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Landeck

Nach viertem Brand zittert Landeck vor „Feuerteufel“

Der Brand im Landecker Stadtteil Öd griff rasch auf angrenzende Wohngebäude über. Brandaus wurde erst um 9:15 vormittags gegeben. Dass der neuerliche Brand binnen weniger Tage kein Zufall ist, ist für die Anrainer klar.

Von Helmut Wenzel

Landeck – Geschockt reagierte die Bevölkerung im Stadtteil Angedair, die am Freitag das Ausmaß der Brandkatastrophe gesehen hat: Der rund 400 Jahre alte „Straudi Stadel“ ist völlig abgebrannt, drei benachbarte Häuser bzw. neun Wohnungen wurden schwer beschädigt. Eines der Häuser muss laut Bürgermeister Wolfgang Jörg vermutlich abgetragen werden. Bis zu 25 Personen mussten bei Brandausbruch gegen 2 Uhr in der Früh evakuiert werden, ein Feuerwehrmann erlitt Brandverletzungen an der Hand.

„An einen Zufall kann man da nicht mehr glauben. Wir haben in Landeck wieder einen ,Feuerteufel‘, dem das Handwerk gelegt werden muss“, ist unter den entsetzten Anrainern zu hören.

Der Brandermittler der Polizei, Gerhard Walser, konnte bis Freitagabend „nicht den geringsten Hinweis auf eine bestimmte Bandursache“ entdecken. „Auch die Kollegen vom Landeskriminalamt waren hier beim Lokalaugenschein. Ich fürchte, wir werden noch lange an der Arbeit sein“, resümierte Walser. Unabhängig von den Gerüchten über einen möglichen Brandstifter werde man auch über Pfingsten „in alle Richtungen“ ermitteln. „Es wird sehr schwierig sein, weil dieser Brand enorme Hitze rund um den Stadel entwickelt hat.“

Anrainer können die Hitze nur bestätigen, etwa Herbert Tilg, der in einem Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite wohnt: „Ich habe Explosionen gehört. Die Flammen waren fünf Meter hoch. Es war so heiß, dass bei uns ein paar Fensterscheiben gebrochen sind.“

Der Großbrand hielt die Feuerwehren mehr als sieben Stunden in Atem, die Entwarnung „Brand aus“ kam erst gegen 9.15 Uhr. Die Stadtfeuerwehr Landeck sowie Löschtrupps aus Zams, Stanz, Fließ, Imst und St. Anton a. A. waren mit bis zu 180 Mann angerückt, zwei Drehleitern waren im Einsatz. „Zwei an den Stadel angrenzende Häuser sind alt und baulich miteinander verknüpft. Es war sehr schwierig, ein Übergreifen des Feuers zu verhindern“, schilderte Stadtfeuerwehrkommandant Reinhold Greuter.

Gastwirt und Stadel-Besitzer Josef Straudi erlebte einen Albtraum: „Unfassbar, was da passiert ist. Der Stadel war 400 Jahre alt, jetzt ist ein altes Stück Landeck weg.“

Den ganzen Tag über brodelte weit über Landeck hinaus das Gerücht, der Großbrand könnte die Tat eines „Feuerteufels“ sein. Aus gutem Grund: Die Brandserie mit ungeklärter Ursache begann heuer im Jänner, als im Stadtteil Perfuchs gegen 2.30 Uhr ein Schuppen in Flammen aufging. Zwei weitere nächtliche Feuerwehreinsätze im Stadtgebiet folgten.

„Ich kann nur auf eine rasche Aufklärung dieser Brandserie hoffen“, sagte Bürgermeister Wolfgang Jörg. Er hatte alle Hände voll zu tun, um Ersatzwohnungen für die evakuierten Personen zu organisieren. Unterstützung kam auch vom Roten Kreuz.