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Klimaschutz als Deckmantel für Umweltverbrechen

Der Dokumentarfilm „Climate Crimes“ zeigt weltweit bedrohte Naturjuwele: Die Reise geht von Brasilien über Indonesien bis nach Europa.

Innsbruck – Das Balbina Wasserkraftwerk im brasilianischen Amazonasgebiet ist einer der düstersten Schauplätze in dem Film „Climate Crimes“, der heute Abend (20.20 Uhr) im Innsbrucker Leokino in Anwesenheit des Regisseurs und Produzenten Ulrich Eichelmann gezeigt wird.

Mehr als 3000 Quadratkilometer Regenwald versanken 1989 für das Balbina-Kraftwerk in den Fluten. Nun geben die verrottenden Büsche und Bäume im Stausee Kohlendioxid und Methan frei. Treibhausgase, die laut Experten das 26-fache eines Kohlekraftwerks mit vergleichbarer Leistung betragen.

Balbina könnte als schauriges Mahnmal dienen, stattdessen ist in Brasilien ein regelrechter Wasserkraft-Rausch ausgebrochen. 60 Megastaudämme und hunderte mittlerer Wasserkraftwerke sind im Amazonasgebiet geplant.

Mutiger Widerstand

„Sollte das passieren, können wir nur noch ein Requiem für die Natur singen“, sagt der Bischof von Xingu, Erwin Kräutler, in dem Film. Der gebürtige Vorarlberger ist prominenter Kämpfer gegen den in Bau befindlichen Belo Monte Megastaudamm am Xingu, einem Zufluss des Amazonas. 25.000 Menschen sollen für das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt weichen, die ökologischen Folgen für eines der artenreichsten Gebiete unseres Planeten sind nicht absehbar. Kräutler unterstützt seit Jahren den erbitterten Widerstand der betroffenen Indiostämme der Kayapo und Arara. Neben Morddrohungen erhielt der Bischof dafür 2011 den Alternativen Nobelpreis.

Es ist eine bittere Ironie, die der Film „Climate Crimes“ aufzeigt: Klimaschutz wird weltweit vielfach zum Deckmantel für die Zerstörung der letzten Naturjuwele der Erde. Dies demonstrieren etwa auch die gravierenden Folgen des Palmöl-Anbaus für Biodiesel in Indonesien. Während in Deutschland die wachsenden Mais-Monokulturen für Biogasanlagen zur Bedrohung für Naturschutzgebiete und Landwirtschaft werden.

Kulturelles Erbe bedroht

International umstritten ist auch der Ilisu-Megastaudamm am Tigris. 2009 hat sich u. a. Österreich aus dem Projekt zurückgezogen, in der Türkei wird trotz Protesten - u.a. von Nobelpreisträger Orhan Pamuk - weitergebaut. Mit dem Staudamm würde nicht nur die antike Stadt Hasankeyf im Südosten der Türkei untergehen, 65.000 Menschen müssten umgesiedelt werden. Flussabwärts im Zweistromland nahe der irakischen Stadt Basra sind zudem die mesopotamischen Sümpfe vom Austrocknen bedroht.

Drei Jahre Produktionszeit

Für seinen knapp einstündigen Film hat Produzent Eichelmann mit seinem teilweise Tiroler Team drei Jahre lang die Welt bereist und bewegende Bilder einzigartiger Landschaften gesammelt. Das Engagement geht dabei weit über die Leinwand hinaus. Am Dienstag wurde etwa mit einer Gruppe internationaler Aktivisten - unter ihnen auch Kayapo Indios vom Xingu in Brasilien - die Ilisubaustelle blockiert. Mehr Info: www.riverwatch.eu (sire)