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Musik

Vampire Weekends neue Sounds: „Eleganter als Milchschokolade“

Das dritte Album der US-Band Vampire Weekend ist anders. Der bisher charakteristische Afrobeat dominiert nicht mehr, Kirchenorgeln, tiefe Bässe und lateinische Chöre sorgen für neue Elemente.

Wien, New York – Die US-Band Vampire Weekend veröffentlichte mit „Modern Vampires Of The City“ (Indigo) ihr drittes Album, zugleich das Ende einer Trilogie, das etwas anders klingt als seine Vorgänger. Der bisher charakteristische Afrobeat dominiert nicht mehr, Kirchenorgeln, tiefe Bässe und lateinische Chöre sorgen für neue Elemente. „Wenn mich die Leute heute fragen, warum wir die Platte als ‚düsterer‘ nennen, dann sage ich immer, dass wir sie eher als ‚dunkle Schokolade‘ bezeichnen, also eleganter als Milchschokolade“, meinte Sänger und Gitarrist Ezra Koenig.

Im Rückblick sei es also „vielleicht ein Fehler“ gewesen, im Vorfeld die aktuelle musikalischen Arbeit als „dunkler“ anzukündigen, betonte der Frontman in einem von der Plattenfirma verbreiteten Interview. „Die Wahrheit ist, dass dieses Album einige düstere Momente beinhaltet. Wir haben möglicherweise ein paar neue Stimmungen erfahren. Jetzt stelle ich aber fest, dass das nicht die ganze Geschichte erzählt.“ Man kann es sich bei der Beschreibung der Produktion wirklich nicht leicht machen. Nach dem starken afrikanischen Einfluss kommt dieser diesmal eher aus der Tradition des eigenen Landes.

Das Genre „Americana“ möchte Koenig jedoch nicht zulassen. „Wenn man nur dieses öde Americana-Zeugs hört, stellt man sich Amerika doch unweigerlich als ein verdammt ödes Land vor“, sagte der Musiker dem „Rolling Stone“ (deutsche Mai-Ausgabe). „Dabei ist unsere musikalische Geschichte so reich und so weird, so vielfältig und schräg, es gibt viele tolle Stile und Traditionen aus denen man schöpfen kann.“

Vampire Weekend waren Anfang 2008 mit ihrem selbstbetitelten Debüt herausgekommen, Indie-Rock traf u.a. auf senegalesischen Reggae und Rumbas. „Contra“ setzte 2010 die innovative Melange fort; wie schon beim Erstling wurden fünf Songs als Singles ausgekoppelt. Für „Modern Vampires Of The City“ begab sich das Quartett in Studios in Martha‘s Vineyard, einer Insel bei Massachusetts, und New York. Das Schlagzeug und der Bass wurden später analog in Los Angeles im ältesten Studio der Westküste eingespielt. „Diese Sounds wurde in die vorhandenen Aufnahmen integriert, sodass der neue Sound eine perfekte Symbiose aus alt und neu ist“, heiß es zur Veröffentlichung der LP. Außerdem experimentierte man mit eher ungewöhnlichen Aufnahmetechniken, einige Teile der Lieder entstanden in Appartements.

„Manche denken, dass es bei Vampire Weekend nur um dieses sehr fröhliche und lustige Zeug geht“, sagte Koenig. „Diese Leute haben nie wirklich unsere andere Seite gehört.“ Der Künstler verwies auf den neuen Song „Hudson“, „ein sehr unheimliches Stück in Moll“. „So ein Lied hätte nicht auf unsere erste Platte gepasst.“ Nachsatz: „Es (die neue LP, Anm.) wäre aber natürlich kein Vampire Weekend Album, wenn es da nicht Momente voller Energie und Freude geben würde.“

Das Cover, das in der Vinyl-Version richtig zur Geltung kommt, ziert ein Foto von Neal Boenzi von 1966. Es zeigt New York City am smogreichsten Tag der Geschichte der Stadt. Rund 170 Menschen sollen damals unmittelbar an den Folgen der Luftverschmutzung gestorben sein, ist zumindest auf Wikipedia eingetragen. (APA)