, Sohel Rana, löste in der Menge am Sonntag wütende Schreie aus: „Hängt Rana, hängt den Mörder“, riefen die Menschen. Amtlichen Angaben zufolge wollte der Mann sich gerade nach Indien absetzen. Der Chef der bangladeschischen Polizeieliteeinheit, Muklesur Rahman, teilte mit, der Unternehmer sei in Benapole an der indischen Grenze gefasst und im Hubschrauber zurück in die Hauptstadt Dhaka gebracht worden. Rana ist Mitglied der Regierungspartei in Bangladesch.

Bereits am Samstag wurden drei Chefs von in dem Gebäude ansässigen Textilfabriken unter dem Vorwurf der fahrlässigen Tötung festgenommen. Zudem wurden zwei Ingenieure in Gewahrsam genommen, die das eingestürzte Gebäude abgenommen hatten.

Das teilweise illegal errichtete Gebäude in Dhaka war am Mittwochmorgen eingestürzt. Zum Zeitpunkt des Unglücks sollen mindestens 3.000 Menschen in fünf Fabriken in dem Gebäude gearbeitet haben. Zahlreiche Textilarbeiter protestieren seit dem Einsturz gegen die miserablen Arbeitsbedingungen in ihrer Branche. Viele der 4.500 Textilfabriken des Landes wurden deshalb vorübergehend geschlossen, die Fabrikbesitzer erklärten Samstag und Sonntag zu freien Tagen. (APA/AFP)