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Treffen ohne zielen

Ultimativer Spaßverderber für Jäger und tödliches Werkzeug

Das Precision Guided Firearm trifft von ganz allein ins Schwarze. Die Herstellerfirma bewirbt es als „Jagdgewehr“, Militärs üben Kritik am Verkauf an Zivilisten.

Austin – Die US-Firma TrackingPoint lockt ausgerechnet Hobby-Schützen und Jäger mit einem neuen Hightech-Gewehr, das es seinem Besitzer erlauben soll, vorgegebene Ziele bis zu einer Entfernung von 900 Metern völlig selbständig zu treffen.

Der Schütze muss dabei nicht einmal mehr selbst zielen, sondern wählt nur noch aus, welches Objekt in Reichweite des Gewehrs anvisiert werden soll. Für die nötige Treffsicherheit sorgt dann ein komplexes Tracking-System, das sowohl die Bewegungen des Ziels als auch Faktoren wie Windstärke oder Luftfeuchtigkeit analysiert.

„Gezielte Schüsse über eine lange Entfernung waren aus Sicht des Schützen schon immer eine sehr große Herausforderung“, heißt es auf der offiziellen Herstellerseite des „Precision Guided Firearm“ (PGF), so der Name der neuen „Wunderwaffe“.

Die Ursachen hierfür würden in verschiedenen Variablen liegen, die die Treffergenauigkeit reduzieren. Als Beispiele werden etwa die Windrichtung und -geschwindigkeit, die Krümmung der Erde, der auftretende Rückstoß oder menschliche Fehler wie das Zittern oder die Fehleinschätzung der Entfernung zum Ziel genannt.

„Mit dem PGF haben wir das genaueste Schusssystem der Welt entwickelt. Es löst gleich mehrere Probleme, denen sich Scharfschützen gegenüber sehen“, betont TrackingPoint.

Laser, Kamera, Computer

Das Herz des PGF ist sein ausgeklügeltes computergestütztes Tracking-System namens „XactSystem“. Dieses besteht im Wesentlichen aus einem Computer auf Linux-Basis, einem Laser-Entfernungsmesser, einer Kamera und einem hochauflösenden Farbdisplay, das in das Zielfernrohr am oberen Ende des Gewehrs integriert ist.

Für einen punktgenauen Abschuss muss der Schütze den Lauf nur grob ausrichten und einen speziellen Knopf neben dem Auslöser drücken, sobald der Laser-Sucher das gewünschte Ziel markiert hat.

Um den richtigen Zeitpunkt und Winkel für den Schuss zu ermitteln, durchläuft der Computer einen speziellen Algorithmus, der es mittels unterschiedlicher Bildverarbeitungsroutinen ermöglicht, ein bewegendes Objekt kontinuierlich korrekt anvisiert zu lassen.

„Das System funktioniert ähnlich der ‚Lock-and-Launch‘-Technologie, die auch in Kampfjets verwendet wird, wobei der Pilot nicht mehr selbst genau zielen muss“, erklärt TrackingPoint-Boss Jason Schauble gegenüber dem NewScientist.

Kritik von US-Veteranen

Neulinge absolvieren „erfolgreiche“ Tests

Bei ersten Testläufen hat das PGF laut Angeben seines Herstellers bereits „unglaubliche Zielgenauigkeit“ bewiesen. Auch vollkommene Neulinge hätten es in mithilfe des Hightech-Gewehrs bei Praxistests geschafft, Ziele in 500 bis 900 Metern Entfernung punktgenau abzuschießen. Dass die Technologie des Systems ausgereift ist, scheint also bewiesen, unklar bleibt aber noch, wie sinnvoll das überhaupt ist.

Erste Kritiker kommen aus den Reihen der US-Militärveteranen. „Ein Gerät wie dieses, das die Fähigkeiten von Scharfschützen übernehmen kann, sollte nicht an Zivilisten verkauft werden dürfen“, so der Tenor der Skeptiker. In falschen Händen könnte sich die Waffe als tödliches Werkzeug erweisen. (pte, tt.com)

US-Firma TrackingPoint: http://tracking-point.com