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TT-Wunschkonzert

Tiroler Songwriterin Soe Tolloy - Zart besaitet im Prunksaal

Neues Album und gleich mit Simply-Red-Frontmann Mick Hucknall auf Tournee: Der Tiroler Singer/Songwriterin Soe Tolloy gelingt der Spagat zwischen Mama sein und Musikkarriere. Beim TT-Wunschkonzert ließ sie ihre samtweiche Stimme im Riesensaal der Hofburg erklingen.

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© Silvana Resch

Text: Simon Hackspiel, Video: Silvana Resch

Innsbruck – Über Jahrhunderte war der Riesensaal der Innsbrucker Hofburg regelmäßig Schauplatz ausschweifender Festbankette der kaiserlichen Familie. Prunk wurde groß geschrieben. Die lebensgroßen Porträts Maria Theresias und ihrer Erben sowie die opulenten Verzierungen lassen erahnen, welch Reichtum hier zur Schau gestellt wurde.

Dieses protzige Bild mag so gar nicht zum zarten Wesen von Soe Tolloy passen. Nur mit ihrer Gitarre sitzt die Tiroler Songwriterin mitten im Riesensaal und wirkt angesichts der schieren Größe des Raumes zunächst etwas verloren. Aber kaum singt Tolloy die ersten Töne, füllt ihre samtweiche Stimme den Saal bis in die letzte Fuge aus. Es scheint fast so, als würde auch die kaiserliche Familie an den Wänden ihre Darbietung bewundern.

„Ein typischer Sehnsuchtssong“

Für das TT-Wunschkonzert hat die gebürtige Telferin ihre aktuelle Single „Come Home“ des gleichnamigen Albums in eine Unplugged-Version gegossen. „Es ist ein typischer Sehnsuchtssong“, sagt Tolloy beim anschließenden Interview. „Mein Lebensgefährte ist auch Musiker. Als er auf Tour ging habe ich mich anfangs gefreut, mal Zeit für mich zu haben. Nach zwei Tagen habe ich ‚Come Home‘ geschrieben, weil ich ihn so vermisst habe.“

Ambivalente Gefühle sind für die Mutter eines sechsjährigen Buben keine Seltenheit. Vor allem dann wenn sie selbst auf Tour ist, wie diesen März mit dem ehemaligen Simply-Red-Frontmann Mick Hucknall. „Ich genieße das Mama sein total. Da fällt mir die Vorstellung, längere Zeit weg zu sein, oft schwer“, meint Tolloy. Andererseits war die Erfahrung als Support-Act von Hucknall Gold wert: Auftritte vor 1500 bis 2500 Leuten in Locations wie dem Admiralspalast in Berlin oder im Kölner E-Werk sind für sie schließlich nicht alltäglich.

Familie und Heimat gehen vor

Bevor sie vergangenen Dezember ihr neues Album veröffentlichte, hatte Soe Tolloy im Sommer 2011 zum letzten Mal von sich reden gemacht – damals als Support von Katie Melua bei deren Österreich-Konzerten. Dem Management des britisch-georgischen Popstars gefiel der Sound der Tirolerin so gut, dass eine Zusammenarbeit zustande kam.

Tolloy bleibt trotz des professionellen Umfelds entspannt, was ihre Musikkarriere angeht: „Ich bin nicht der Typ, der sagt: ‚Wow, jetzt bin ich richtig erfolgreich.‘ Dass das jetzt alles so passiert, freut mich einfach nur.“ Im Vordergrund steht für sie das Ausleben ihrer Kreativität, nicht der Ruhm. Auch ihre Heimat würde Tolloy nicht der Karriere wegen verlassen. „Mein Lebensmittelpunkt wird immer in Tirol bleiben. Die Berge können nicht hoch genug sein“, lacht sie.

Fünf Fragen an: Soe Tolloy

Wie bist du zur Musik gekommen?

Soe Tolloy: Ich singe seit ich denken kann, habe aber in meiner Jugend nie an eine Gesangskarriere gedacht. Vor ein paar Jahren war ich beruflich ziemlich orientierungslos. Ein einschneidendes Erlebnis hat mir dann den Impuls dazu gegeben Schritt für Schritt mein erstes Album (Anm. Excuse me Mr.) zu produzieren, das 2010 erschienen ist. Richtig aufwärts gegangen ist es, nachdem ich bei Katie Melua als Support-Act gespielt habe.

Wie vereinst du Musikkarriere und Mutterrolle?

Soe Tolloy: Ich genieße beides sehr, im Prinzip ist es die perfekte Mischung. Es sind zwei verschiedene Welten, aber ich brauche diese Abwechslung und Spannung im Leben. Das Muttersein hat mich geerdet und hält mich auf dem Boden. Nach einer Tour freue ich mich auf das Heimkommen, denn die Familie ist für mich das Allerwichtigste.

Gibst du dich in deinen Musikvideos bewusst natürlich und naturverbunden?

Soe Tolloy: Natürlichkeit ist mir einfach wichtig. Beim Videodreh zu ‚Come Home‘ haben wir beispielsweise kein Make Up verwendet. Heute sind die meisten Mädels im Musikbusiness irrsinnig aufgestylt, da bekomme ich manchmal Bedenken, ob ich überhaupt in diese Welt passe. Dass ich oft barfuß auf der Bühne stehe, sehe ich auch nicht als Show. Eine Show wäre es, wenn ich Stöckelschuhe tragen würde. Manchmal habe ich schon damit Probleme, dass Äußerlichkeiten so wichtig sind in dem Business.

Was sind deine größten Inspirationsquellen?

Soe Tolloy: Das alltägliche Leben ist die größte Quelle. Aber ich interessiere mich auch sehr für Literatur und bildnerische Kunst, wovon ich mich oft inspirieren lasse. Ein großes musikalisches Vorbild habe ich nicht, ich mag es aber eher ruhig. Derzeit höre ich zum Beispiel Eva Cassidy oder Tom Waits.

Was bringt die Zukunft?

Soe Tolloy: Am 18. Mai spiele ich bei der Verleihung des ‚Goldenen Schlitzohrs‘ in Hamburg. Da wird Peter Maffay für sein Engagement für sozial benachteiligte Kinder ausgezeichnet. Zudem arbeite ich an neuen Songs und habe vor, bald noch ein Album rauszubringen. Einen Release-Zeitpunkt gibt es noch nicht, aber ich habe schon ziemlich konkrete Vorstellungen.

Mehr Infos unter www.soetolloy.com

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